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Kinder für Geschichte begeistert

Die städtischen Museen hielten im Vorjahr ihre Besucherzahlen nicht ganz. Der Bestand hat sich um einige Raritäten vergrößert.

© Kristin Richter

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Die gesunde Drittelstunde

Impfen lassen? Neue Therapien? Was zahlen Kassen? Fragen rund um das Thema Gesundheit: hier gibt es Antworten. Redakteur Jens Fritzsche im Gespräch mit Experten.

Großenhain. Sie sind ein Dreierbündnis, die städtischen Museen Großenhains. Neben der Alten Lateinschule am Kirchplatz gehört das Bauernmuseum Zabeltitz und das historische Klassenzimmer im Haus zwei des Gymnasiums Hohe Straße dazu. Wie es dort im Vorjahr gelaufen ist, und was die Besucher 2018 erwarten können, darüber informierte jetzt Dr. Jens Schulze-Forster.

Die Häuser erhalten mehr überregionale Förderung

Der Museumsleiter bilanzierte eine leicht rückläufige Besucherentwicklung. Konnten 2016 noch 4668 Gäste gezählt werden, waren es im Vorjahr nur 4408. Sowohl die Alte Lateinschule als auch das Bauernmuseum, die in etwa gleiche Zahlen erreichen, schafften ihr Vorjahresergebnis nicht ganz. Dafür konnten die städtischen Museen mehr Drittmittel vom Land, insbesondere die Kulturraumförderung, einnehmen. Die stieg von 19 487 Euro auf 21 718 Euro. Damit wird hier der versprochene Trend zu mehr Unterstützung für die Kultur in ländlichen Gebieten deutlich.

Die Alte Lateinschule bemühte sich bei fünf Sonderausstellungen um Vielfalt

Neben der Dauerausstellung zur Stadtgeschichte zeigte das Museum am Kirchplatz im Vorjahr fünf Sonderausstellungen: Über die wunderbare Welt der Marionetten und Handpuppen, die Kunstausstellung des Ehepaares Ferbert, Atomino und Co. – die Frösi und ihre Comics, mittelalterliche Schulhefte schreiben Geschichte als kurze Foyer-Ausstellung zur Reformation und die noch laufende Weihnachtsschau Kindheit in Großenhain 1945 bis 1990 mit einem Zeitzeugenprojekt. Die Museumsleitung war dabei um thematische Vielfalt bemüht.

Besondere Projekte galten vor allem dem Nachwuchs und dem Jubiläum

Junge Besucher für (Stadt)Geschichte zu interessieren, steht im Fokus der Arbeit. So gab es das „LernStadtMuseum“ – ein vom Land Sachsen gefördertes Kooperationsprojekt zwischen der ersten Grundschule und dem Museum, geleitet von Astrid Withulz. Schüler waren dabei mit einer Stadtführerin unterwegs. Die jungen Stadtgeschichtenerzähler können nun selbst jüngere Großenhainer durch die Altstadt führen. Zwei Teilprojekte Museumspaten und Stadtgeschichtenerzähler gab es mit circa 20 schuljahresbegleitenden Einzelveranstaltungen. Der 110. Geburtstag der Einrichtung wurde mit einem vielbeachteten Festvortrag zur Schulgeschichte mit 90 Gästen, der Foyerschau und einer Bildergalerie zur Museumsgeschichte begangen.

Nach wie vor gibt es Interesse am historischen Klassenzimmer

Die Museumspädagogik leistete 2017 circa 50 Veranstaltungstermine für Schulklassen, Kindergärten und sonstige Gruppen, davon acht im historischen Klassenzimmer, das also immer noch beliebt ist, und 25 im Bauernmuseum Zabeltitz. Interesse weckten zudem fünf Vorträge, das Museumscafé, der internationale Museumstag, die Depotführung am Tag des offenen Denkmals, das Angebot zum Bauernmarkt, Korbflechten zu Ostern, die Museumsnacht für Kinder, Puppentheater im Advent sowie das erst kürzlich zu Ende gegangene Museumskino.

Die Inventarisierung der Sammlung kommt weiter voran

Nicht nur Ausstellen, sondern auch Aufbewahren ist für ein Museum wichtig. Circa 1 300 Bestandseinheiten wurden inventarisiert, vor allem mit den Schwerpunkten Textilindustrie, Traditionszimmer der NVA, Musikinstrumente, der Werkbestand Walter Harras und der Postkartensammlung. Dazu zählen auch die fast 100 Neuerwerbungen: ein Gemälde von Clara Zschille (1854 bis 1925), der Schwester von Richard Zschille), Aquarelle von Kurt Globig und Richard Hönicke und ein Druck von Heinz Ferbert.

Im Bereich Militaria waren es eine Satteltasche mit Besitzermarke eines Leutnants der Reserve im Husarenregiment Gadegast (um 1914) und Offiziers-Vorderzeug. Außerdem das Diorama Stadtwache zu Großenhain um 1750, vormals Volkskunstmuseum Dresden und Heimatmuseum Radeburg, restauriert mit Unterstützung der Sparkasse und des Fördervereins. Das Museum bedankt sich für die Schenkungen bei M. Drechsel, H. Ferbert, B. Gsuck, Dr. U. Hientzsch, I. Voigt und M. Wieczorek.

Walter Harras, Großenhains Musiker und die fleißigen Handwerker

Wenn die aktuelle Kindheitsausstellung am 25. März endet, wird die Sonderschau über Walter Harras (1895-1976) mit dem Titel „Kunst im Kontext von Politik und Heimat“ vorbereitet. Eröffnung: am 27. April. Großenhain macht Musik heißt es ab 31. August. Die Adventsschau „Wer will fleißige Handwerker sehen – Spielzeug aus Großenhain“ wird am 30. November eröffnet. Im Kontext dazu soll die Inventur der Diasammlung abgeschlossen werden, geplant ist ein Bestandskatalog und Begleitband zum Maler Harras.

Alle archivalischen Personennachlässe werden aufgearbeitet und die Sammlungsbestände zum Thema Musik erschlossen. Als Aufgabe stellt sich das Museum zudem die Inventur der Sammlung des Bauernmuseums und die Überarbeitung der Internetseite. Auf einen besonderen Jubiläumsvortrag dürfen sich alle Museumsfreunde neben anderen Veranstaltungen noch am 2. November freuen. Dann spricht Matthias Donath mit dem Titel „Macht doch Euern Dreck alleene!“ über die Revolution 1918 und die Abdankung des letzten sächsischen Königs.