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Sachsen

Kita-Plätze gibt es - aber zu wenig Erzieher

Sachsen ist bundesweit spitze, wenn es um Kinderbetreuung geht. Doch einige Gemeinden können ihre Kapazitäten gar nicht voll ausschöpfen.

© Monika Skolimowska/ZB/dpa

Dresden. Der Fachkräftemangel wirkt sich in Sachsen mittlerweile auch auf die Kinderbetreuung aus. Zwar ist die Betreuung in Krippen, Kitas und Kindergärten aus Sicht des Sächsischen Städte- und Gemeindetages (SSG) gesichert. Die Betreuungsquoten von mehr als 52 Prozent im Krippenalter, fast 95 Prozent im Kindergarten und mehr als 84 Prozent im Schulhort seien bundesweites "Spitzenniveau", teilte der Verband bei einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Einige Städte und Gemeinden können jedoch laut SSG wegen fehlender Fachkräfte die Kapazität ihrer Betreuungseinrichtungen gar nicht voll ausschöpfen. Hinzu komme, dass etwa jede dritte Mitarbeiterin mittlerweile älter als 55 Jahre sei und in den nächsten Jahren ausscheiden werde. "Deshalb ist von einem steigenden Bedarf an Erziehern auszugehen", sagte SSG-Geschäftsführer Mischa Woitscheck.

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Nach Angaben des Kultusministeriums gab es in Sachsen mit Stand März vergangenen Jahres 3007 Kindertageseinrichtungen mit 353.682 Kita-Plätzen. Für den Generationswechsel in den Einrichtungen, so schätzt das Ministerium, werden jährlich rund 600 neue Erzieherinnen und Erzieher gebraucht. Kurzfristig könnten die Kita-Träger als Reaktion darauf die Stundenzahl der Beschäftigten anheben, denn etwa 80 Prozent der sächsischen Erzieher arbeiteten in Teilzeit.

© Uwe Anspach/dpa

Dennoch: Jährlich schließen laut Ministerium zwar rund 2.000 Absolventen die Erzieherausbildung erfolgreich ab. "Aber davon kommen zu wenige in den Kitas an", sagte eine Sprecherin. "Um zu erfahren, welchen Weg die Absolventen nach ihrer Ausbildung nehmen, führen wir derzeit eine mehrstufige Absolventenbefragung durch." Um mehr Erzieher zu gewinnen, seien seit dem aktuellen Schuljahr 200 zusätzliche Ausbildungsplätze an den staatlichen Fachschulen geschaffen worden.

Die Landeshauptstadt Dresden hat nach eigenen Angaben seit 2008 mehr als 300 Millionen Euro in die Kitas investiert. Aktuell gebe es in der Stadt 33.050 geförderte Betreuungsplätze in Kitas und Kindertagespflegestellen. "Damit kann Dresden ein bedarfsgerechtes Angebot an Betreuungsplätzen für alle Altersbereiche vorhalten", sagte die Chefin des Amtes für Kindertagesbetreuung, Sabine Bibas. Wartezeiten entstünden Eltern lediglich dort, wo sie sich auf einen Betreuungsplatz in einer Wunschkita festgelegt hätten.

200 Erzieher in Dresden gesucht

Aber auch in Dresden fehlen vor allem wegen steigender Kinderzahlen Fachkräfte. Bis zum neuen Schuljahr 2020/21 sucht der Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen den Angaben zufolge 200 staatlich anerkannte Erzieherinnen. Insgesamt sollen jedoch im kommende Schuljahr sogar 300 neu eingestellt werden.

Die Stadt Leipzig hatte in den vergangenen Jahren wegen fehlender Betreuungsmöglichkeiten mit juristischen Auseinandersetzungen zu kämpfen. Demnach gab es seit dem Beginn des Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz ab dem ersten Lebensjahr von August 2013 an bis Ende vergangenen Jahres fast 1.500 Klagen. In 39 Fällen hatte die Stadt Zwangsgeld zu zahlen, insgesamt 19.500 Euro wurden an die Justizkasse des Freistaates entrichtet. Es wurden 230 Anträge auf Schadenersatz wegen Verdienstausfalls gestellt, Schadensregulierungen kosteten die Stadt bis Ende 2019 mehr als 323.600 Euro.

Durch Kapazitätserweiterungen bei Kitas sei ein Rückgang der Verfahren zu verzeichnen, hieß es. Mit Stand Januar gab es in Leipzig nach Angaben der Stadt rund 30.000 Plätze für Kinder bis zu Schuleintritt sowie weitere fast 3000 in der Kindertagespflege. Der Ausbau werde weiter vorangebracht, auch um Reserven zu schaffen, hieß es. "Zum Schuljahresbeginn gehen wir davon aus, dass der Bedarf in Leipzig weitgehend gedeckt sein wird."

Die Stadt Chemnitz kann nach eigenen Angaben Wünsche auf einen Kita-Platz weitgehend erfüllen. Es könne aber nicht immer der Wunschkindergarten garantiert werden, hieß es. Aktuell stünden 19.950 Plätze zur Verfügung. Der Versorgungsgrad liege bei mehr als 95 Prozent. Im vergangenen Jahr sind fast 49 Millionen Euro an Personal- und Sachkosten angefallen. Fast 42 Millionen Euro werden in den Neubau von von elf weiteren Kitas investiert. Davon sind vier schon fertig, weitere sieben sollen bis 2021 folgen. (dpa)