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Kinderstricken mit der Kanzlerin

Ältere, die Kinder-Strickkurse anbieten, Jugendliche, die Senioren bei der Internet-Recherche helfen - in einem Mehrgenerationenhaus sollen Jung und Alt wieder zueinander finden.

© dpa

Von Klaus Tscharnke, dpa

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Langenfeld. Der neunjährige Leon ließ sich auch von der Kanzlerin nicht den Schneid abkaufen. Ob sie denn auch mal mit seiner Strickliesel arbeiten wolle, fragte der Bub den hohen Besuch aus Berlin. Er zeige es ihr gerne mal. Merkel ließ sich nicht zweimal bitten und ließ sich am Montag in Mittelfranken bereitwillig erklären, wie aus mehreren Knäuel Wolle eine bunte Wollwurst wird.

Der Besuch ist Teil einer Reise der Kanzlerin zum Thema „Zusammenhalt im demografischen Wandel“.
Der Besuch ist Teil einer Reise der Kanzlerin zum Thema „Zusammenhalt im demografischen Wandel“. © dpa
Mehrgenerationenhäuser sind nach Auffassung von Merkel eine Bereicherung der Gesellschaft.
Mehrgenerationenhäuser sind nach Auffassung von Merkel eine Bereicherung der Gesellschaft. © dpa
«Wir werden immer mehr Ältere und immer weniger Kinder haben. Wir müssen daher Wege finden, das unser Leben trotzdem gut gestaltet werden kann», sagte Merkel
«Wir werden immer mehr Ältere und immer weniger Kinder haben. Wir müssen daher Wege finden, das unser Leben trotzdem gut gestaltet werden kann», sagte Merkel © dpa
Bewohner des Mehrgenerationenhauses.
Bewohner des Mehrgenerationenhauses. © dpa

Leon ist Teilnehmer eines Kinder-Strickkurses im Mehrgenerationenhaus in Langenfeld. Unter der Anleitung der Endfünfzigerin Brigitte Grum lernt er Stricken und Häkeln - und demonstrierte damit in den Augen der Kanzlerin gelebten Zusammenhalt zwischen Jung und Alt.

Jung und Alt unter einem Dach - das ist auf eine Kurzformel gebracht das Konzept des Mehrgenerationen-Projekts «Dorflinde» in der 1000-Einwohnergemeinde Langenfeld, das Merkel am Montag besuchte. Der Kinder-Strickkurs von Grum steht dabei stellvertretend für viele Angebote, bei denen Ältere ihr Wissen und ihre Erfahrung an Jüngere weitergeben, Jüngere wiederum Älteren und Behinderten unterstützend zur Seite stehen.

So gehört zu Merkels Aufenthalt in dem fränkischen Mehrgenerationenhaus - dem sich der Besuch einer ähnlichen Einrichtung in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) anschließt - auch ein Abstecher ins hauseigene Internet-Café. In einem hellen und freundlichen Raum direkt neben dem Eingang sind mehrere Laptops aufgeklappt. Dahinter sitzen mehrere ältere Herren und blicken gespannt auf den Bildschirm. Hinter ihnen stehen drei Schüler, die ihnen bei der Recherche im Internet helfen. Sie geben den Rentnern Tipps, wie sie am schnellsten bei der Suche nach brauchbaren Infos für den geplanten Kurzurlaub ans Ziel kommen.

Die Jugendlichen sind Teilnehmer des Projekts «Soziales Schuljahr». Mehrere Stunden in der Woche engagieren sie sich im örtlichen Mehrgenerationenhaus. Merkel zeigt sich gerade davon besonders beeindruckt: «Für mich war das ganz neu.» Sie finde es gut, dass die jungen Menschen auf diese Weise gleich lernten, ein Stück soziale Verantwortung für Ältere zu übernehmen.

Was die Kanzlerin bei dem eineinhalbstündigen Rundgang fast noch mehr fasziniert: Mehrere pensionierte Alten- und Krankenpfleger kümmern sich im Rahmen des Projekts «Dorflinde» um kranke und pflegebedürftige Ältere. «Ich finde es gut, dass sich diese Menschen hier engagieren - und nicht sagen, ich bin froh, dass mein Beruf vorbei ist», unterstreicht Merkel.

Zeit nimmt sich Merkel auch für eine Gruppe ehrenamtlicher Demenz-Berater, die im Rahmen des Projekts ausgebildet wurden und inzwischen ihre Arbeit aufgenommen haben. Im Obergeschoss des modernen Trakts diskutieren die drei Berater über die Probleme, mit denen sie bei der Beratung von Angehörigen Demenzkranker zu kämpfen haben. Merkel hört aufmerksam zu: Schließlich sei sie ja auch nach Langenfeld gekommen, um zu erfahren, «wie wir Gesetze besser machen können». (dpa)