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Kita-Platz verzweifelt gesucht

Seit einem Jahr wartet Susan Rautert vergeblich auf einen Betreuungsplatz für ihre Tochter. Der Stadt war lange tatenlos, sagt sie.

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Von Tobias Winzer

Es ist so etwas wie der letzte Versuch. Mit Plakaten in Größe A4 will Susan Rautert doch noch einen Betreuungsplatz bei einer Tagesmutter für ihre kleine Tochter Emilia Zoe finden. „Sachdienliche Hinweise werden mit einem Abendessen für zwei Personen belohnt“, heißt es auf dem Blatt. „Man muss doch einen Anreiz setzen“, sagt Susan Rautert und lacht. Die 27-Jährige arbeitet in der Werbebranche und weiß, wovon sie spricht. Ihren Optimismus hat die Pieschenerin trotz der bitteren Erfahrungen in den vergangenen zwölf Monaten nicht verloren.

Susan Rautert ist hochschwanger, als die Suche vor etwa einem Jahr beginnt. Kurz nachdem Emilia Zoe geboren wurde, meldet sie ihren Bedarf nach einem Krippenplatz bei der Stadt an. „Am Anfang war ich noch zuversichtlich“, sagt Susan Rautert heute. Ihre Zuversicht bekommt einen ersten Dämpfer, als ihr die Stadt mitteilt, dass sowohl wohnort- als auch arbeitsplatznah kein Krippenplatz frei sein wird. Susan Rautert lässt sich bei einer zentralen Vergabestelle für Tagesmütter-Plätze registrieren. Weil sie Gewissheit haben will, telefoniert sie die Tagesmütter persönlich ab. „Ich habe bestimmt 50 Telefonate geführt“, sagt Susan Rautert. Das Ergebnis: Bei fünf Tagesmüttern steht sie jetzt auf einer Warteliste. „Und das ist schon hart erkämpft.“

Unterdessen drängt die Zeit. Die Elternzeit von Susan Rautert endet im März. Ihr Mann, der als Pressesprecher arbeitet, hat nun zwei zusätzliche Monate beantragt. „Uns bleiben noch vier Monate“, sagt Susan Rautert. Die Großeltern können nicht einspringen. Sie sind selbst berufstätig oder wohnen zu weit weg.

Die jungen Eltern greifen deshalb zu ungewöhnlichen Methoden. Ihre verzweifelte Suche machen sie auf den Internet-Plattformen Facebook und Twitter öffentlich. Auch einen Fernsehbeitrag gab es schon. Andreas Rautert hat sogar schon persönlich bei Sozialbürgermeister Martin Seidel wegen eines Kita-Platzes angerufen. Ein aussichtsloser Versuch. „Die Stadt kann ja auch keine Plätze herbeizaubern“, sagt Susan Rautert.

Protest vor dem Rathaus

Die junge Frau wirft der Stadt aber vor, zu spät auf den Babyboom reagiert zu haben. „Die Kinder fallen doch nicht vom Himmel“, sagt Susan Rautert. „Es ist doch ein schwaches Zeichen für eine angeblich familienfreundliche Stadt, wenn man so um einen Platz kämpfen muss.“ Allein in ihrem Bekanntenkreis seien fünf junge Mütter mit ähnlichen Nöten.

Der Stadt ist das Problem bekannt. Nach Angaben des Eigenbetriebs Kindertageseinrichtungen fehlen zurzeit 800 Kita-Plätze. Im Sommer verschärft sich die Platznot noch einmal. Dann fehlen 1500 Plätze. Allein in den geburtenstarken Ortsamtsgebieten Pieschen und Neustadt können dann 850 Kinder nicht betreut werden. Um die Not etwas zu lindern, können die Kinder, die eine Tagesmutter haben, länger bei dieser bleiben. Eigentlich endet die Betreuungszeit bei Tagesmüttern mit dem dritten Geburtstag. Der Nachteil: Die Suche nach freien Plätzen bei Tagesmüttern wird so zusätzlich erschwert. „Die Tagesmütter sagen mir, dass kein Platz frei ist, weil sie die Kinder länger haben“, sagt Susan Rautert.

Die Pieschenerin will sich nun mit anderen verzweifelten Eltern zusammentun und so Druck auf die Stadt machen. „Wir haben schon überlegt, ob wir eine Initiative gründen“, sagt sie. Am 7. Februar ist ein Flashmob mit Rasseln und Tröten vor dem Rathaus geplant. Ob das den Kita-Platz für die kleine Emilia Zoe herbeizaubert, ist aber ungewiss. Die Rauterts denken deswegen nun darüber nach, aus Dresden wegzuziehen. In Radebeul oder Moritzburg hoffen sie, einen Kita-Platz zu finden.