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Kitaausbau kommt Kriebstein teuer zu stehen

Die Gemeinde will den Kindergarten erweitern. Die Kosten sind enorm und die Notwendigkeit fraglich.

© Dietmar Thomas

Von Andreas Neubrand

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Kriebstein/ Grünlichtenberg. Wenn Feldmäuse im Gemeinderat kontrovers diskutiert werden, dann handelt es sich oft um Umweltfragen. Nicht so bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in Kriebstein. Dort sind sie Gegenstand einer erbitterten Haushaltsdebatte. Feldmäuse ist der Name des Kindergartens in Grünlichtenberg, den die Gemeinde ausbauen will.

Damit künftig vier zusätzliche Kinder untergebracht werden können, will die Gemeinde das Gebäude umbauen und sanieren. Die Kosten, die sie dafür im laufenden Haushalt eingeplant hat, liegen bei 150 000 Euro. Dabei sind die 100 000 Euro Fördergeld des Freistaats Sachsen noch nicht einmal eingerechnet. Unterm Strich müsste Kriebstein also 250 000 Euro für vier Kita-Plätze ausgeben. Viel zu viel finden einige Gemeinderäte. „Das wären ja 62 500 Euro für ein Kind“, rechnete Gemeinderatsmitglied Ronny Kroll (Freie Wähler) vor. „Das ist eindeutig zu viel.“

Doch Bürgermeisterin Maria Euchler (Freie Wähler) kann dem nicht zustimmen: „Man kann das Geld nicht so einfach auf die vier Kinder umlegen. Das wäre in der Tat eine astronomische Summe.“ Den Grund für die explodierenden Kosten sieht Euchler vor allem in rechtlichen Bestimmungen. „Wir brauchen pro Kind so und so viele Quadratmeter. Sonst wird uns der Kindergarten nicht genehmigt. Wenn wir vier Kinder zusätzlich aufnehmen, dann brauchen wir mehr Fläche und mehr Schlafräume.

Dazu müssen wir die sanitären Anlagen erweitern.“ Außerdem sei ein größerer Aufenthaltsraum für die Erzieherinnen erforderlich. Zudem müsse jeder Kindergarten in der Größenordnung des Grünlichtenbergers über einen Integrationsraum verfügen. Dies ist ein Raum, in dem behinderte Kinder besondere Pflege und Unterstützung erhalten. „Auch darf der Wickeltisch nicht in einem der Schlafräume stehen. Der braucht jetzt nicht unbedingt einen eigenen Raum, aber zumindest einen besonderen Platz“, so Maria Euchler. „Und wenn man so etwas schon anfängt, dann richtig.“

Dabei ist es fraglich, ob es diese rechtlichen Bestimmungen überhaupt gibt. Bei einer Anfrage des Döbelner Anzeigers ergab sich, dass es sich dabei nicht um gesetzliche Regelungen oder Verordnungen handelt, sondern lediglich um Empfehlungen. „Diese Empfehlungen sind Gesetzen und Verordnungen untergeordnet“, so Kämmerer Wolfgang Hein. „Die Frage, wo diese Anforderungen geregelt sind, haben wir uns bis jetzt nicht gestellt. Bis jetzt haben wir stets alle geschriebenen Anforderungen ernst genommen und darauf vertraut, dass diese zwingend zu erfüllen sind. Das wird für uns Anlass sein, doch mal auszuloten, inwieweit unsere Aufnahmekapazität im Rahmen der Betriebserlaubnis für die Kita Grünlichtenberg erhöht werden kann, falls wir die angedachten Umbauten doch nicht realisieren“, erklärte er.

Sollte der Umbau aber kommen, dann bleiben immer noch die hohen Kosten. Doch genau darin sehen die Räte das Problem. „Ich kann den Unmut verstehen“, so Hein. „Die Investitionskosten liegen bei 150 000 Euro. Diese Summe würde uns dann für zukünftige Investitionen im Haushalt fehlen.“ Dazu kämen dann noch die Folgekosten. „Dies würde den Haushaltsplan zusätzlich verschlechtern, und man müsste auf andere Sanierungen verzichten, wie zum Beispiel die Renovierung des Trockenschuppens“, so Hein.

Auch die Frage, wie zukunftsträchtig die Plätze sind, treibt den Gemeinderat bei der Sitzung um. „Es gab mal drei Kindergärten. Den dritten in Ehrenberg mussten wir damals wegen Bedarfsmangel schließen. Wir haben aber keine Glaskugel und können leider nicht in die Zukunft sehen“, so der Kämmerer. „Was, wenn die Kinderzahl nicht immer so hoch bleibt? Dann haben wir einen teurern Kindergarten, den keiner nutzt. Und dafür fehlt dann an anderen Stellen das Geld.“

Hinzu kommt, dass nicht nur Kriebsteiner Kinder in den Kindergarten gehen. So gibt es in Kriebstein also auch ‚Feldmäuse‘, die aus Waldheim oder anderen Städten und Gemeinden kommen können und umgekehrt. Nicht jedes Kriebsteiner Kind besucht automatisch einen der beiden Kindergärten. Wolfgang Hein erklärte: „Prinzipiell kann jeder sein Kind in den Kindergarten stecken, den er will. Manche Eltern nehmen den, der näher auf dem Weg zur Arbeit liegt. Einige, weil die Freunde ihrer Kinder dort sind oder weil sie die Qualität dort besonders schätzen.“

Doch sollten die Umbaumaßnahmen wirklich kommen, sollte es schnell gehen. „Wir müssen zügig handeln“, so Hein. „Erst müssen wir den Haushaltsplan rechtfertigen lassen, dann erst können wir die Fördermittel beantragen.“ Somit würde die Gemeinde den Bauantrag nicht vor Herbst stellen können, schätzt Hein. „Dann wäre der früheste Baubeginn im März 2019.“ Konkrete Termine liegen also noch nicht vor. „Wir können leider noch keinen Zeitplan erstellen. Erst muss die Planung vorliegen, dann muss die Baugenehmigung eingeholt werden. Allein das wird um die drei Monate dauern.“

Gegenwärtig arbeiten je vier Erzieherinnen in den beiden Kindertagesstätten. Auf jeden Fall müsste die Gemeinde bei vier neuen Kindern neues Personal einstellen. „Dies liegt am Personalschlüssel zur Betreuung von Kindern“, erklärte Hein. „Wenn wir vier Kinder mehr aufnehmen, dann müssten wir eine zusätzliche Erzieherin einstellen – zumindest in Teilzeit.“

Doch die Gemeinde sieht die Baumaßnahmen auch in einem größeren Rahmen. Die Erweiterung solle auch als Anreiz verstanden werden, Kriebstein für neue Einwohner attraktiver zu gestalten. „Für dieses Jahr ist das dann aber auch die letzte Maßnahme. Schon diese könnte uns nämlich in Teufels Küche bringen“, so Hein.