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Kim trifft „wunderbaren Freund“

Mit Spannung wartet die Welt, ob es zum Gipfel zwischen Präsident Trump und Machthaber Kim kommt. Während hinter den Kulissen die Verhandlungen laufen, macht Russland Kim Jong Un den Hof.

© Valery Sharifulin / Pool TASS/AP/dpa

Von Thomas Körbel

Pjöngjang/Moskau. Im Ringen um ein Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump sucht der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un demonstrativ engeren Kontakt zu Russland.

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Überraschend empfing Kim am Donnerstag in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang den russischen Außenminister Sergej Lawrow und lobte dabei Moskau als Gegengewicht zu einer weltweiten Vorherrschaft Washingtons. „Ich schätze es sehr, dass (Präsident Wladimir) Putin Widerstand leistet gegen die Hegemonie der USA“, sagte Kim. Lawrow lud den Machthaber nach Russland ein.

Lawrows Reise nach Pjöngjang fällt in eine Zeit, in der möglicherweise eine Wende im Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm bevorsteht. Mit Spannung wartet die Welt, ob es zu einem wegweisenden Gipfel zwischen Kim und Trump kommt.

Trump hatte die Öffentlichkeit zuletzt mit einem wechselhaften Kurs in Atem gehalten. Nach fulminant mitgeteilten Zu- und Absagen ist bislang unklar, ob das ursprünglich für 12. Juni in Singapur angedachte Treffen stattfindet. Nun bringt sich Russland mit dem Besuch seines Chefdiplomaten aktiv ins Spiel.

Kim Jong Un, Enfant terrible der Weltpolitik, empfing Lawrow, Russlands altgedienten diplomatischen Haudegen, in seiner Residenz in der nordkoreanischen Hauptstadt. Ein fester Händedruck besiegelte ihre erste Begegnung. Warme Worte folgten, Kim habe sich eigens für ihn, den „wunderbaren Freund“, Zeit genommen. Beim Foto posierten sie vor dem monumentalen Wandgemälde einer stürmischen See, die meterhohe Wellen an eine Steilküste peitscht - Nordkorea sieht sich gern als Fels in der Brandung in einer US-dominierten Welt.

„Sie treten sehr entschlossen auf, und wir sind immer bereit, mit Russland darüber zu verhandeln“, sagte Kim über Russlands weltpolitischen Kurs. Das Außenministerium in Moskau veröffentlichte ein Video mit der russischen Übersetzung der Rede Kims.

Lawrow betonte, Russland wolle daran mitwirken, dass auf der koreanischen Halbinsel Frieden, Stabilität und Wohlstand herrschten. Im fernen Moskau teilte der Kreml der Agentur Interfax zufolge mit, der Minister habe Kim eine Botschaft von Putin überbracht.

Der Inhalt dieser Botschaft ging nicht aus dem Video-Clip hervor. Doch zum zentralen Thema, dem Atomkonflikt, hatte sich Lawrow zuvor beim Treffen mit seinem Ministerkollegen Ri Yong Ho geäußert.

Er begrüßte die Annäherung zwischen Nord- und Südkorea. Kim und Südkoreas Präsident Moon Jae In hatten sich in den vergangenen Wochen zwei Mal getroffen. Zugleich warnte Lawrow vor überhöhten Erwartungen an Kontakte zwischen Nordkorea und den USA. Man müsse der Versuchung widerstehen, „bis morgen alles und sofort“ zu verlangen, sagte er.

Mit Lawrows Besuch unterstreicht Russland seinen Anspruch, in die Lösung von Konflikten mit globaler Bedeutung eingebunden zu werden. Vom früheren US-Präsidenten Barack Obama als „Regionalmacht“ abgekanzelt, hat Putin in den fast zwei Jahrzehnten seiner Führung viele Gelegenheiten genutzt, um Russlands Wort Gewicht zu verleihen und den Einfluss der USA zurückzudrängen. Mit seiner Intervention im Syrien-Krieg verlieh er diesem Anspruch sogar militärisch Nachdruck.

Im Korea-Konflikt hatte sich Moskau bislang weitgehend im Hintergrund gehalten. Russland teilt einen kurzen Grenzstreifen mit Nordkorea. Wirtschaftlich suchen beide Länder schon länger den Kontakt. Doch auch Moskau sieht Nordkoreas Atomprogramm als Gefahr.

Allein, der Streit um die atomare Abrüstung ist ein komplexes Thema, denn die USA und Nordkorea verstehen darunter unterschiedliche Dinge. Das erschwert die Verhandlungen über den Trump-Kim-Gipfel.

In den USA warnten Korea-Kenner daher vor unrealistischen Zielen. „Denuklearisierung bedeutet für viele Menschen unterschiedliche Dinge, doch eine Sache ist klar: ein Programm, das über Jahrzehnte entwickelt wurde, lässt sich nicht über Nacht abbauen“, schrieb der Ex-US-Verteidigungsminister William Perry bei Twitter.

Die USA hoffen, Nordkorea dazu bewegen zu können, sein Atomprogramm komplett und überprüfbar abzubauen - und das möglichst rasch. Nordkorea will aus der internationalen Isolation heraus, um über Außenhandel und Investitionen Wohlstand zu generieren. Dafür muss es die von den USA durchgesetzten Wirtschaftssanktionen abschütteln.

Auch in den USA wird weiter auf Hochtouren sondiert, was bei einem Gipfel möglich wäre. US-Außenminister Mike Pompeo empfing den von Pjöngjang entsandten Parteifunktionär Kim Yong Chol am Mittwoch in New York zu einem Abendessen. Steak, Mais und Käse standen auf dem Menü. Keine leichte Kost also, aber gewiss nicht so schwer wie die Verhandlungen über das nordkoreanische Atomprogramm. (dpa)