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Görlitz

Kinder stellen Museumsschatz her

Weil für ein besonderes Exponat aus Breslau die Leihfrist ablief, bauten Görlitzer Schüler es nach. Wegen Corona hat das Schlesische Museum jetzt zwei davon.

Kinder aus der Tagesgruppe des Kinderdomizils Nordlicht von der Görlitzer Hospitalstraße bauten ein Ersatzobjekt für die Münzausstellung des Schlesischen Museums.
Kinder aus der Tagesgruppe des Kinderdomizils Nordlicht von der Görlitzer Hospitalstraße bauten ein Ersatzobjekt für die Münzausstellung des Schlesischen Museums. © André Schulze

Ein geheimnisvoller Schatz gehört zur Münzausstellung des Schlesischen Museums "Kopf oder Zahl", die nun nach dessen Wiedereröffnung noch bis 1. Juni zu sehen ist:   über 100.000 kleine Kupfermünzen aus dem 15. Jahrhundert, die in einem Tonkrug zu einem einzigen Ballen zusammengeschmolzen sind. Wer sie sammelte, warum sie vergraben wurden und wodurch sie zusammenbuken, ist unbekannt. Aber weil der Münzklumpen um das Jahr 2000 bei Bauarbeiten in Wroclaw (Breslau) gefunden wurde, heißt er auch "Schatz des Jahrtausends". 

Der originale "Schatz des Jahrtausends": 100.000 kleine Kupfermünzen aus dem 15. Jahrhundert, zu einem Klumpen zusammengeschmolzen.
Der originale "Schatz des Jahrtausends": 100.000 kleine Kupfermünzen aus dem 15. Jahrhundert, zu einem Klumpen zusammengeschmolzen. © André Schulze

Leihgabe sollte nach Breslau zurück

Diesen Schatz hätte das Schlesische Museum eigentlich im März nach Breslau zurückbringen sollen und damit in der Ausstellung nicht mehr zeigen können. "Deshalb bauten wir mit den Kindern des Kinderdomizils Nordlicht den Schatz nach", sagt Museumspädagoge Matthias Voigt. "Als Ersatzobjekt." Da war noch nicht absehbar, dass die Breslauer das Museumsteam in Görlitz wegen Corona bitten würden, den Schatz erst einmal zu behalten.

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Ersatz für Original aus dem 15. Jahrhundert

Zehn Kinder im Alter zwischen acht und 14 Jahren bilden die Tagesgruppe des Kinderdomizils in der Hospitalstraße. Dort werden sie an Wochentagen betreut und in ihrer Entwicklung unterstützt, ihre Eltern nehmen Erziehungsberatungen in Anspruch. Leiterin Carola Grabs hatte vor einigen Monaten eine Führung durch die Ausstellung gebucht, bei der die Kinder Matthias Voigt kennenlernten und begeistert waren. Als klar war, dass ein Ersatzobjekt für den vermeintlich bald fehlenden Münzschatz entstehen solle, fragte der Museumspädagoge diese Kindergruppe. 

Kinder waren Feuer und Flamme

So konnten die Kinder Münzen aus einer Sandschale heraussieben und bauten später aus Pappmaché, den gefundenen Münzen und einem alten Krug einen neuen Münzschatz ähnlich dem originalen. "Die Kinder waren Feuer und Flamme", sagt Carola Grabs. Der Funke sei auch auf die Eltern übergesprungen, von denen manche noch nie zuvor in einem Museum waren. Kurz vor der Schließung des Schlesischen Museums Mitte März waren sie dann dabei, als Matthias Voigt den neuen Schatz in die Vitrine hob und die Kinder feierlich in weißen Handschuhen ein paar weitere Münzen dazulegten. 

So sind bis zum 1. Juni zwei Münzklumpenschätze in der Sonderausstellung "Kopf und Zahl" zu sehen: der originale aus dem 15. Jahrhundert und der Schatz, an dem die Kinder aus dem Kinderdomizil Nordlicht so viel Freude hatten.

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