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Keine Patentrezepte für den Dauerkonflikt

Nahost. Der frühere Chef der Adenauer-Stiftung in Jerusalem sieht Chancen für Friedensgespräche.

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Von Frank Grubitzsch

Zuerst räumt er mit einem gängigen Vorurteil auf: Die da im Nahen Osten, heißt es mitunter bei Debatten an deutschen Stammtischen, werden sich niemals einigen. So denkt Johannes Gerster nicht. „Es wird eine Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern geben, aber keinen Frieden, so wie wir ihn verstehen“, sagte der langjährige Chef der Jerusalemer Vertretung der Konrad-Adenauer-Stiftung am Mittwochabend vor etwa 100 Zuhörern im Dresdner Kulturrathaus.

Doch Patentrezepte für eine Beilegung des Nahost-Konflikts besitzt auch Gerster nicht. Klar ist für ihn nur, dass Israelis und Palästinenser an den Verhandlungstisch zurückkehren müssen. Zu den schwierigsten Themen bei den Verhandlungen gehört die Zukunft der jüdischen Siedlungen im Westjordanland. Gerster hält die Siedlungspolitik für einen der „tragischsten Fehler“ Israels – geboren aus Fehleinschätzungen nach dem Krieg von 1967. Inzwischen sei in der israelischen Öffentlichkeit aber die Einsicht gewachsen, dass eine Räumung der meisten Siedlungen unumgänglich ist. Die großen Siedlungsblöcke – wie Ariel oder Maale Adumim – werde Israel nicht aufgeben, glaubt Gerster. Für denkbar hält er es jedoch, den Palästinensern als Ausgleich andere Gebiete zu überlassen.

Skepsis zu Uno-Einsatz

Doch selbst die Gründung eines Palästinenserstaates brächte noch keine Lösung des Nahost-Konflikts, sondern nur eine Beruhigung der Lage. Noch fehlt eine Verständigung mit den Nachbarn. Syrien sei zwar ein starker Staat, habe aber einen schwachen Präsidenten. Und im Libanon sei die radikal-islamische Hisbollah ein Machtfaktor. Skeptisch beurteilt Gerster den Uno-Einsatz im Libanon. Israels Armee sei es nicht gelungen, die zehn Kilometer lange Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten so zu sichern, dass der Schmuggel von Waffen für die Palästinenser unterbunden wird. „Wie soll es dann eine multinationale Truppe im Libanon schaffen, eine 300 Kilometer lange Grenze zu überwachen und Waffenlieferungen an die Hisbollah zu verhindern?“

Gar nichts hält Gerster davon, die Länder der Region von außen zu demokratisieren. Dies betrachte man dort als einen Angriff auf die eigene Kultur. Der Wunsch nach Demokratisierung müsse von innen kommen, sagt Gerster. Zudem dürfe sich im Westen niemand Illusionen machen, wer von freien Wahlen in den arabischen Ländern profitieren würde – derzeit nämlich islamistische Bewegungen wie die Moslembrüder in Ägypten.