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Kirchenfriedhöfe fahren Miese ein

Laut Gesetz sollen die Kommunen die Fehlbeträge ausgleichen. So will die Kirche sparen. Doch es wird immer schwerer.

© Kristin Richter

Von Jörg Richter

Lampertswalde. Im Lampertswalder Gemeinderat ist jetzt über die Änderung eines Vertrags mit der dortigen Kirchgemeinde diskutiert worden. Darin verpflichtet sich die Kommune freiwillig zu einem Zuschuss für die Bewirtschaftung der kirchlichen Friedhöfe in Lampertswalde und Blochwitz. Die Gemeinde gibt jährlich 1 500 Euro dazu. Außerdem sind Sachleistungen vertraglich vereinbart. Dahinter verbergen sich Hilfeleistungen durch Mitarbeiter des Bauhofs, wenn Not am Mann ist. Nicht jeder im Gemeinderat ist davon begeistert, trotz der momentan schlechten Haushaltssituation die Kirchgemeinde zusätzlich zu unterstützen. Und auch der Bauhof stöhnt, dass Sachleistungen zurzeit unmöglich sind. Die personelle Situation gebe es nicht her, hieß es im Gemeinderat. Auch deshalb waren die Mitglieder des Hauptausschusses sich einig, die Sachleistungen aus dem Vertrag mit der Kirchgemeinde zu streichen.

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Doch die Lampertswalder Pfarrerin Annette Waffenschmidt wirbt für den Erhalt des Vertrags in der bestehenden Form. Hintergrund ist das Defizit bei der Betreibung der Friedhöfe. Allein der Blochwitzer Kirchhof fahre jährlich rund 2 000 Euro Miese ein. Die Rechnungsprüfung habe ergeben, dass dieser Friedhof ein „finanzielles Hochrisiko“ darstelle, berichtet die Pfarrerin und nennt ein Beispiel: Statt der Gebühr von 480 Euro für ein Reihengrab und einer Benutzungszeit von 20 Jahren müssten die Hinterbliebenen eigentlich 2 300 Euro mehr zahlen, damit der kleine Blochwitzer Friedhof kostendeckend bewirtschaftet würde. „Das können wir von niemanden verlangen“, sagt Annette Waffenschmidt.

Doch Blochwitz ist kein Einzelfall. Das bestätigt Andreas Beuchel, der Superintendent des Kirchenbezirks Meißen-Großenhain. Nicht nur kleine, auch größere Friedhöfe kämpfen mit finanziellen Problemen. „Durch den starken Anstieg der Feuerbestattungen hat sich die Friedhofskultur verändert“, sagt Beuchel. Immer mehr Leute lassen ihre sterblichen Überreste verbrennen. Einige aus Überzeugung, andere, um Bestattungskosten zu sparen, und wieder andere, um ihren Hinterbliebenen mit der Grabpflege nicht zur Last zu fallen.

Die vielen kostengünstigeren Urnenbestattungen, sei es im Einzel- oder im Gemeinschaftsgrab, haben aber in den letzten Jahren so manche Kostenkalkulation für Friedhöfe über den Haufen geworfen. Vor allem in Ostdeutschland, wo der Anteil religiös gebundener Menschen niedrig ist. Hier lassen sich mehr Menschen nach dem Tod einäschern als in den alten Bundesländern, wo diese Bestattungspraxis noch eher verpönt ist. Vor allem in katholisch geprägten Regionen, wie Bayern, wirkt die mittelalterliche Furcht vorm Feuertod bis heute nach.

Umso erstaunlicher ist es, dass nirgendwoanders in Deutschland der Anteil der kirchlichen Friedhöfe so hoch ist wie in Sachsen. Er liegt bei rund 80 Prozent, bestätigt Beuchel. Der Superintendent nennt es eine „sächsische Besonderheit“. In anderen Bundesländern gebe es überhaupt keine kirchlichen Friedhöfe mehr. Vor diesem Hintergrund hatte der Freistaat Sachsen bereits 1994 das Sächsische Gesetz über das Friedhofs-, Leichen und Bestattungswesen erlassen. Im § 4 (Friedhöfe nicht gemeindlicher Träger) Absatz 2 heißt es: „Die Gemeinden haben sich an dem Kostenaufwand anderer Träger, die in ihrem Einzugsbereich einen Friedhof unterhalten, angemessen zu beteiligen, soweit die Kosten nicht durch Einnahmen aus den für die Nutzer zumutbaren Gebühren gedeckt werden können.“ Doch was „angemessen“ ist, darüber gibt es hin und wieder verschiedene Meinungen. Wie zum Beispiel jetzt in der Gemeinde Lampertswalde.

„Deshalb müssen die Kirchengemeinden auf die Kommunen zugehen“, sagt Beuchel. Dass sich Städte und Gemeinden an den Kosten beteiligen, findet er gerecht. „Auf unseren Friedhöfen liegen ja nicht nur Christen.“

Der Kirchenbezirk Meißen-Großenhain sucht nach Lösungen, die Kosten für die Friedhöfe zu minimieren. Grünflächen sollen größer werden, um den Pflegeaufwand zu verringern. Vereinzelte Gräber soll es nicht mehr geben. Aber das ist ein Prozess, der Jahrzehnte dauern kann.