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„Kinder haben keine Ausdauer mehr“

Seit 28 Jahren arbeitet Uwe Wurche als Schwimmmeister im Miltitzer Freibad. Auch er spürt die Folgen des Internetzeitalters.

© Claudia Hübschmann

Von Stephan Hönigschmid

Klipphausen. Wenn das Miltitzer Freibad jeden Tag um 10 Uhr seine Türen öffnet und sich die Badefans in die kühlen Fluten stürzen, liegt hinter Schwimmmeister Uwe Wurche bereits eine Menge Arbeit. Seit anderthalb Stunden ist er dann schon im Einsatz, um die Vorbereitungen für den Tag zu treffen. „Ich fange meist so gegen 8.30 Uhr an und mache zunächst einen Kontrollrundgang“, sagt der 54-Jährige. Unter anderem schaue er sich die Rutsche an, um sicherzugehen, dass diese keine Risse hat.

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Im Garten ein Zuhause für Wildbienen
Im Garten ein Zuhause für Wildbienen

Mauerbienen stechen nicht, leisten aber einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung von Obstbäumen, Wildblumen und Kulturpflanzen.

Darüber hinaus habe Sauberkeit oberste Priorität. Alle Schwimmbecken müssten tadellos sauber sein, weshalb er in einem Kellerraum des Bades unter anderem täglich den Haarfilter entleere. „Früher war das nicht so ein Thema, weil es da eine Badekappenpflicht gab. Heute kommt hingegen schon einiges zusammen.“

Uwe Wurche kann das einschätzen. Schließlich ist er schon seit 28 Jahren mit dabei. Nach einer Umschulung ergriff er nach Wende den Beruf des Schwimmmeisters und hat auf diese Weise Generationen von Kindern das Schwimmen beigebracht. „Für kleinere Kinder aus der Gemeinde bieten wir das Kinderschwimmen und für größere das Schulschwimmen an“, sagt Wurche, der im Laufe der Zeit eine Beobachtung gemacht hat: „Die Qualität des Schwimmens ist Schlechter geworden. Die Kinder haben keine Ausdauer mehr. Sie springen zwar gern vom Startblock, haben aber nicht die Kraft, mal zwei Bahnen durchzuhalten.“

Als Grund dafür sieht er in Zeiten des Internets die zunehmende Bedeutung von Technik im Alltag. „Viele Kinder hocken den ganzen Tag nur noch vor dem Computer oder dem Smartphone. Das bleibt nicht ohne Wirkung auf die sportlichen Leistungen“, erklärt der 54-Jährige.

Dennoch ist die Nachfrage nach Schwimmunterricht groß. Und das nicht erst, wenn es in der Region Badeunfälle gegeben hat und die Eltern besonders besorgt sind. „Die Fälle, die durch die Medien gehen, spielen eigentlich keine Rolle. Stattdessen ist es häufig so, dass das Kind ins Ferienlager möchte und dafür eine Schwimmstufe benötigt“, sagt Wurche und fügt an: „Allerdings kommen dann manche Eltern an und sagen: Es ist doch gerade schönes Wetter. Können Sie meinem Kind nicht das Schwimmen beibringen? Dabei wird vollkommen der zeitliche Aufwand unterschätzt.“

Obwohl das hin und wieder vorkommt und er seinen Schützlingen klarmachen muss, dass auch ein wenig Anstrengung dazugehört, sagt er: „Der Spaß am Schwimmen muss im Vordergrund stehen.“ Diese Freude am Schwimmen und seiner Aufgabe strahlt er auch aus. Umso bedauerlicher findet er es, dass sich in Sachsen immer weniger Menschen dafür finden.

„Man muss halt im Sommer bei schönem Wetter arbeiten. Das wollen viele Jüngere nicht mehr“, so der 54-Jährige. Zudem dürften Bäderbetriebe nicht nur sparen, sondern müssten den Nachwuchs auch gut bezahlen, sagt Wurche, der in seinem Bad derzeit auf eine erfolgreiche Saison blickt. „Wir hatten bisher 8500 Besucher. Etwa 15 000 kommen meist in der gesamten Saison von Mitte Mai bis Ende August vorbei.“