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Kirchturm wird für die Zukunft gerüstet

Am höchsten Gebäude der Stadt werden Schäden beseitigt. Dafür muss der Handyempfang auch mal kurz zurückstecken.

© Eric Weser

Von Eric Weser

Strehla. Eigentlich sollten die Arbeiten schon weiter sein. Aber der derzeitige Bauboom hat seine Tücken. Der Gerüstbauer bekam seine bestellten Stangen, Böden und Leitern wegen ausgelasteter Produktionskapazitäten beim Hersteller nicht geliefert. Weswegen Strehlas Kirchturm erst später fertig eingerüstet werden konnte und sich der Startschuss für die Sanierung um einige Wochen verzögerte .

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Das hölzerne Traufgesims in gut 45 Meter Höhe ist stark verwittert – und teilweise löchrig.
Das hölzerne Traufgesims in gut 45 Meter Höhe ist stark verwittert – und teilweise löchrig. © Eric Weser
Der Zahn der Zeit nagt auch an über zwei mal zwei Meter großen Zifferblättern der Kirchenuhr.
Der Zahn der Zeit nagt auch an über zwei mal zwei Meter großen Zifferblättern der Kirchenuhr. © Eric Weser
Vor allem an der Westseite ist der Putz mitgenommen. Dort wurde schon abgehackt.
Vor allem an der Westseite ist der Putz mitgenommen. Dort wurde schon abgehackt. © Eric Weser

Inzwischen steht das Gerüst – und die Arbeiten kommen Stück für Stück in Gang. Eine Baufirma war schon zu Gange und hat an mehreren Stellen am Turm schadhaften Putz abgehackt. Mitte der Woche haben Maler den Schmutz von der Fassade gekärchert. Ein Steinmetz hat die aufgeplatzte Sandsteineinfassung eines Südseiten-Fensters inspiziert. Und auch der Zimmerer hat sich das löchrige Traufgesims aus Holz in gut 45 Meter Höhe vorab angeschaut.

Allein wegen dieser Schäden sei es nötig, dass etwas am Kirchturm gemacht wird, sagt Detlev Goldbach. Der Strehlaer Bauingenieur hat die Sanierung im Auftrag der Kirchgemeinde vorbereitet und koordiniert jetzt die Handwerker vor Ort. Goldbach kennt den Strehlaer Kirchenbau gut. Bei der Innensanierung vor 15 Jahren war er beteiligt. Am Kirchturm ist unter seiner Regie vor einigen Jahren schon mal etwas gemacht worden, auch im Innenbereich.

Doch auch den Kenner haben manche Schäden am Turm überrascht. Der Zustand der 2,20 Meter mal 2,20 Meter großen Uhrzifferblätter aus Blech zum Beispiel. „Von unten hat das alles wunderbar ausgesehen“, sagt Goldbach. Seit man über das Gerüst ganz genau hinschauen kann, ist aber klar: An einer Reparatur führt kein Weg vorbei. Für nächste Woche hat sich deshalb schon der Turmuhrbauer aus Dresden angesagt. Rund 100 000 Euro wird die Turmsanierung kosten, schätzt Detlev Goldbach. Viel Geld für die kleine Kirchgemeinde. Dass sie dennoch durchgerungen hat, das Projekt zu starten, sei auch einem Zuschuss von mehr als 75 Prozent aus einem Bund-Länder-Fördertopf zu verdanken, sagt der Bauplaner.

Über das Programm sind in Strehla auch schon etliche weitere Denkmäler instand gesetzt worden. Zuletzt der Markt 2 oder die Grundschule. So lange wie an diesen beiden Gebäuden soll am Kirchturm zwar nicht saniert werden. Der weithin im Umland sichtbare Bau wird wohl aber immerhin bis August eingerüstet bleiben. Zwischendurch könnte es auch dazu kommen, dass das Handysignal rund um den Turm mal etwas abflaut. Denn auf etwas 40 Meter Höhe sind mehrere Antennen angebracht. Die werden abgeschaltet, wenn sich Handwerker längere Zeit dort aufhalten, sagt Detlev Goldbach. Sicherheit geht vor. Genauso wie beim Gerüst, für das extra eine Statik berechnet worden war.

Bei der letzten großen Turmsanierung vor gut 30 Jahren sah das noch anders aus, außerdem erinnert sich Detlev Goldbach. Da kam ein Holzgerüst zum Einsatz. Allerdings war auch schon damals das Material knapp. Um weiterbauen zu können, hätten seinerzeit eigens Bäume im Wald geschlagen werden müssen. – Dass in 30 Jahren schon wieder ein Gerüst am Strehlaer Kirchturm steht, glaubt Bauplaner Detlev Goldbach nicht. Sind alle Risse gekittet, alle schadhaften Hölzer gewechselt, alle Fensterrahmen behandelt und der ganze Turm wieder komplett neu gestrichen, soll alles gut 40 Jahre halten. Deswegen gelte es jetzt, möglichst viel am Turm bestmöglich in Ordnung zu bringen, sagt der Ingenieur. Damit das 1696 vollendete Kirchbauwerk samt Turm für die Zukunft gerüstet ist.