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Nach Kita-Hilferuf: Mehr Erzieher im Einsatz

Sieben kranke Erzieher, Kinder mit speziellem Betreuungsbedarf - das sorgte in Klotzsche für Angst bei Eltern und Personal. Was jetzt passieren soll.

Zeit, mit den Kindern Bücher anzuschauen - in einer Klotzscher Kita war das zuletzt für die Erzieher kaum möglich.
Zeit, mit den Kindern Bücher anzuschauen - in einer Klotzscher Kita war das zuletzt für die Erzieher kaum möglich. © Bernd Thissen/dpa

Körperliche Gewalt, die von Kindern ausgeht - mit diesem Problem hatte zuletzt eine Dresdner Kita enorm zu kämpfen. Nicht nur Erzieher kapitulierten und ließen sich schließlich krankschreiben, weil sie völlig überfordert waren. Im Dezember fehlten sieben von neun Stammerziehern, Aushilfen übernahmen ihren Job. Auch Eltern und Kindern hatten Angst, dass ernsthaft etwas passiert. In der Kita "Am Königswald" in Klotzsche werden außergewöhnlich viele Kinder betreut, die nicht bei ihren Eltern leben, sondern in speziellen Wohngruppen leben. Die Gründe: Mama und Papa können sich nicht um ihren Nachwuchs kümmern, oft spielte häusliche Gewalt eine große Rolle. Doch die Kita-Erzieher wissen: Eine "normale" Betreuung in einer städtischen Kita ist unmöglich. Mehrere Mitarbeiter und Eltern schlugen Alarm. Es war ein letzter Hilferuf. 

Erzieher wieder im Dienst

Nun scheint sich die Situation etwas zu entspannen. So hatte es der Eigenbetrieb Kita im Dezember auch angekündigt. Nach wie vor sei der gesetzliche Personalschlüssel gesichert. Seit 6.Januar sind zudem alle Stammerzieher wieder im Dienst. Die Stadt hatte die Krankheitswelle auf die Erkältungssaison geschoben - das stritten Erzieher allerdings ab. "Erkältet ist hier niemand", hatte ein Erzieher gegenüber sächsische.de gesagt. Psychische und physische Überforderung - dieses Problem setzt den Erziehern zu. Kinder, die mit Steinen werfen, spucken, kratzen, treten, ja, sogar suizidale Anzeichen hätten und damit drohen, aus dem Fenster zu springen - sie seien ein Fall für eine spezielle heilpädagogische Betreuung, da ist sich das Kita-Personal einig. 

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Etwa elf Kinder müssten demnach eigentlich 1:1 von einem Erzieher betreut werden, immerhin eines von ihnen wechselte zum 1. Januar in eine heilpädagogische Einrichtung. Doch warum werden in dieser Klotzscher Kita eigentlich so viele von ihnen betreut? Die Stadt versucht, auch Kinder aus Wohngruppen möglichst nah an ihrem Zuhause unterzubringen. Aber: "Zum Zeitpunkt des Platzbedarfes standen keine alternativen Plätze zur Verfügung", erklärt der Eigenbetrieb. 

Kita wird 2022 geschlossen

Dazu kommt ein weiteres Problem, wie ein Erzieher berichtet: Die Kita wird 2022 geschlossen, weil das Gebäude abgerissen und ein neues Haus gebaut wird. Deshalb melden Eltern ihre Kinder dort nicht mehr, denn sie würden in Kauf nehmen, dass ihr Kind an einen Ausweichstandort umziehen muss. Das bestätigt auch die Stadt. 

Damit die 70 Kinder der Klotzscher Kita bis dahin besser betreut und versorgt werden können, hat der Eigenbetrieb nun zusätzlich zum Stammpersonal weitere Mitarbeiter aus anderen Kindertageseinrichtungen sowie aus dem Personalpool eingesetzt. Auch Elternratsvorsitzende Linda Springer, deren Sohn die Kita ebenfalls besucht, bestätigt, dass das neue Jahr ruhig begonnen habe. Angebote wie Morgenkreis, ABC-Club und Schwimmkurs finden wieder statt. Doch es bleiben weiterhin neun Kinder - eines besucht mittlerweile ein andere Klotzscher Kita, eines wird vom Träger der Wohngruppe bereits 12 Uhr abgeholt - die eigentlich eine intensivere Fürsorge und auch eine therapeutische Begleitung nötig hätten. Warum ist es so schwierig, diese Kinder in entsprechenden Einrichtungen betreuen zu lassen? "Das Sächsische Kitagesetz sieht keine Betreuungsformen vor, in denen Kinder, die in betreuten Wohnformen leben, separiert untergebracht werden", meint der Eigenbetrieb dazu. Auch aus pädagogischer Sicht sei das nicht sinnvoll, denn Ziel ist es, solche Kinder zu integrieren. Verhaltensauffälligen Kindern werden deshalb Integrationsplätze in Kitas angeboten. 

Landesjugendamt prüft Bedingungen in Klotzscher Kita

Dass sich die Theorie oft nicht in die Praxis umsetzen lässt, zeigt der Fall der Klotzscher Kita allerdings deutlich. Denn insbesondere der Fachkräftemangel macht hier dem guten Willen einen Strich durch die Rechnung. Damit kämpft auch der Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen - Personal, dazu noch speziell ausgebildet, um verhaltensauffällige Kinder zu betreuen, ist nur schwer zu finden. Trotz besserer Bezahlung, die die Stadt bieten kann. 

Linda Springer berichtet, dass nun das Landesjugendamt als Aufsichtsbehörde prüft, ob alle Kinder auch wirklich in der städtischen Kita betreut werden können. Für die neun "schwierigen" Kinder stehen nur sechs Integrationsplätze zur Verfügung, so Springer weiter. Ende Januar soll die Beurteilung vom Landesjugendamt vorliegen. Außerdem sei ein Teamcoaching zum Thema Gewaltprävention in der Kita geplant sowie eine Beratung des Teams durch einen externen Experten. 

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