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Kirchenkrach ums Abendmahl

Im Streit ums Abendmahl haben Christen untereinander schon blutige Kriege geführt. Jetzt schreiben deutsche Bischöfe einen Brief an den Papst. Es geht um den alten Streit.

© dpa

Von Paul Kreiner, München

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Im Streit ums Abendmahl haben Christen untereinander schon blutige Kriege geführt. So brutal gehen katholische Bischöfe heute zwar nicht miteinander um, aber ein solcher Kirchenkrach wie jetzt war auch schon lange nicht mehr zu hören. In der Deutschen Bischofskonferenz hat er angefangen – dahinter verbirgt sich aber eine Revolte gegen das System. Besser gesagt: gegen Papst Franziskus.

Eigentlich schien alles in trockenen Tüchern. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte im Februar offenbar ein Thema abgeräumt, das gerade in Deutschland mit seinen vielen konfessionsverschiedenen Ehen recht heikel ist – jedenfalls dann, wenn die Eheleute ihren Glauben ernst nehmen: Dürfen evangelische Christen mit ihrem katholischen Partner gemeinsam zur Kommunion gehen? Künftig schon, in genau geprüften Einzelfällen jedenfalls.

So teilte es Kardinal Reinhard Marx als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz nach deren Frühjahrs-Vollversammlung in Ingolstadt mit. Zwei Drittel der 65 deutschen Bischöfe und Weihbischöfe, so ist bekannt geworden, haben zugestimmt.

Exakt vier Wochen danach, am 22. März, meldete sich die bischöfliche Opposition zu Wort. Allerdings nicht bei Kardinal Marx, sondern direkt in Rom. Sieben Diözesanbischöfe, darunter auch der Bischof von Görlitz, Wolfgang Ipolt, bezweifeln in ihrem Brief an den Vatikan, dass die Deutsche Bischofskonferenz in einer theologisch so schwierigen Frage überhaupt etwas entscheiden, gar einen „nationalen Sonderweg“ gehen könne. Die sieben Bischöfe sorgten dafür, dass ihr „vertraulicher“ Brief an die Medien kam; deshalb hat Kardinal Marx jetzt den Inhalt auch in aller Öffentlichkeit zurückgewiesen.

Der Rom-Brief folgt in den zentralen Argumenten auffällig jener Linie, die ein gewisser Gerhard Ludwig Müller vorgegeben hat. Dieser war bis Juni 2017 Chef der Glaubenskongregation, wurde dann aber von Papst Franziskus ohne Begründung (wohl aber wegen Illoyalität) entlassen. Seither macht er aus seiner Gegnerschaft gegen die päpstliche Reformpolitik keinen Hehl. Am 1. März hatte Kardinal Müller der kleinen, aber einflussreichen Würzburger Tagespost ein Interview gegeben, worin er nicht nur die Zuständigkeit nationaler Bischofskonferenzen in so heiklen Fällen wie dem Kommunionempfang bestreitet. Eine seelsorgerlich motivierte Öffnung der Kommunionpraxis hält er generell für „nicht vereinbar mit dem Glauben“.

Papst Franziskus selbst ist in dieser Frage unschlüssig, wie Konservative kritisieren. Im November 2015 besuchte er die deutschsprachige lutherische Gemeinde in Rom und brachte als Gastgeschenk einen Abendmahlskelch mit. Sollte das ein Zeichen sein, dass dieser Papst die am meisten und am tiefsten trennende Frage zwischen den Konfessionen für erledigt hält? Dass Protestanten und Katholiken heute schon gemeinsam Abendmahl/Kommunion feiern dürfen? Oder drückte er nur eine Hoffnung aus?

Als eine Protestantin bei dieser Gelegenheit den Papst ganz direkt fragte, wann sie endlich mit ihrem katholischen Ehemann gemeinsam zur Kommunion gehen könnte, zögerte Franziskus. Dann zitierte den Apostel Paulus, der gesagt habe: „Ein Glaube, eine Taufe, ein Herr.“ Schließlich sagte Franziskus, eine generelle Erlaubnis zur Kommunionteilnahme für protestantische Christen werde er nicht geben: „Denn das ist nicht meine Kompetenz. Sprecht darüber mit Gott selbst und geht dann weiter voran. Mehr wage ich nicht zu sagen.“