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Kirchengeläut und Kerzen gegen Hetze

Die Sächsische Volkspartei veranstaltete am Mittwochabend ihre erste Demo in Radebeul. Das Bündnis Buntes Radebeul mobilisierte deutlich mehr Leute.

© Symbolfoto/Egbert Kamprath

Radebeul. Fahrer und Beifahrer im Auto mit fremdländischem Kennzeichen schauen verdutzt. Gerade biegen sie zur Festwiese in Altkötzschenbroda ab. Da steht eine Menschentraube vorm Goldenen Anker. Fragender Blick: Was machen die Leute denn alle hier am Mittwoch kurz vor 19 Uhr, viele mit einer Kerze in der Hand?

Sie sind dem Aufruf des Bündnisses Buntes Radebeul gefolgt und wollen an dem stillen Protest teilnehmen, zu dem das Bündnis aufgerufen hat. Um ein Zeichen zu setzen gegen die Demo, die von der Sächsischen Volkspartei angekündigt worden war. Zum ersten Mal will die aus Meißen stammende Partei in Radebeul auftreten. Sie gilt als rechtsorientiert und nationalistisch. Da müsse man doch von vornherein Haltung zeigen gegen eine solche Aktion, sagt eine ältere Frau. Sie hat gemeinsam mit ihrem Mann gleich noch ein paar mehr Gläser samt Kerzen mitgebracht und stellt sie vorm Anker auf. Soll zeigen: Radebeul ist für Menschenfreundlichkeit und gegen Rassismus, wie es auch im Namen des Bündnisses heißt. Auf einem Plakat steht „Nie wieder braun“. Das vereint Jüngere und Ältere an dem Abend. Zeitweise weit über 200, schätzen die Veranstalter.

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Rede mit Gegenrufen

Etwas anders sieht es auf der nahen Festwiese aus. Dort beginnt gleich die Veranstaltung der Sächsischen Volkspartei. Doch nur wenige Leute haben sich vor der fahrbaren Bühne eingefunden. Der Motor des Stromaggregats rattert, im Scheinwerferlicht erscheint der Redner. Er wiederholt mehrfach die Forderungen seiner Partei nach dem Rücktritt Merkels und der Regierung, wettert gegen linkes Gedankengut und gegen die Aufnahme von Asylbewerbern. Immer wieder konfrontiert mit Gegenrufen, darunter „Nazischweine“.

Schließlich verspricht er: Wir kommen wieder. Und reicht das Mikro weiter an einen Mann, der die Sicht der Partei auf das internationale Geschehen wiedergibt. Etwa 35 Zuhörer haben sich schließlich eingefunden. 200 waren angemeldet, so die Veranstaltungsbehörde. Gegen 19.30 Uhr ist auf der Festwiese alles beendet. Die Polizei, mit mehreren Beamten vor Ort, achtet darauf, dass es auch nach dem Abschluss keine Zwischenfälle gibt.

Mittlerweile ist am Anger das Läuten der Glocken verklungen. Die Friedenskirchgemeinde hat für 19.30 Uhr zum Friedensgebet anlässlich des Holocaust-Gedenktags ins Gotteshaus eingeladen, sagt Pfarrer Björn Fischer. Eine Viertelstunde lang erklangen die Kirchenglocken, als akustisches Gegensignal zur Demo der Volkspartei. (SZ/IL)