Merken

Keine Sterne überm Süden

Der helle Himmel über Turow irritiert – und ärgert nun auch die Görlitzer Sternenfreunde.

Teilen
Folgen
© Matthias Weber

Von Matthias Klaus

Görlitz. Es ist etwas unheimlich. Sogar von der B 6 aus sieht man es in Richtung Süden bei der Fahrt von Görlitz nach Reichenbach. Ein Leuchten, das eigentlich etliche Kilometer entfernt ist und doch die gesamte Region bewegt. Das polnische Unternehmen Citronex baut gleich neben dem Kraftwerk Turow Tomaten an. Damit die richtig schön sprießen, werden sie nächtens beleuchtet. Vor allem wenn es diesig ist, Wolken über Turow ziehen, liegt eine Art strahlende Glocke gleich hinter der Neiße über der Landschaft.

Die mag nun die Anwohner im Süden des Kreises, etwa in Hirschfelde in direkter Nachbarschaft, etwas mehr stören als die Görlitzer. Aber auch in der Kreisstadt ärgert man sich über die Lichtverschmutzung durch Tomatenzucht. „Für unser Beobachtungsprogramm ist das Ganze schon sehr störend“, schildert Lutz Pannier von den Görlitzer Sternenfreunden. Das Problem: In Richtung Süden liegt die Hauptbeobachtungsrichtung der Sternwarte. „Wenn der Himmel klar ist, ist das Problem nicht so groß. Schlimm wird es bei diesigem Wetter, wenn Wolken aufziehen, die das Licht reflektieren. Dann ist durch das Licht der Tomatenzucht kaum noch etwas am Himmel zu sehen“, ärgert sich Lutz Pannier.

Lichtverschmutzung – das sei generell ein Problem für die Sternenfreunde, sagt er. In den vergangenen Jahren habe die auch in Görlitz mehr und mehr zugenommen. In Turow will der Betreiber des Riesen-Gewächshauses nun zumindest prüfen, ob die Beleuchtung nicht doch ein wenig eingeschränkt werden könne. Um 40 bis 60 Prozent, stellt das Unternehmen in Aussicht, könnte die Beleuchtung gedimmt werden. Ob die Görlitzer Sternenfreunde in Richtung Süden dann wieder mehr Sterne sehen werden, bleibt allerdings abzuwarten.