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Kirche wird Baustelle

© SZ/Sven Görner

In diesem Jahr starten gleich mehrere Projekte. Vorgestellt wurden sie am Donnerstagabend. Und Spendenaktionen, die bei ihrer Finanzierung helfen sollen.

Von Sven Görner

Radeburg. Mehrfach bringt Kantor Markus Mütze an diesem Abend die Jehmlich-Orgel der Radeburger Kirche mit ganzem Körpereinsatz zum Klingen. Teilweise sogar mit zweifacher Unterstützung. Trotzdem hören sich die Töne, die dabei die rund 1 300 Pfeifen verlassen, wie ein Chor an, der zunehmend die Hand vor den Mund hält. So schätzt es jedenfalls Ralf Jehmlich ein. Und der muss es wissen, ist er doch Geschäftsführer des traditionsreichen Dresdner Orgelbaubetriebes, der 1881 auch das Instrument in der Radeburger Kirche eingebaut hat.

Dabei sollen auch die oberen Wandfriese zurückkehren. © SZ/Sven Görner
Auch die Orgel soll saniert werden, die Kantor Markus Mütze mit Unterstützung von Luisa Hein spielte. © SZ/Sven Görner
Alexander Miersch (li.) und Andreas Feist präsentierten Orgelbrot und Orgelwurst. © SZ/Sven Görner

Seit dem ist nicht allzu viel an dieser Orgel verändert worden. Sieht man einmal davon ab, dass auch sie ihre Zinn-Pfeifen des Orgelprospektes für das Blutvergießen des Ersten Weltkrieges hergeben musste. Als Ersatz bekam die Königin der Instrumente vier Jahre später minderwertige aus Zink, also „Dachrinnenblech“, wie es der Orgelbauer ausdrückt. Auf und in den anderen Pfeifen und Teilen der Orgel hat sich über all die Jahre reichlich Staub gesammelt. Auch Schimmel hat sich dazu gesellt. Ursache für diesen ist vor allem ein vor Jahren aufgetretener Wasserschaden.

Dach und Fassade des Gotteshauses wurden in den vergangenen Jahren saniert. Weil der Stadtrat die Kirche seinerzeit mit in das Sanierungsgebiet aufgenommen hatte, konnten dafür auch 407 000 Euro Sanierungsmittel von Bund, Land und Stadt fließen, wie Bürgermeisterin Michaela Ritter (parteilos) zur Auftaktveranstaltung für die neuen Sanierungsprojekte am Donnerstagabend sagte. Und weil die Stadtkirche eben nicht nur ein Haus Gottes, sondern auch Teil des kulturellen Erbes und ortsbildprägend wie kein anderes ist, sollen auch die neuen Vorhaben zu ihrer Erhaltung wieder unterstützt werden. So wird es nach den Worten der Rathauschefin für die geplante Neugestaltung der Außenanlagen Gelder aus dem Topf des neuen Stadtumbaugebietes geben. Und auch die Gebietsgemeinschaft Dresdner Heidebogen hat sich kürzlich für eine Förderung ausgesprochen. „Anders als bisher wird dabei erstmals die Innensanierung unterstützt“, sagte Michaela Ritter.

Architekt Matthias Helm stellte im Schnelldurchlauf vor, was in den nächsten Monaten alles in der Kirche passieren soll. So werden die Holzdecken im Kirchenschiff und in den Logen restauratorisch gereinigt und gegebenenfalls wiederhergestellt. Auch der Himmel über dem Altar soll wieder hervorgebracht werden. Nach historischem Vorbild bekommt das Kirchenschiff zudem seine oberen Wandfriese zurück. Die Fußböden werden erneuert und Kirchenbänke, Wandverkleidungen sowie Türen überarbeitet. Auch die Teilerneuerung der Elektrik, Beleuchtung und Lautsprecheranlage sind vorgesehen.

Benötigt werden dafür nach dem derzeitigen Stand rund 360 000 Euro. Weitere 90 000 Euro sind für die Orgelsanierung veranschlagt. „Allein für diese brauchen wir noch 50 000 Euro“, sagt Kantor Markus. Mütze. Insgesamt rechnet die Kirchgemeinde mit mindestens 60 000 Euro Spendengelder. „Wobei allerdings niemand weiß, was einem erwartet, wenn man sich an solch ein altes Instrument und solch ein historisches Bauwerk wagt“, sagte Kirchenvorstand Tobias Hein. „Besser wären daher Spendeneinnahmen zwischen 80 000 und 100 000 Euro.“ Damit dieser Wunsch sich möglichst auch erfüllt, wurden an diesem Abend auch gleich noch mehrere Spendenprojekte präsentiert. So können Interessierte für 50, 100, 200, 500 und 1 000 Euro Orgelpfeifen-Paten werden. Die größte Prospektpfeife steht dafür allerdings nicht zur Verfügung. Diese soll künftig eine Widmung tragen, mit der allen Spendern gedankt wird.

Unterstützt werden kann die Sanierung aber auch mit dem Kauf des Orgelbrotes der Bäckerei Schöne und der Orgelwurst der Genuss Quelle von Dirk Klotsche. Das Brot kosten 2,99 Euro, die Wurst 4,50 Euro. Beide sind ab sofort zu haben. Jeweils ein Euro pro Produkt wird von den Radeburger Handwerksbetrieben gespendet. Am Donnerstagabend konnten die Besucher der Veranstaltung die Kreationen schon einmal probieren. Eine Unterstützung ganz anderer Art hat sich Verena Kremer überlegt. Sie präsentierte in der Kirche von ihr gemalte Aquarelle. Sieben davon fanden gleich in der Kirche einen Käufer. Den Preis bestimmen die Interessenten selbst. Die Malerin behält nur einen Obolus fürs Material, der Rest wird gespendet.

Starten sollen die Sanierungsvorhaben in der Kirche übrigens am 15. Mai mit dem Ausbau der Orgel. Die Bauarbeiten werden dann voraussichtlich im Juni/Juli beginnen. Informationen dazu gibt es auch auf der von Torsten Flechsig neu gestalteten Internetseite der Kirchgemeinde.

www.kirchgemeinde-radeburg.de