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Kita endgültig gescheitert

Über ein Jahr ist die ehemalige Kita in Ilkendorf dicht. Zwar haben Eltern einen Betreiber gefunden – aber die Stadt hat andere Pläne.

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© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Ilkendorf/Nossen. Einen letzten Vorstoß hat Tobias Stange in einer Ausschusssitzung im Nossener Rathaus Ende April gewagt. Der 39-jährige Diplomingenieur für Medientechnik ist so etwas wie der Kopf der Elterninitiative Kindergarten Ilkendorf, die sich für die Weiternutzung des Hauses als Kita einsetzt.

Nach einem Wasserschaden im Erdgeschoss und im ersten Stock musste die Einrichtung im März 2015 geschlossen werden. Eine grundhafte Sanierung hatte es danach nicht gegeben – auch weil nur noch gut 20 Mädchen und Jungen die Kita besuchten, diese anschließend auf andere verteilt werden sollten. „Die Schließung wollten wir so nicht akzeptieren, deswegen haben wir ein Konzept erarbeitet und intensiv nach möglichen Betreibern Ausschau gehalten“, sagt Tobias Stange, dessen Kinder ebenfalls die Kita besuchten. Zuvor hatten die Eltern über 500 Unterschriften in und um Ilkendorf für den Erhalt der Kita gesammelt.

Dass Stange und sechs weitere aktive Mitstreiter der Elterninitiative nun sogar einen möglichen Betreiber gefunden haben, konnte er in der Ausschusssitzung zwar mitteilen. Doch das ändert nichts am Standpunkt der Stadtverwaltung. Sie hatte schon unmittelbar nach der Schließung in Abstimmung mit dem Landratsamt die Ilkendorfer Kita aus dem für die Stadt geltenden Bedarfsplan herausgenommen. Weil das so ist, kann der mögliche Betreiber – die Johanniter-Hilfsorganisation – nicht tätig werden. „Neben der Tatsache, dass sich die Kita nicht mehr im Bedarfsplan befindet, gibt es aus unserer Sicht auch kein schlüssiges Konzept zur Wiedereröffnung, abgesehen von den Kosten, die eine komplette Sanierung hervorrufen würde“, erklärt Nossens Stadtoberhaupt Uwe Anke (parteilos). Über die Weiterverwertung des Gebäudes haben die Stadträte in ihrer jüngsten Sitzung beraten. Demnach sollen in Zukunft auf über 360 Quadratmetern Sozialwohnungen entstehen. Die Räte haben sich festgelegt, dass sich die Nossener Wohnungsgesellschaft (WVG) um die Sanierung und Vermittlung der Wohnungen mit „einfachem Standard“ kümmern wird. Eine Weiternutzung als Kita komme jedenfalls nicht infrage. In Nossen gebe es aktuell auch keine dringend benötigten Kita-Plätze.

Fördergeld noch nicht bewilligt

„Wir können den Bedarf durch die vorhandenen Kitas decken. Außerdem planen wir unsere Kindertagesstätte in Leuben-Schleinitz zu erweitern“, sagt Anke. Noch möglichst vor dem Winter soll das passieren. Ob es klappt, hängt aber auch von Fördermitteln ab, die derzeit noch nicht bewilligt seien. Warum der Stadtrat im letzten Frühjahr aber überhaupt entschieden hat, der Elternvereinigung ein Jahr Zeit zu geben, um ihre Idee eines Landkindergartens im Dorf zu verwirklichen, versteht Tobias Stange aus heutiger Sicht nicht. „Da beißt sich doch die Katze in den Schwanz. Solange es keinen ausdrücklichen Wunsch der Stadt gibt, den Standort in Ilkendorf weiterzunutzen und hier laut Plan überhaupt kein Bedarf besteht, kann auch kein neuer Betreiber tätig werden“, sagt er. Er habe gehofft, dass das Haus der Gemeinde für eine sinnvolle Nutzung erhalten bleibe. „Schön wäre etwa ein generationsübergreifendes Projekt für integrative Arbeit mit alten und jungen Menschen gewesen“, so Stange. Ob zumindest ein Versammlungsraum oder eine Art Dorfklub in das Erdgeschoss ziehen könnte, werde nun geprüft, teilt Bürgermeister Anke mit. Zumindest ist mit der Entscheidung ein Abriss des über 100 Jahre alten Gebäudes vom Tisch.

Trotzdem fragt sich Tobias Stange, was passiert, wenn eines Tages wieder mehr Flüchtlinge und deren Kinder nach Nossen kommen oder noch mehr Familien aus den Speckgürteln der großen Städte nach Nossen ziehen? „Dann könnte sich der Bedarf schnell wieder erhöhen – und die Stadt Ilkendorf als Standort gut gebrauchen.“

Derzeit ist das Gebäude mehr oder weniger halb entkernt. Zwar hatten Handwerker die Räume nach dem Wasserschaden und anschließendem Schimmel-Befall 2015 trocken gelegt, Fußböden und Wände abgehackt und Zwischendecken entfernt. Damit hier Wohnungen gebaut werden können, muss die Stadt trotzdem kräftig investieren.