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Kamenz

Tschernobylverein macht trotz Corona weiter

Die Kamenzer Initiative kann in diesem Jahr keine Kinder in die Region holen und schaut hoffnungsvoll aufs nächste Jahr. Eine besondere Spende macht ihr Mut.

Der Kamenzer Werner Geißler feierte jetzt seinen 100. Geburtstag und bat die Gäste aus diesem Anlass um Spenden für den Kamenzer Tschernobyl-Verein. Das Geld übergab er der Vorsitzenden Gerswit Abt.
Der Kamenzer Werner Geißler feierte jetzt seinen 100. Geburtstag und bat die Gäste aus diesem Anlass um Spenden für den Kamenzer Tschernobyl-Verein. Das Geld übergab er der Vorsitzenden Gerswit Abt. © privat

Kamenz. Eine Galerie von über 50 Aktenordnern fällt dem Besucher sofort ins Auge. Der Kamenzer Verein "Kinder von Tschernobyl" bewahrt darin gesammelte Unterlagen aus der 30-jährigen Geschichte auf. Die sind auch deshalb so umfangreich, weil der „Papierkrieg“ und die Bürokratie für die Organisation der Kinderaktion jedes Jahr beachtlich ist. Das Material werde nun für eine kleine Chronik gesichtet. Die soll bis zum Vereinsjubiläum im Dezember fertig sein, wünscht sich die Vereinsvorsitzende Gerswit Abt.

Dass der Verein schon über so viele Jahre Kindern aus dem Gebiet um Tschernobyl  Erholung bieten kann, ist auch ein Verdienst solcher Menschen wie des ehemaligen Kamenzer Lehrers Werner Geißler. Der Senior feierte jetzt seinen 100. Geburtstag. Statt Blumen zu schenken, bat er seine Gäste und Gratulanten, für den Tschernobylverein zu spenden, - und das sehr erfolgreich: 850 Euro kamen zusammen. 

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Die übergab Werner Geißler jetzt, um die Vereinsarbeit zu unterstützen. Denn dieser Verein arbeite für einen guten Zweck und lebe nur von Spenden, um die Kinderaktionen zu finanzieren, sagt der Kamenzer. Alles läuft ehrenamtlich. „Wir haben uns sehr gefreut über die großzügige Geste“, so Gerswit Abt. So schenkten die Vereinsmitglieder dem Senior als Dankeschön eine besonders schöne Matrjoschka.

Alle Besuche von Kindergruppen abgesagt

Die Mitglieder sollten sich jetzt eigentlich auf die nächste Besucher-Gruppe im Vereins-Kinderhaus vorbereiten. Doch wegen der Corona-Pandemie muss die Aktion in diesem Jahr ausfallen. Die erste Belegung aus dem weißrussischen Kreis Buda-Koschelewo nahe des explodierten Atomkraftwerkes Tschernobyl hätte jetzt schon wieder die Heimreise angetreten. In der zweiten Belegung kommen regelmäßig Kinder aus anderen Regionen. Kinder, die unter den Folgen der Radioaktivität leiden. Im August sollten es wieder Diabetiker sein, die bei ihrem Aufenthalt in Kamenz auch den Umgang mit dieser Krankheit üben. 

Doch in diesem Jahr  können sie alle nicht anreisen. Das sei sehr traurig, sagt Gerswit Abt. Alles sei schon vorbereitet gewesen für die Mädchen und Jungen, als im Frühjahr von der weißrussischen Botschaft in Berlin die Hiobsbotschaft per Post kam, dass die Kinder wegen der Corona-Krise nicht ausreisen dürfen.

Schwierige Lage in Weißrussland

Immerhin konnte der Verein auch in diesem Jahr Hilfspakete für bedürftige Familien in die Region senden – 20 insgesamt. Der Partnerverein in Ottendorf-Okrilla war einer der wenigen in der Region, der unter Corona-Bedingungen einen Transport nach Weißrussland organisierte. Nach wochenlanger Wartezeit gab es im Juni grünes Licht dafür. Die Pakete aus Kamenz reisten mit. Meist wurde Bekleidung und Kosmetik eingepackt, auch Spielzeug für die Kinder.

„Wir schauen jetzt natürlich aufs nächste Jahr und hoffen, dass dann wieder Mädchen und Jungen anreisen können“, sagt Gerswit Abt. So sei der Verein schon damit beschäftigt, wie es weitergehen kann. Die Vorbereitungen müssen frühzeitig starten, damit alle Genehmigungen rechtzeitig vorliegen. 

Für die weißrussischen Partner sei die Situation ungleich schwieriger. Zumal gerade die Diabetiker-Kinder auf eine solche Reise vorbereitet werden müssten. Unter den Corona-Einschränkungen sei das  kaum möglich. Außerdem seien in Weißrussland noch keine Lockerungen bei der Ausreise angezeigt. Der Kamenzer Verein bleibt aber zuversichtlich, dass 2021 wieder Kinder Leben in die Vereinsräume bringen. Auch die Geldspende von Werner Geißler ermutige weiterzumachen.

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