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Bautzen

Kennenlernen im Sonnenuntergang

Der junge Verein „Škit“ will das Sorbische in Bautzen erlebbar machen. Deshalb lädt er zum Altstadtfest zu einem Abend mit Swing und Gesprächen ein.

Robert Schneider lädt mit seinem Verein „Škit“ zu einem Abend mit Poesie, Swing und Gesprächen ein in den Bürgergarten des National-Ensembles ein.
Robert Schneider lädt mit seinem Verein „Škit“ zu einem Abend mit Poesie, Swing und Gesprächen ein in den Bürgergarten des National-Ensembles ein. © Miriam Schönbach

Bautzen. Sorbisch-deutsches Rendezvous im Sonnenuntergang: Der Bürgergarten am Sorbischen National-Ensemble verwandelt sich zum Altstadtfest in eine Bühne. Auf Einladung des jungen Vereins „Škit“ gibt es am Sonnabend selbstkomponierte Gitarrenmusik, ein bisschen Poesie und eine große Portion Swing. Für den Vereinschef Robert Schneider ist es aber mehr als ein Abend voller Kultur. „Wir haben Lust, etwas für das sorbische Leben in der Stadt zu bewegen. Wir wollen unsere Sprache und Kultur jenseits der Aktivitäten der Bautzener Institutionen erlebbar machen“, sagt der 37-Jährige.

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Mit seiner Familie kam Robert Schneider vor vier Jahren zurück in die Lausitz. Aufgewachsen ist der Sorbe in Schmerlitz. Dort war er jahrelang Mitglied der Volkstanzgruppe, im Sorbischen Gymnasium in Bautzen machte er sein Abitur und verließ wie viele seiner Freunde für das Studium seine Heimat. „Zuletzt haben wir in München gewohnt, aber festgestellt, dass die Seele Futter braucht. Ich freue mich zum Beispiel einfach, wenn ich Bautzen Sorbisch höre“, sagt der Versorgungstechnik-Ingenieur. 2015 wurden die Koffer gepackt, der Umzug nach Bautzen folgte. Schnell sind auch die Kontakte zu den alten Freunden aus den Bautzener Schul- und Internatszeiten wiederhergestellt – manche von ihnen sind hiergeblieben, andere sind wie Robert Schneider Rückkehrer.

Lebendige Sprache zeigen

 Man trifft sich, man spielt zusammen Volleyball, irgendwann entstand die Idee, einen Verein zu gründen. Neben dem Altstadtfestabend planen dessen Mitglieder weitere Aktivitäten. So soll zum Beispiel in der Fleischergasse ein öffentlicher, zweisprachiger Schaugarten entstehen. Die Besucher sollen dort erfahren, wie die Blumen, das Gemüse und die Kräuter auf Sorbisch heißen. Grundschüler könnten sich im Rahmen eines Ganztagsangebots um die Pflege der Pflanzen kümmern.

Auch bei diesem Projekt geht es dem Verein darum, die Lebendigkeit der Sprache mitten in der Stadt zu zeigen – und um Begegnungen – wie nun beim sorbischen Abend in der „Sundowner“-Bar. Beim Programm gibt es Texte auf Deutsch und Sorbisch des Autors Kito Lorenc (1938-2017). Dazu greifen die Liedermacherin Lydia Matschie und die Liederpoetin Christin Herrmann zu ihren Gitarren. Nach ein paar Takten mit DJ Robert Wutze spielt die Lausitzer „Swingtime Jazzband“ Musik der 20er- bis 50er-Jahre. „Wir wollen die Sorben aus den Dörfern in Stadt locken, und genauso sind die Bautzener eingeladen, sich mit uns wohlzufühlen und ins Gespräch zu kommen“, sagt Schneider.

Die Sundowner-Bar öffnet um 17 Uhr, das Programm beginnt 17.30 Uhr.