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Keine Lust auf Montag

Die Kritik am neuen Spieltermin wird bei der Partie Frankfurt gegen Leipzig nicht zu überhören sein. Doch es gibt auch Verständnis für die Bundesliga-Premiere.

© Symbolfoto: dpa

Von Sebastian Stiekel

Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Eigentlich hätte sich die Fußball-Bundesliga kaum ein spannenderes Spiel wünschen können für ihr Premierenprodukt Montagabendspiel. Denn bei der ersten Ansetzung an diesem Montag spielt Eintracht Frankfurt, das Überraschungsteam dieser Saison, gegen RB Leipzig, das ehrgeizigste Projekt der vergangenen Jahre. Es geht um die Champions-League-Plätze und zwei völlig verschiedene Vereinskulturen. Aber all das tritt hinter eine Brisanz zurück, die allein mit der Anstoßzeit zu tun hat.

Denn die Frankfurter Fans haben angekündigt, im Stadion massiv gegen die Einführung von Montagsspielen in der Bundesliga zu protestieren. Sie wollen die eigene Mannschaft nicht unterstützen, dafür aber bei Leipziger Aktionen umso lauter pfeifen und schreien. Sie wollen mit Plakaten und Transparenten demonstrieren, sogar ein Platzsturm und eine Spielunterbrechung werden befürchtet.

„Wir haben nicht vor, der DFL als stimmungsvolles Klatschvieh eine farbenfrohe und lautstarke Kulisse zu liefern und so die wirksame Vermarktung ihres Produkts Bundesliga zu ermöglichen“, heißt es in einer Erklärung der Fanclub-Vereinigung „Nordwestkurve Frankfurt“. Sogar der Verein hat dafür Verständnis. „Montagsspiele greifen massiv in die Kultur unserer Fans ein“, sagt Eintracht-Vorstand Axel Hellmann. „Solange der Protest kritisch, aber nicht gewaltsam oder pyrotechnisch ist, müssen wir das aushalten können.“

Die Montagsspiele sind für viele Anhänger ein ähnlich großes Reizthema wie die mögliche Reform der 50+1-Regel, weil hinter beiden Auseinandersetzungen das gleiche Unbehagen steckt: Der Profifußball wird immer kommerzieller, die Interessen der Fans hat niemand mehr im Blick. Aus Leipzig kann jedenfalls an diesem Termin kaum jemand mitreisen, weil er dafür zwei Tage Urlaub nehmen müsste. Auch deshalb spendiert die Mannschaft den Anhängern die Fahrt, trotzdem kommen nur 550 mit – deutlich weniger als üblich.

Bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) dagegen hält man den Protest gegen die Montagsspiele für völlig überzogen. Die Rechnung „höhere Medienerlöse durch mehr Spieltagstermine“ hätte bei ihrer Einführung keine Rolle gespielt. „Die Montagsspiele wurden mit Zustimmung der Klub-Vertreter zur Vermeidung von Donnerstag-Samstag-Ansetzungen der Europa-League- Starter und zum Schutz des Amateur-Fußballs am Sonntag eingeführt“, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert.

Immerhin bestätigte auch Seifert, dass angesichts des massiven Fanprotests bereits wieder über eine langfristige Abschaffung des ungeliebten Montagstermins diskutiert wird. „Diese Spielplan-Regelung wurde für die Zeit bis 2021 einstimmig verabschiedet, sie liegt beim Bundeskartellamt und ist Bestandteil aller Medienverträge. Für die Zeit danach sind die Montagsspiele nicht in Stein gemeißelt“, sagte er.

Auch RB-Trainer Ralph Hasenhüttl betonte die Vorzüge des neuen Spieltermins. „Die fünf Montagsspiele haben schon auch damit zu tun, dass der ein oder andere Verein ein paar Runden in der Europa League übersteht. Deswegen ist das für uns im Moment nicht so schlecht“, sagte er. RB hatte am Donnerstag noch beim SSC Neapel im Hinspiel der Europa-League-Zwischenrunde mit 3:1 gewonnen. Der zusätzliche Ruhetag kommt daher durchaus gelegen. „Wir sind nicht traurig darüber, dass wir noch einen Tag länger Zeit haben, nachdem wir aus Neapel zurückreisen mussten“, sagte Hasenhüttl.

Die Kritik vieler Fans versteht er nur bedingt: „In Leipzig ist es noch nicht so lange her, dass man montags gespielt hat, und in Frankfurt sind die Zweitligazeiten ja auch noch nicht so lange her.“ Hasenhüttl selbst gab mit einem Augenzwinkern an, dass ihn der neue Termin persönlich nicht störe oder gar in seinen Lebensgewohnheiten beeinträchtige: „Sonst sitze ich vor dem Fernseher und schaue die 2. Liga“, sagte der 50-Jährige: „Jetzt schaue ich mir meine eigene Mannschaft an – mit etwas weniger Gelassenheit wahrscheinlich.“

Sportlich hat das Duell für beide Vereine eine große Bedeutung. Sowohl Frankfurt wie auch RB gewannen vier der sechs Pflichtspiele in diesem Jahr – und beide wollen ihren Champions-League-Platz verteidigen. „Ich freue mich auf ein richtiges Spitzenspiel. Dort zu bestehen, wird aber nicht einfach. Denn Frankfurt steht zu Recht so weit oben“, sagte Hasenhüttl.

Seine Mannschaft erlebt binnen weniger Tage zwei Extreme. Am Donnerstag gewann sie in Neapel in einem fast leeren Stadion, weil sich in einer der fußball-verrücktesten Städte niemand für die Europa League interessiert. Am Montag droht die Atmosphäre aggressiver zu werden. (dpa/SZ)