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„Klara“ versorgt den See mit Kalk

Der Bergbausanierer LMBV hat sein erstes eigenes Wasseraufbereitungsschiff in Dienst gestellt. Erster Einsatz für das Schubschiff war der Partwitzer See.

© dpa

Von Georg-Stefan Russew

Geierswalde. Die „Klara“ tuckert in der Lausitz in gemütlichem Tempo über den Partwitzer See und zieht eine ockerbraune Spur hinter sich her. Langsam hebt sich das funkelnagelneue Schiff aus dem Wasser, weil es seine tonnenschwere Last verliert. Das Boot ist weder havariert noch ist hier ein Umweltsünder am Werk. Stattdessen hat der Bergbausanierer LMBV am Freitag bei Geierswalde an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen seine zwei Millionen Euro teure Neuerwerbung in den Dienst gestellt. In den kommenden anderthalb Jahren soll das Schiff den Partwitzer See mit 20 000 Tonnen Kalk düngen.

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„Das Wasser hat aktuell einen ph-Wert von 3,0, ist also sehr sauer, so dass es in dem Bergbaufolgesee kaum Leben gibt“, erklärt LMBV-Projektleiter Jens Bäcker. Mit dem basischen Kalk soll das Wasser neutralisiert werden.

„Dies ist ein bekanntes Phänomen“, sagt der Chef des Brandenburger Landesbergbauamts, Hans-Georg Thiem. Nach der Wende wurden viele Braunkohlegruben stillgelegt. Die Löcher füllten sich mit Grundwasser und wurden später mit Wasser aus der Spree oder der Schwarzen Elster geflutet. Das Nass reagierte mit den durch den Bergbau an die Oberfläche geförderten Reststoffen und wurde sauer. Damit die Gewässer auch zum Baden geeignet sind, wird mit dem Kalk der ph-Wert ausgeglichen.

„Zur Flutung der Gruben gab es keine Alternative“, sagt LMBV-Chef Klaus Zschiedrich. Anders sei die Renaturierung der Mondlandschaften in der Lausitz nicht zu stemmen. In den Jahren seien zwischen Senftenberg (Brandenburg) und Hoyerswerda (Sachsen) 36 größere und 200 kleinere Bergbaufolgesee entstanden. „Das entspricht einer Fläche von 20 000 Fußballfeldern“, erklärt Zschiedrich. Diese Seen in einen ordentlichen Zustand zu bekommen, sei eine Mammutaufgabe.

Lange setzte der Bergbausanierer auf stationäre Anlagen, um den Kalk ins Wasser einzutragen. Diese brachten aber nicht den gewünschten Effekt. 2009 experimentierte die LMBV dann mit einem Kalkschiff. Die Ergebnisse waren so überzeugend, dass der Bergbausanierer Fremdfirmen engagierte. Diese schickte dann eine Flotte von elf Booten ins Lausitzer Seenland hinaus.

„Jetzt haben wir erstmals unser eigenes Boot“, freut sich Projektleiter Bäcker. Das Neue sei hieran, dass ein Beiboot den Kalk direkt ins Seewasser einbringt. Über Düsen wird die 25 Tonnen schwere Ladung unter dem Schubverband ausgebracht. Die Schiffsschraube verwirbelt das basische Gemisch unter Wasser dann nochmals.

Das Prozedere wird jetzt anderthalb Jahre mehrmals am Tag wiederholt. Satellitengesteuert wird die „Klara“ jeden Zentimeter des Sees mit Kalk düngen. Damit keine Zeit beim Beladen verloren wird, hat sich die LMBV ein zweites Beiboot zugelegt. „So vermeiden wir teure Standzeiten und erhöhen die Effizienz“, erklärt Zschiedrich.

Insgesamt sei die LMBV mit dem Seeprojekt schon weit vorangekommen. 19 der 36 größeren Bergbaufolgeseen seien schon in einem guten Zustand. Der Prozess habe 25 Jahre in Anspruch genommen. „Wir brauchen aber bestimmt nochmals ein Vierteljahrhundert, um alles zu schaffen“, betont Thiem. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) bescheinigte der LMBV gute Arbeit. Schon jetzt sei das Lausitzer Seenland eine Tourismusattraktion. Er freue sich auf den Tag, wenn die Arbeit abgeschlossen sein wird. (dpa)