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Kinderpornos auf dem Smartphone

Weil sie als Pflichtverteidigerin nicht zugelassen wird, lässt die Verteidigerin ihren Mandanten im Stich und verlässt den Saal.

© dpa

Von Jürgen Müller

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Wein der „sächsischen Riviera“

Wein auf Sächsisch: Seit 1992 wimdet sich das Weingut Jan Ulrich der Herstellung von Qualitätswein aus dem Elbtal.

Meißen. Nein, der 32-Jährige hat es wirklich nicht leicht gehabt in seinem bisherigen Leben. Im Alter von einem Jahr kam er zu Adoptiveltern. Als er mit 14 Jahren straffällig wurde, steckte ihn das Jugendamt ins Heim. Mit Ach und Krach schaffte er die 8. Klasse, eine Berufsausbildung brach er ab. Mehrfach steht er vor Gericht, wird zu einer Jugendstrafe von acht Monaten verurteilt, die er teilweise absitzt. Sein Adoptivvater ist gestorben, wegen des vielen Alkohols, wie er sagt. Zu seiner Adoptivmutter hat er keinen Kontakt mehr, seit diese in Bayern lebt. Doch dann scheint es eine Wende zu geben in dem bisher tristen Leben. Er findet einen Job als Hilfskoch in Moritzburg, hat eine Freundin, wohnt mit im Haus derer Eltern. Seine kriminelle Karriere endet, die letzte Verurteilung stammt von 2009. Seitdem ist Ruhe.

Doch das neue Leben endet abrupt im Februar vorigen Jahres. Da steht die Polizei vor der Tür mit einem Beschluss, die Wohnung zu durchsuchen. Sie sucht Kinderpornos und wird fündig. Auf seinem Handy finden sich 197 Dateien. Darunter ist auch harte Pornografie zu sehen mit Mädchen, die fünf, sechs Jahre alt sind. Die Freundin schmeißt ihn darauf hin raus. Er verfällt vollkommen dem Alkohol und verliert deswegen seinen Job. Jetzt ist er wieder ganz unten. Zwar bekommt er Jobangebote, bewirbt sich aber nicht. Er sei damit beschäftigt, seine chaotische Wohnung aufzuräumen. „Das ist mir wichtiger als Arbeit“, sagt er. Wegen Besitzes von Kinderpornografie für den Eigenbedarf sitzt er nun vor dem Meißner Amtsgericht. Und hat auch hier Pech. Seine Verteidigerin will als Pflichtverteidigerin zugeordnet werden. Das hat für sie den Vorteil, dass die Kosten zunächst der Staat trägt. Die geistigen Fähigkeiten ihres Mandanten reichten nicht aus, um sich selbst zu verteidigen, begründet das die Anwältin. Richterin Ute Wehner und Staatsanwalt Dieter Kiecke sehen das aber anders. Dann werde sie den Saal verlassen, wenn sie nicht Pflichtverteidigerin werde, droht die Anwältin. Doch die Richterin lässt sich nicht erpressen, lehnt den Antrag ab. Die Verteidigerin lässt daraufhin ihren Mandanten im Stich.

Der Radeburger will sich zu dem Vorwurf nicht äußern. „Das ist mein Recht“, sagt er. Die Beweise sind aber eindeutig. Ein Sachverständiger, der extra aus München eingeflogen wird, bestätigt, dass 197 ungelöschte Kinderpornos auf dem Handy gefunden wurden und dazu noch entsprechende Suchanfragen. Dass Fotos weitergeleitet wurden, konnte der Forensiker jedoch nicht feststellen. Warum er sich Kinderpornos aufs Handy lud, dazu will der Angeklagte nach wie vor nichts sagen.

Das Gericht verurteilt ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Außerdem muss er innerhalb eines Monats 80 gemeinnützige Arbeitsstunden leisten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Auf die Frage, ob er das Urteil anerkennt, antwortet der Radeburger: „Ich werde dazu keine Erklärung abgeben.“ Spricht so jemand, der sich nicht selbst verteidigen kann?

Seine Anwältin hatte zwar den Saal verlassen, aber nicht das Gericht. Nach der Verhandlung wartete sie auf ihn. Und er wird sie wohl noch brauchen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachtes des sexuellen Missbrauchs eines Kindes. Im Dezember 2016 soll er über Facebook Kontakt zu einem Kind aufgenommen haben. Die Ermittlungen laufen noch.