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Kinder wie nie

Junge Familien mit Kindern bleiben hiesigen Dörfern treu oder ziehen hierher. Doch wie lange dauert der Trend noch?

© Anne Hübschmann

Von Jörg Richter

Großenhainer Land. In der Lampertswalder Kinderkombination kümmern sich die Erzieherinnen liebevoll um den jüngsten Nachwuchs. Und auch dafür, dass er nicht ausgeht. Gleich drei Erzieherinnen sind hier zurzeit schwanger. Eine kuriose Häufung, die von Bürgermeister Wolfgang Hoffmann wiedermal organisatorisches Geschick bei der Personalplanung abverlangt. Immerhin muss für die drei Erzieherinnen in ihrer Elternzeit Ersatz gefunden werden. Doch das wird der scheidende Gemeindechef in seinem letzten Amtsjahr auch noch gebacken kriegen. Prinzipiell seien die Entwicklungen bei den Geburtenzahlen als äußerst positiv zu betrachten, heißt es aus dem Gemeindeamt Lampertswalde. Dort zieht man den erfreulichen Trend auf die guten sozialen Leistungen des Staates für Kinder und junge Familien zurück.

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Nicht nur in Lampertswalde, sondern auch in den anderen Gemeinden des Altkreises Großenhain sind im vergangenen Jahr überdurchschnittlich viele Kinder geboren worden. Das ergab eine Umfrage der Sächsischen Zeitung bei den hiesigen Gemeindeverwaltungen. Die meisten von ihnen lieferten sogar Vergleichzahlen ab 2012, die den Trend bestätigen.

Thiendorf kann mit 42 Neugeborenen den höchsten Stand aller hiesigen Gemeinden für 2017 vermelden. „Die stetig positive Entwicklung der Geburtenzahlen erfreut uns natürlich und bestärkt uns, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben, um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken“, sagt Hauptamtsleiterin Marlen Haarig. Thiendorf profitiert vor allem von der Nähe zur Autobahn A 13 und dem damit verbundenen Zuzug junger Familien. Seit 2012 hat sich die Anzahl der Einwohner im heutigen Gemeindegebiet um rund 100 Leute erhöht.

„Das hängt von vielen Faktoren ab, die den Menschen, die eine Familie gründen wollen oder bereits Kinder haben, wichtig sind“, so Marlen Haarig. Dies beginnt bei einem geeigneten Standort für ein Haus, über günstige Verkehrsanbindungen, Spielplätze bis hin zu ortsnahen Kitas und Schulen. „Die Gemeinde war und ist bestrebt, gute Rahmenbedingungen zu schaffen“, sagt die Thiendorfer Hauptamtsleiterin. Aktuell wird die Kindereinrichtung im Ortsteil Sacka erweitert, um die dezentrale Hortbetreuung am Standort weiterhin zu gewährleisten. (SZ berichtete.)

„Die kontinuierlichen Geburtenzahlen sind eine tolle Sache“, sagt der Ebersbacher Bürgermeister Falk Hentschel. Im Gegensatz zu Thiendorf schrumpft allerdings die Einwohnerzahl in der nach wie vor bevölkerungsreichsten Gemeinde des Großenhainer Landes, weil es hier immer noch mehr Sterbefälle als Geburten gibt. Die neuen Erdenbürger würden diese Negativentwicklung zum Glück abbremsen.

Nachwende-Babys bald Eltern

Er führt das darauf zurück, dass viele 1980er Jahrgänge jetzt Eltern werden bzw. in den zurückliegenden Jahren Eltern geworden sind. Doch Hentschel macht sich bereits Gedanken, was in fünf Jahren sein wird. Dann werden voraussichtlich die geburtenschwachen Jahrgänge der Nachwende-Ära sich auf die Geburtszahlen negativ auswirken. „1993 war unser schlechtester Jahrgang“, weiß Hentschel. Damals wurden gerade mal 15 Kinder in der heutigen Gemeinde Ebersbach geboren.

Doch so weit ist es noch nicht. Die Kitas in Rödern, Kalkreuth, Ebersbach und Lauterbach sind sehr gut besucht und der Hort mit 160 Plätzen voll ausgebucht. Hentschel ist Realist und Optimist zugleich, was die Zukunft seiner Gemeinde betrifft. Er sagt: „Die entscheidende Frage ist: Wie sind die Bedingungen, damit junge Leute zurückkommen oder hierbleiben.“