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Radebeul

Kein Gottesdienst, aber offene Kirchen

Die Kirchgemeinden in Radebeul, Moritzburg und Reichenberg reagieren auf den Coronavirus. Trotzdem wollen sie ein Zufluchtsort für Menschen in Not bleiben.

Auch in der Radebeuler Friedenskirche sind die Gottesdienste abgesagt. Pfarrer stehen trotzdem zur Verfügung.
Auch in der Radebeuler Friedenskirche sind die Gottesdienste abgesagt. Pfarrer stehen trotzdem zur Verfügung. © Norbert Millauer

Von Birgit Andert

Wie an jedem anderen Sonntag haben auch am vergangenen die Glocken in den Kirchen der Region geläutet. Anders als sonst haben sie aber nicht zum regulären Gottesdienst gerufen. Aufgrund der aktuellen Situation haben die Gemeinden entschieden, zunächst bis Palmsonntag (5. April) sämtliche Gottesdienste sowie alle anderen öffentlichen Veranstaltungen in den Kirchen abzusagen.

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Zur Sicherstellung der öffentlichen Nahversorgung sind viele Shops für Sie weiterhin erreichbar und geöffnet.

„Der Verzicht auf die Versammlung der Gemeinde um Gottes Wort ist keine leichte Entscheidung“, heißt es auf der Homepage der Lutherkirche Radebeul-Ost. „Im Moment geht es darum, in Nächstenliebe aufeinander zu achten und Menschen zu schützen.“ Trotz abgesagter Gottesdienste waren die Kirchen in Radebeul, Reichenberg und Moritzburg am Sonntagvormittag geöffnet: für eine kurze Andacht, Gebet, Zeit zum Innehalten und eine Gesprächsmöglichkeit mit einem Seelsorger. In Moritzburg haben sogar die Bläser vor dem Bachhaus musiziert.

Pfarrer sind trotzdem in der Kirche

„Gerade in dieser Zeit wollen wir als Kirche ein Zufluchtsort bleiben“, sagt Björn Fischer, Pfarrer der Friedenskirche in Radebeul-West. „Wir wollen da sein für Menschen, die ein Gebet sprechen wollen, Hilfe suchen oder einfach einen Menschen brauchen, der zuhört.“ Deshalb ist auch weiter geplant, die Kirchen jeweils zu den geplanten Gottesdienstzeiten zu öffnen und als Pfarrer präsent zu sein. Auch die Pfarrämter sind weiter besetzt und telefonisch erreichbar.

Auf ihren Homepages rufen die Kirchen ausdrücklich dazu auf, sich auch dann zu melden, wenn praktische Unterstützung benötigt wird. „Wir haben im Moment zahlreiche Jugendliche, die nicht zur Schule gehen und gern einspringen würden, zum Beispiel indem sie für ältere Menschen einkaufen – natürlich mit den nötigen Vorsichtsmaßnahmen“, erklärt Ludwig Schmidt, Gemeindepädagoge in den beiden Radebeuler Kirchgemeinden. Die jungen Leute seien ohnehin gut vernetzt und könnten über digitale Kanäle leicht aktiviert werden.

Trauerfeiern im Freien

Die Friedhöfe erhalten den Betrieb aufrecht. Allerdings gelten die jeweiligen Bestimmungen der Gesundheitsbehörden auch für Trauerfeiern. „Wir wollen das einfühlsam und flexibel handhaben“, sagt Christof Heinze, Pfarrer der Lutherkirche. Individuelle Lösungen werden mit den Angehörigen gesucht, grundsätzlich sei es auch möglich, einmal alle Handlungen ins Freie zu verlegen, wenn sehr viele Trauergäste kommen.

Wie Kirche und die damit verbundene Gemeinschaft auch ohne die gewohnten Formen funktionieren kann, darüber beraten die Pfarrer und Mitarbeitenden in dieser Woche. „Wir werden besondere Formen des Gemeindelebens voranbringen“, sagt Björn Fischer, „etwa digitale Alternativen zum Gottesdienst, Formen von Nachbarschaftshilfe, umfangreichere Telefonsprechzeiten der Pfarrer.“ Auch Hausandachten und Abendmahlsfeiern zu Hause sind denkbar und können über die Pfarrämter angefragt werden.

Gottesdienste im Fernsehen, Radio und online

Bereits für den vergangenen Sonntag haben die Kirchgemeinden auf Alternativen zum Gottesdienst aufmerksam gemacht und auf die „Gottesdienste von ferne“ hingewiesen, die im Fernsehen, im Radio oder über die Homepage der Evangelischen Landeskirche verfolgt werden konnten. Über Facebook hat die Friedenskirche am Sonntagabend ein kleines Orgelkonzert gepostet und für die kommende Woche Gesundheit und Gottes Segen gewünscht.

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Für diese Woche lautet der biblische Wochenspruch: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Lukas 9,62) Auf der Homepage der Lutherkirche schreibt Pfarrerin Anja Funke dazu: „Bitten wir Gott darum, besonnen und voll Vertrauen unsere Hände an den Pflug zu legen. (…) Bitten wir Gott, dass wir in allem Ungewissen spüren, erleben und mitgestalten können, was Reich Gottes heißen kann: Tiefe in unseren Beziehungen – zu anderen, zu uns selbst und zu Gott.“

Aktuelle Informationen und Ansprechpartner gibt es auf den Internetseiten der Gemeinden: 

www.friedenskirchgemeinde-radebeul.de

www.lutherkirchgemeinde-radebeul.de

www.kirche-reichenberg.de

www.kirche-moritzburg.de