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Kind vor dem Ertrinken gerettet

Ein fünfjähriger Junge musste Sonnabend im Freibad Weida reanimiert werden. Der Unfall bleibt ein Rätsel.

© SZ

Von Jens Ostrowski

Es herrscht strahlender Sonnenschein, das Thermometer zeigt 33 Grad: Hunderte Badegäste genießen im Weidaer Freibad am Sonnabend den Sommer, als plötzlich Hektik ausbricht. Ein kleiner Junge treibt kopfüber im gut gefüllten Rutschbecken, bewegt sich nicht mehr. Wie lange schon, weiß zu diesem Zeitpunkt keiner. Auch nicht, was passiert ist. Der Schwimmmeister des Freibads springt sofort ins Becken, birgt den regungslosen Körper aus dem Wasser. „Der Junge war schon blau angelaufen“, berichtet Augenzeuge Tobias Gebauer der Sächsischen Zeitung.

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Sofort schalten sich zwei weitere Badegäste ein, die zufällig vor Ort sind: Robert Wölk von der Wasserwacht und ein Rettungsassistent des DRK beginnen am Beckenrand umgehend mit Reanimierungsmaßnahmen. Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung – immer und immer wieder, alles unter den Augen der herbeigeeilten Mutter. Gleichzeitig werden Notarzt und Rettungshubschrauber verständigt. Der Junge reagiert erst nicht. Den umstehenden, geschockten Badegästen kommen diese Minuten wie eine Ewigkeit vor. Dann endlich gibt es ein Lebenszeichen: Der Junge spuckt Wasser, kommt immer mal wieder zu Bewusstsein. Die Retter setzen ihre Maßnahmen fort, bis sich der Zustand des Jungen stabilisiert.

Eine 17-Jährige, die die Wiederbelebungsversuche mit ansieht, fasst die dramatischen Szenen später zusammen: „Mir hat der Anblick das Herz gebrochen. Ich war richtig fertig und habe dann auch mit meinem kleinen Bruder gleich das Bad verlassen. So traurig und schrecklich, diesen regungslosen kleinen Kinderkörper zu sehen – dazu die Rettungsschwimmer, die alles versucht haben. Das war das Schlimmste, das ich je in meinem Leben sehen musste“, sagte sie der SZ.

Als der Notarzt eintrifft, ist die Lage stabilisiert. Der Junge lebt und atmet auch. Um dem Fünfjährigen weiteren Stress zu ersparen, entscheiden die Mediziner, auf den Transport mit dem Hubschrauber zu verzichten, und bringen ihn stattdessen mit dem Rettungswagen in die Uniklinik Dresden auf die Intensivstation, teilt die Rettungsleitstelle in Dresden Sonntag auf SZ-Nachfrage mit. Nicht nur die umstehenden Badegäste, sondern auch der leitende Schwimmmeister im Bad, der den Jungen aus dem Wasser zog, zeigt sich einen Tag später noch sichtlich geschockt und will über das Erlebte nicht reden.

Reiner Striegler, Geschäftsführer der badbetreibenden Magnet Riesa GmbH, zeigt sich aber erleichtert darüber, dass es dem Jungen offenbar wieder bessergeht. Laut Rettungsstelle in Dresden befindet sich der Junge noch deshalb unter ärztlicher Aufsicht, um Spätfolgen des Ertrinkens auszuschließen. „Ich bin froh, dass unsere Mitarbeiter und die anderen Lebensretter so schnell und gut reagiert haben“, sagt Striegler, der dem Jungen und der Familie alles Gute wünscht.

So selten sie auch vorkommen mögen, seine Mitarbeiter würden für solche Fälle einmal im Jahr geschult. „Die Rettungskette hat gut geklappt, ich möchte allen Beteiligten ausdrücklich dafür danken. In solchen Notsituationen kommt es auf Sekunden an“, sagt Striegler.

Wie es zu dem Unfall kommen konnte, ist derweil ungeklärt. Möglicherweise ist der Junge bei einem Rutschunfall unter Wasser geraten. Nur in einem Punkt gibt es gleichlautende Zeugenaussagen: Das Kind war ohne Schwimmflügel im Wasser.