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Kinder erleben klassische Musik

An der 139. Grundschule in Dresden-Gorbitz lernen Kinder aus 37 Nationen. Sie nutzen ein besonderes Privileg für sich.

© Christian Juppe

Musikalische Vorbildung gibt es kaum, Musiknoten spielen keine Rolle. Und doch sitzen die kindlichen Schläge mit den Klanghölzern genau, während im Hintergrund die Orchesterprofis den Geigen sanfte Töne entlocken. In der 139. Grundschule in Gorbitz wird Musik, noch dazu klassische, besonders gelebt. Seit rund zwei Jahren kooperiert die Schule mit der Dresdner Philharmonie. Am Donnerstag haben 45 Schüler gezeigt, wie sie mit sechs Philharmonikern ein einstündiges Programm auf die Beine stellen können.

„Wir haben Schüler aus 37 Nationen an unserer Schule. Es gibt vier Sprachheilklassen und besonderen Förderbedarf im sozial-emotionalen Bereich. In diesem Bezirk leben viele Familien, die nicht bildungsnah sind“, fasst Schulleiterin Carmen Köppe die Herausforderungen zusammen. Und dennoch legten die Kinder, die beim Projekt mitmachen, eine unglaubliche Ausdauer und mitreißende Begeisterung an den Tag. Seit Anfang Januar haben sie mit Thomas Otto, der im Orchester eine erste Geige spielt, einmal wöchentlich geprobt. Wenn er das Schulhaus betritt, ist er schnell von einer großen Kinderschar umringt. Dass er nicht nur mit großer Freude an der Musik, sondern auch mit Strenge und Konsequenz ans Werk geht, hat die Schüler bisher offenbar nicht abgeschreckt. „Offenheit strömt einem entgegen, wenn man das Vertrauen der Kinder einmal gewonnen hat“, sagt der 39-Jährige.

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Schulleiterin Köppe ist dankbar, dass genau ihre Schule für diese intensive Kooperation ausgewählt wurde. Denn ohne diese Zusammenarbeit würde der Großteil der rund 400 Schüler wohl nicht in den Genuss kommen, so nah klassische Musik zu erleben, meint sie. Dabei bezieht sich Köppe nicht nur auf das Stück, das sich den vier Elementen widmet und an diesem Tag gleich zweimal für alle anderen Schüler aufgeführt wird. Es geht auch um die Besuche im Kulturpalast, bei denen die Kinder den Konzertsaal und eine Orchesterprobe hautnah erleben können.

Philharmonie-Intendantin Frauke Roth sieht die Langzeitwirkung des Projekts und glaubt, dass dieses Feuer, das bei den gemeinsamen Proben entfacht wird, nicht mehr erlischt. Sie hat vor einigen Jahren ein ähnliches Projekt in Potsdam wissenschaftlich begleiten lassen und dabei sehr positive Ergebnisse eines solchen zusätzlichen Musikangebots erhalten. Für die Zukunft, wenn das Projekt mit der Gorbitzer Grundschule noch weiter wächst, könnte sie sich eine ähnliche Studie, womöglich in Kooperation mit der TU Dresden, vorstellen. Unabhängig davon hofft Roth, dass dieses Beispiel als Vorbild für andere Einrichtungen der Stadt dient, die dem nacheifern. Die beteiligten Kinder sind jedenfalls mit Feuereifer dabei. Hibbelig, mal grinsend, mal ernst, stehen sie vor ihrem großen Auftritt im Eingangsbereich der Turnhalle. Die Mehrzahl von ihnen sind Mädchen. Sie können sich in diesem Alter offenbar besser auf so ein Langzeitprojekt einlassen als die Jungs, ist die einhellige Meinung der Pädagogen.

Die Kinder tanzen mit Tüchern zur Musik, zeigen kleine Choreografien auf Rollschuhen oder nutzen Klanghölzer und Trommeln. Verzückt filmt Mutter Jana Börsch mit dem Handy mehrere Minuten den Auftritt ihrer Tochter Sophie. Die Zehnjährige darf zum Schluss auf die große Trommel schlagen, berichtet die Mutter begeistert und nennt das Ganze Projekt „wundervoll“. So intensiv ist die Philharmonie bisher nur in Gorbitz aktiv. Es gibt aber mehrmals im Monat Termine, bei denen Orchestermusiker verschiedene Schulen besuchen, um sich, ihre Instrumente und ihre Arbeit vorzustellen. Die Schulen müssen dafür nur anfragen.