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Keine Lust auf Exoten

Die Formel 1 nimmt Abschied von Malaysia – ein Sinnbild für den Neuanfang der Königsklasse.

© dpa

Von Thomas Weitekamp

Echte Wehmut will irgendwie nicht aufkommen beim Abschied der Formel 1 aus Malaysia. „Ganz ehrlich“, sagt etwa Kimi Räikkönen, „ich weiß nicht, ob dieses Rennen uns Fahrern fehlen wird. Man sieht hier den Flughafen, das Hotel neben dem Flughafen und die Strecke. Was sollen wir da vermissen?“ Seit 1999 war der Sepang International Circuit Teil des Formel-1-Kalenders, in diesem Jahr reist die Königsklasse nun letztmals an den Kurs nahe Kuala Lumpur. Im Fahrerlager wird das weitgehend emotionslos zur Kenntnis genommen, und doch gewinnt dieser Abschied durch eine gewisse Symbolik an Tragweite.

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Denn Malaysia steht wie kaum ein Rennen exemplarisch für die viel kritisierte Entwicklung der „modernen“ Formel 1 unter Bernie Ecclestone – und kurz nach dem langjährigen Chef verschwindet nun auch Sepang aus dem PS-Zirkus. Die neuen Eigentümer aus den USA haben wenig Interesse an Standorten wie diesem und an dem Modell, welches dahintersteht.

Dieses hatte Ecclestone vor 18 Jahren in Malaysia aus der Taufe gehoben: Das Land in Südostasien war sein erster Exot im Rennkalender, außerhalb von Europa war zuvor nur an Traditionsstandorten wie Brasilien, Japan und Australien gefahren worden. Ecclestone hatte ein neues Geschäft entdeckt. Er brachte seine Serie immer häufiger in Länder, die mit Motorsport nicht viel zu tun hatten, für die weltweite Werbewirkung eines Grand Prix aber gerne hohe Summen zahlten.

Viele Standorte waren allerdings zum Scheitern verurteilt und sitzen nun auf den teuer erbauten Strecken. Die Türkei und Südkorea verschwanden schnell wieder. Der indische Grand Prix, anders als die Übrigen nicht staatlich finanziert, war ebenfalls nur ein Intermezzo, nun ist auch für Malaysia Schluss. All diesen Rennen fehlten von Beginn an die Argumente. Sie boten kein Alleinstellungsmerkmal, keine Geschichte, keine Atmosphäre.

Auch Liberty Media hat das längst erkannt, die neuen Eigner der Königsklasse wollen nicht mehr nach Antrittsgagen auswählen. Denn Ecclestone, sagt Liberty-Chef Greg Maffei, habe sich vor allem eine Frage gestellt: „Wie viel kann ich verdienen?“ Auf diese Weise sei die Formel 1 „an Orten gelandet, an denen wir eine dicke Prämie erhalten. Aber der Marke und dem Geschäft hilft es überhaupt nicht weiter.“ Künftig soll die Formel 1 dahin kommen, wo sie wachsen kann. Vor allem Nordamerika ist der Markt der Zukunft, Stadtrennen sollen eine wichtige Rolle spielen, die europäischen Traditionsstrecken ebenfalls im Kalender bleiben. Für Ecclestones Exoten bleibt da wenig Platz. (sid)