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Keiner hält sich ans Tempolimit

Anwohner des Mühlbacher Weges möchten zu schnell fahrende Traktoren nicht mehr hinnehmen. Jetzt drohen sie.

© Klaus-Dieter Brühl

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Quersa. Die Erbes vom Mühlbacher Weg in Quersa haben die Nase voll. „Ständig fahren die Fahrzeuge der Milchviehanlage bei uns vorbei, halten sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung und bremsen beim Anhalten, dass wir keine Ruhe mehr haben“, klagen Petra und Andreas Erbe. Sabine Schramm von der Bäckerei an der Ecke ist der gleichen Meinung. „Das geht früh um sechs los und am Wochenende munter weiter“, schimpfen die Quersaer. Silofahrzeuge, Gülleautos, Traktoren, Häcksler, selbst Großtransporter rollen aller paar Minuten an den Häusern vorbei. Und dann quietschen die Bremsen beim Anhalten an der Bundesstraße. „Das geht schon seit Jahren so “, so die Anlieger.

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Andreas Erbe sagt, er habe sich bereits an den Ortschaftsrat, den Bürgermeister, ja auch an die Leute von der Sächsischen Milcherzeugergenossenschaft gewendet – ohne Erfolg. Im Frühjahr wäre es schlimm, weil die Fahrzeuge nicht abgedeckt sind und der Dreck über die Straße fliege. Jetzt war auch gerade wieder Stoßzeit. Schwierig wäre es außerdem beim Begegnungsverkehr. Beim Bäcker Schramm ist schon eine Beton-Ecke abgefahren. Das Tempo-20-Schild ist auch gedreht, hier sei mal einer über die Borsteinkante gedonnert.

„Das interessiert keinen, aber uns geht es an die Nerven“, sagen die Erbes, die beide krankheitsbedingt zu Hause sind. Zu den ununterbrochen rollenden Fahrzeugen kämen noch jene polnischen oder rumänischen Transporter, die eigentlich zu Kronospan wollen, aber auf dem Mühlbacher Weg landen, weil der mal Mühlbacher Straße hieß und das noch in den Navis steht.

Jutta Bennewitz, eine der vier Vorstände der Milchviehanlage, weist die Kritik zurück. „Wir haben unsere Fahrer auf die Tempo 20 hingewiesen und sie auch schriftlich dazu belehrt“, so die Landwirtin. Die Straße sei nun mal die Zufahrt zum Betriebsgelände. Sollte Herr Erbe aber mit ihr vernünftig reden wollen, wäre sie dazu bereit. Aber eine Idee habe sie nicht.

Die Anlieger des Mühlbacher Weges aber spekulieren darauf, dass die Milchviehanlage eine eigene Zufahrt bekommt. So wie zu DDR-Zeiten, als noch eine Asphaltstraße hinter Remondis abging, bis das an einer Bundesstraße nicht mehr geduldet wurde. „Könnte diese Plattenstraße nicht wieder aktiviert werden?“, fragt Andreas Erbe und setzt frustriert hinzu: „Die Firmen dürfen alles, für uns Anwohner interessiert sich keiner.“ Mit einer gesonderten Einfahrt hätten die drei Anliegergrundstücke endlich ihre Ruhe. Doch in der Gemeindeverwaltung hält man eine neue Ausfahrt nicht für realisierbar. Die Landwirtschaft habe ihr Sondergebiet, vorn am Bäcker sei Mischgebiet. Hinterm Dorf entlang durchs FFH-Gebiet könnten die bäuerlichen Fahrzeuge auch nicht, meint Bauamtsleiterin Catrin Niemtz. Die Familien hätten vor etwa 20 Jahren Einspruch erheben müssen, als der Bebauungsplan vom Abfallentsorger Remondis beschlossen wurde. Dessen Krach müssen die Quersaer zusätzlich aushalten. Die Gemeinde schlägt allerdings vor, die Polizei einzuschalten, um die Einhaltung des Tempolimits zu kontrollieren.

Die Familien Schramm und Erbe glauben nicht, dass das auf Dauer hilft. „Weil es so schlimm geworden ist“, wollen sie ihren letzten Trumpf aus dem Ärmel ziehen. Der Katasterplan sähe vor, dass die Privatgrundstücke bis in die öffentliche Straße hineinreichen. „Zur Not stellen wir da Zäune auf, damit keiner mehr durchkommt“, gibt sich Andreas Erbe kämpferisch. Kommenden Dienstag will er seinen Frust im Lampertswalder Gemeinderat ablassen.