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Niesky

Keine "Goldenen Zwanziger" für Niesky

Die Stadt hat 2019 einiges erreicht. Aber die Kasse ist klamm, die Bürger sind gefragt. Auch, wenn bald ein Fernsehteam kommt.

Wenn man die 2020-Luftballons von hinten sah, ergaben sie ein anderes Bild. Nieskys Bürgermeisterin bleibt aber optimistisch und hofft auf die Nieskyer.
Wenn man die 2020-Luftballons von hinten sah, ergaben sie ein anderes Bild. Nieskys Bürgermeisterin bleibt aber optimistisch und hofft auf die Nieskyer. © André Schulze

Sie schwebte im Bürgerhaus golden über dem sehr appetitlich angerichteten Buffet: die Jahreszahl 2020. Eine Verheißung darauf, dass auf Niesky nun goldene Zwanzigerjahre zukommen? Wohl kaum. In ihrer Ansprache zum Neujahrsempfang erwähnte Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann, dass ein neues Jahrzehnt für die Stadt Niesky anbricht, aber golden wird das nicht. Im Gegenteil. Wer nicht vor den vier wie Luftballons schwebenden goldenen Zahlen am Buffet stand, sondern dahinter, konnte mit etwas Fantasie die aus dieser Perspektive letzten drei Ziffern als "SOS" lesen. Dieser Notruf ereilte Niesky in diesem Jahr, als aufgrund enormer Steuerrückzahlungen die Notbremse in Form einer Haushaltssperre gezogen werden musste.      

Wo Niesky dieses Jahr investiert

Die Oberbürgermeisterin formulierte das so: "Zu meiner Neujahrsansprache im vergangenen Jahr sagte ich, dass Niesky in diesem Jahr nur kleine Brötchen backen kann. Dieses Jahr ist es so, dass uns sogar die Zutaten zum Backen fehlen." Somit fiel der Ausblick auf die Investitionen 2020 kurz aus. "Wir wollen eine weitere Anliegerstraße ausbauen", sagte Beate Hoffmann. Zwei Dinge, die dieses Jahr die Stadt planerisch angehen will, kommen noch hinzu: das Erweitern des Gewerbegebietes Nord und das Bereitstellen weiterer Baugrundstücke für Wohnbauten. Beides wird der Stadt Geld in die Kasse bringen. Geld, das sie dringend braucht.     

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Was für die Nieskyer geschafft wurde

Dennoch ist die Situation nicht so, dass die Oberbürgermeisterin einen Pferdekopf ans Rathaus hängen muss. Trotz der klammen Kasse hat Niesky im zurückliegenden Jahr einiges erreichen können. Wenn auch nicht alles durch die Stadt erfolgte, sie und ihre Bürger sind aber der Nutznießer davon: der Bau eines Hospizes durch die Diakonissenanstalt Emmaus, ein Medizinisches Versorgungszentrum ist eingerichtet worden, die Stadtwerke Niesky hatten zwei Ladesäulen für Elektroautos errichtet,  auch wenn in Niesky bisher nur eine Handvoll E-Autos zugelassen sind. Die Sanierung der DRK-Kita in der Schleiermacherstraße ist abgeschlossen, die beiden großen Vermieter haben in den städtischen und genossenschaftlichen Wohnungsbestand investiert, die Stadtwerke in ihre Versorgungseinrichtungen. 

"Wir haben alle unsere Kitas und Schulen in einem sanierten Zustand, können damit  ordentliche Betreuungs- und Lernbedingungen bieten", sagte die Oberbürgermeisterin. Darüber hinaus verfügt Niesky über Einrichtungen, die nicht mehr in jeder deutschen Kleinstadt zu finden sind: eine moderne Stadtbibliothek, zwei Museen, ein Bürgerhaus mit großem Saal, das Waldbad und das Eisstadion. Das wird im Alltag schnell vergessen, dass diese Errungenschaften auch zu erhalten sind - mit Personal und Geld.  

Engagement ist gefragt

Die Oberbürgermeisterin sagte aber auch, dass es ohne ehrenamtliches Engagement sowie materieller und finanzieller Unterstützung nicht mehr gehen wird. Bereits das Stadtfest im vergangenen Jahr hätte ohne  Sponsoring nicht stattfinden können. Das hat die Stadt erkannt, aber auch, dass Engagement im Ehrenamt gefördert und gelobt werden muss. Die Stadtverwaltung will dem in diesem Jahr mit der Verleihung des 1. Nieskyer Bürgerpreises eine feierliche Wertschätzung geben. Am 28. März wird die Verleihung mit einem Ball im Bürgerhaus stattfinden.   

Fernsehen hat sich angesagt

Bürgerliches Engagement ist auch am 2. Mai gefragt. Dann ist Niesky eine der drei Städte, die der MDR für seine Sendereihe "Frühlingserwachen" auserkoren hat, berichtete Frau Hoffmann. Jede Stadt stellt sich eine Aufgabe, die mit großer Bürgerbeteiligung am selben Tag noch zu Ende zu führen ist. Im Fernsehen wird davon berichtet. Niesky will sich mit seinem Park Monplaisir beteiligen.  Die Stadt, für die die MDR-Zuschauer am meisten stimmen, bekommt 4.444 Euro vom Sender und einen eigenen Fernsehauftritt. In den drei Städten des Vorjahres beteiligten sich laut MDR jeweils zwischen 300 und 400 Bürger an den Verschönerungsaktionen. Das ist eine Herausforderung für Niesky, aber eine machbare, schätzt die Oberbürgermeisterin ein.