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Kirche, Kaffee und Kultur

Die neue Begegnungsstätte im Haus der Kirche ist eröffnet. Sie bietet einiges mehr als ein gewöhnliches Kaffeehaus.

© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Meißen. Bunt gemischt präsentierte sich die Gesellschaft, die sich die Eröffnung der christlichen Begegnungsstätte mit Café am Markt 10 am Dienstagnachmittag nicht entgehen ließ. Von Gewerbevereinschef Uwe Reichelt, OB Olaf Raschke (parteilos), SEEG-Chefin Birgit Richter, Pfarrer und Pfarrerinnen der drei evangelischen Kirchgemeinden der Stadt bis hin zu Mitwirkenden und Neugierigen aus Kunst, Kultur und Tourismus reichte das Interesse. „Und genauso soll es sein“, sagte Ina Heß von der Kirchgemeinde St. Afra zur Begrüßung. „Ältere oder jüngere Menschen, mit oder ohne Glaube und egal welcher Nationalität sind hier ab sofort herzlich willkommen.“ Bunt solle es eben künftig zugehen, weshalb die Besucher im Nachgang auch eine farbenfrohe Regenbogenkerze als Andenken an die Eröffnung mit nach Hause nehmen konnten.

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Die Idee zu einem Kaffee-Treffpunkt stamme von der Sächsischen Landeskirche, die die Meißner Gemeinden bei der Konzeption zu dem Café stark unterstützt hatte, auch finanziell, erläuterte Heß. St. Afra-Pfarrer Uwe Haubold, der das neue Café segnete, sprach scherzhaft von „vielen Offenbarungseiden“, die er bei der Planung der neuen Begegnungsstätte habe leisten müssen. Denn eigentlich sollte bereits Ende Mai Eröffnung sein. Jedoch kam es wegen der vollen Auftragsbücher zu Verzögerungen. Während der Gemeindesaal mit 100 Plätzen noch nicht vollständig fertig ist, haben die Verantwortlichen den Raum, in dem sich Menschen in Zukunft beim Kaffee begegnen können, fertig eingerichtet. Lediglich ein paar neue Stühle werden das Interieur noch vervollständigen. Die Fotos an den Wänden der Begegnungsstätte hat der Meißner Künstler Daniel Bahrmann zur Verfügung gestellt und dabei den Bezug zur Kirche nicht vergessen. Die Motive stellen nämlich Kirchturmspitzen der Domstadt dar.

Darüber hinaus kommt die Kultur in den Räumen am Markt 10 nicht zu kurz. So sind Bücher mit oder ohne christliche Inhalte im Café verfügbar. Insgesamt, sagte Ina Heß, wollen sich die Kirchgemeinden am Markt 10 noch stärker vernetzen und im Alltag der Meißner jederzeit greifbar sein. „Außerdem wollen wir die Teilhabe für Menschen in allen Lebenslagen ermöglichen.“

Passend dazu werden ab Mitte August Menschen mit psychischem oder geistigem Handicap im Service des Cafés arbeiten. Feste Mitarbeiter sind Elke Haubold und Uta Hartmann. Neben selbst gebackenem Kuchen und fair gehandelten Speisen wird es natürlich auch Kaffee geben, der aus dem nebenstehendem „Eine-Weltladen“ kommt. Dabei können Gäste künftig einen sogenannten aufgeschobenen Kaffee bestellen. Dieser wird zwar bezahlt, jedoch nicht getrunken. Die Bestellung vermerken dann Mitarbeiter auf einer Karte, die an einem Regal neben dem Tresen befestigt wird. Die Karten können dann Besucher benutzen, die gerne Kaffee trinken möchten, aber nicht bezahlen können.

Übrige Zucchini, Äpfel oder anderes Obst und Gemüse sind in der Begegnungsstätte übrigens gerne gesehen. „Daraus machen unsere Köche zum Beispiel Suppe“, so Ina Heß. Warum Kaffee und Kirche perfekt zueinander passen, erläuterte abschließend Pfarrerin Renate Henke von der Johanneskirchgemeinde. So sei einer ihrer Vorgänger aus der Zeit in Lorenzkirch in die Wirren des Türkenkrieges geraten und habe die Lebensweise der Türken kennengelernt. Nach Lorenzkirch berufen habe er später das Geheimnis der Kaffee-Röstkunst an den Sächsischen Hof gebracht. Kaffee und Kirche – das passt also.