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Kirchenkämmerer veruntreute 7,6 Millionen Euro

Der Angeklagte verlornach anfangs erfolgreichen Spekulationen die Kontrolle über seine Geldgeschäfte.

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Nürnberg. Ein Kämmerer der Evangelisch-Reformierten Kirche in Bayern hat 7,6 Millionen Euro in die eigene Tasche gesteckt. Zum Prozessauftakt legte der 68-Jährige gestern vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth ein umfassendes Geständnis ab.

„Ich bedaure mein Verhalten zutiefst und bitte die Kirche trotz des großen Unrechts, das ich auf mich geladen habe, um Verzeihung“, sagte der Angeklagte.

Der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer hatte als ehrenamtlicher Kämmerer zwischen 2004 und 2008 insgesamt 66 Mal große Beträge vom Kirchenkonto abgehoben oder auf Firmenkonten überwiesen, um damit private Geschäfte zu machen. Auch eigene Schulden zahlte er laut Anklage damit ab.

Der Kirche entstand dadurch ein Schaden von 7,6 Millionen Euro. „Der Anklagevorwurf wird von mir eingeräumt“, sagte der ehemalige Kämmerer. Er war bei einer internen Rechnungsprüfung aufgeflogen, sitzt seit Juli 2008 in Untersuchungshaft und ist an Krebs erkrankt.

Seit 1980 hatte der Steuerberater ehrenamtlich die Finanzen der Evangelisch-Reformierten Kirche in Bayern verwaltet. In dieser Funktion war er auch für die Buchhaltung der Gemeinden zuständig und hatte Bankvollmachten.

Mit „geschicktem Wertpapiermanagement“ habe er den Gemeinden 20 Jahre lang sehr gute Gewinne eingebracht und großen finanziellen Handlungsspielraum ermöglicht. Aber nach 2003 hätten sich Misserfolge eingestellt.

Beim Versuch, Fehler auszuräumen, hätten sich chaotische Zustände ergeben, erklärte er. Sein Ziel sei immer gewesen, das Vermögen der Kirche zu mehren und höhere Zinsen zu erreichen. Aber er habe die Kontrolle verloren.

Die Kirchenleitung war den Machenschaften des Kämmerers schon Ende 2007 auf die Spur gekommen. Aber sie hatte zunächst versucht, die Sache intern zu bereinigen, der Angeklagte konnte aber weiter in die Kasse greifen. Erst nach einer anonymen Anzeige im Juni 2008 wurde er verhaftet. Bis 21. Dezember sind noch fünf Verhandlungstage angesetzt.

Die Kirche sei wie eine Mutter für ihn und habe ihm stets Geborgenheit gegeben, erklärte er vor Gericht. Er sei bei den Großeltern aufgewachsen und habe in der Kirchengemeinde einen Ausgleich zum extrem konservativen Lebensstil seines Großvaters gefunden. Als er im Januar 1980 zum Kämmerer gewählt worden sei, habe er sich als guter und erfolgreicher Sohn erweisen wollen. (AP)