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Kirche beendet Glocken-Not

Am Sonntag werden zwei neue Bronzeglocken in Dorfhain geweiht. Dafür mussten viele mithelfen.

Von Verena Schulenburg
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Am Sonntag ist es soweit: Dann ziehen die neuen Bronzeglocken feierlich zur Dorfhainer Kirche. Matthias Bräutigam engagiert sich seit Jahren dafür.
Am Sonntag ist es soweit: Dann ziehen die neuen Bronzeglocken feierlich zur Dorfhainer Kirche. Matthias Bräutigam engagiert sich seit Jahren dafür. © Andreas Weihs

Die Kirchturmuhr steht still. Beinahe so, als würde sie innehalten und warten, auf den großen Moment. Denn bald soll der Glockenstuhl des Dorfhainer Gotteshauses sein Geläut zurückerhalten – allerdings anders als zuvor. Die alten Stahlglocken haben ausgedient. Von schwindelerregender Höhe über Dorfhains Dächern sind sie nun unmittelbar neben der Kirche geerdet worden.

Die nächste Generation wartet bereits in einer Scheune im Ort auf ihren Auftritt. Am Sonntag sollen die beiden neuen Bronzeglocken in feierlichem Akt zum Gotteshaus umziehen und sich dort zum dritten Bronzeexemplar gesellen. Eine Glocke aus Bronze läutete schon seit 2008 neben den Stählernen zum Gottesdienst, erklärt Matthias Bräutigam. Er wohnt seit mehr als 20 Jahren in Dorfhain und setzte sich im Vorstand der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Höckendorf, zu der Dorfhain gehört, dafür ein, dass das ungleiche Dreiergespann durch gänzlich neue Bronzeglocken vollkommen wird.

Das Geläut im Dorfhainer Gotteshaus, das um 1350 erbaut wurde, ereilte zu Kriegszeiten dasselbe Schicksal wie viele Kirchenglocken. Sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg wurden sie für Rüstungszwecke eingeschmolzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg aber fehlte das Geld, um das Geläut durch neue Bronzeglocken zu erneuern. Damit nicht länger Schweigen im Glockenstuhl herrscht, wurden im Jahr 1949 drei Glocken aus Eisenhartguss eingebaut. Ein solches Geläut sei jedoch nicht von Dauer. Glocken aus Stahl, erklärt Bräutigam, würden maximal 80 Jahre halten. Die gleichen Exemplare aus Bronze hingegen überdauern Jahrhunderte.

Um die nötigen Eigenmittel für die Investition aufbringen zu können, lud der Kirchenvorstand in den vergangenen Jahren zu zwei Benefizkonzerten für die Kirchenglocken ein – mit Erfolg. Die finanzielle Unterstützung für das neue Geläut im ältesten Gebäude des Ortes war riesig.

Die neuen Bronzeglocken.
Die neuen Bronzeglocken. © Verena Schulenburg

Nicht nur die neuen Glocken mussten gegossen werden. Auch einige Arbeiten im Glockenstuhl waren nebenher noch erforderlich, bevor die neuen Bronzeexemplare demnächst über Dorfhains Dächern läuten können. Zwar sind die neuen Bronzeglocken etwas leichter als die stählernen Zeitgenossen. Immerhin 1 175 Kilogramm bringen dennoch alle drei Bronzeglocken auf die Waage. Wenn dieses Gewicht in Schwung kommt, muss die Statik im Glockenstuhl stimmen. Insgesamt rund 83 000 Euro fallen für das neue Geläut inklusive aller Arbeiten an. Mehr als die Hälfte der Kosten übernimmt die Landeskirche. Ein Teil des Geldes nimmt der Kirchenvorstand aus der Rücklage und einem Baufonds. Einen größeren Anteil an der Finanzierung aber tragen die Dorfhainer und Glockenfreunde durch ihre Spenden und Kollekte.

Dank der gesicherten Finanzierung konnten die beiden noch ausstehenden Bronzeglocken vorigen Herbst neu gegossen werden. Deren Geburtsstätte liegt allerdings fast 700 Kilometer von dem Ort entfernt, an dem die erste Bronzeglocke bereits 2008 gegossen wurde. Diese kam noch im brandenburgischen Lauchhammer zu ihrer Form. Weil dort aber keine Glocken mehr gegossen werden, wurden die beiden größeren Glocken nun im österreichischen Innsbruck hergestellt. Die Firma Grassmayr ist dort seit 1599 im Familienbesitz und zählt zu den bedeutendsten Gießereien im deutschsprachigen Raum.

Nun haben die Neulinge den Weg nach Dorfhain gefunden. Am Sonntag, 9 Uhr, werden sie in einem Festumzug zur Kirche gefahren. Dann ist nicht nur das bronzene Dreiergespann endlich komplett. In den kommenden Wochen soll das neue Geläut im Glockenstuhl installiert werden. Dann wird auch die Kirchturmuhr wieder zur richtigen Stunde schlagen.

Am Sonnabend, dem 27. April, 10 bis 14 Uhr, Krempelmarkt am Sportplatz. 17.30 Uhr Fahnenweihe der FFW Dorfhain im Festzelt mit der FFW-Blaskapelle „Die Colmnitztaler“. Ab 20 Uhr handgemachter Folk mit Rattlin’ Bog und Musik mit dem DJ-Team Dorfhain.

Am Sonntag, dem 28. April, 8.30 Uhr, Begrüßung der neuen Glocken an der Feuerwache in Kleindorfhain, 9 Uhr Festumzug mit allen Besuchern und dem Musikzug Pretzschendorf, 10 Uhr Festgottesdienst und Glockenweihe, 12.30 Uhr Mittagsschoppen mit dem Feuerwehrblasorchester Wilsdruff und Verpflegung aus der Kesselgulasch-Kanone. (SZ) 

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