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Klasse statt Masse

Die Fitness-Branche trifft sich derzeit in Köln, zeigt neue Trends und zählt Falten, denn die Hälfte der Trainierenden in Deutschland ist bereits älter als 40 Jahre.

© dpa

Sie hängen und stemmen in Schlingen, sie schwingen und schleudern eiserne Kugeln, sie wuchten Gewichte und keuchen in Kursen – alles für die Gesundheit. Für immer vorbei ist die Zeit, als Muskelberge das Bild vom Fitnessstudio prägten; als Ikonen wie Arnold Schwarzenegger auf Bühnen posten und die Jünger eimerweise Eiweiß aus den Messehallen schleppten.

Heute fokussiere sich die internationale Fitnessbranche auf Prävention und Reha, sagen die Fibo-Macher und erklären damit den anhaltenden Boom: Bereits mehr als jeder zehnte Deutsche (10,6 Prozent) schwitzt mehr oder minder regelmäßig im Fitness-Club. Doch die knapp 8.000 deutschen Studios haben bereits das noch übrig gebliebene Heer von Bewegungsmuffeln im Blick. Nach den Ergebnissen einer Studie des europäischen Fitness-Verbands zählt noch gut die Hälfte der Deutschen (52 Prozent) mehr oder weniger zu den Sport-Verweigerern. Von heute bis Sonntag (3. April bis 6. April) diskutiert die Branche bei der weltgrößten Fitness-Messe Fibo in Köln über neue Trends und Strategien.

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Den europäischen Spitzenplatz hatte Deutschland bereits im vergangenen Jahr bei den Neuanmeldungen zu den Fitness-Studios erobert. Mit einem Anstieg der Mitgliederzahlen um 8,1 Prozent auf 8,55 Millionen lag das Land beim Branchenwachstum im europäischen Vergleich oben, berichtete das Vorstandsmitglied des europäischen Fitness-Verbands (EHFA), Herman Rutgers. Europaweit konnte die Branche im vergangenen Jahr im Durchschnitt um 4,5 Prozent auf rund 46 Millionen Mitglieder zulegen. Amtierende Fitness-Europameister sind die Niederländer gefolgt von den Schweden. In dem Nachbarland ist nach den Ergebnissen einer von dem Verband vorgelegten Studie fast jeder Sechste Mitglied in einem Fitness-Club. Bei den jährlichen Gesamtausgaben für Fitness belegten die Deutschen im vergangenen Jahr mit 4,55 Milliarden Euro (plus vier Prozent) dagegen europaweit hinter den Briten den zweiten Rang.

Mit durchschnittlich rund 47,30 Euro im Monat ist das Abo im Fitness-Club in Deutschland nicht ganz billig. Damit seien die Preise im vergangenen Jahr in Deutschland stabil geblieben. Auch 2014 sei kein Anstieg in Sicht, sagte Rutgers. Die Preisspanne reicht vom Billig-Angebot ab etwa 20 Euro im Monat bis zum Nobel-Club zu Preisen von mehr als 100 Euro. Wer sich von seinem eigenen Personal-Trainer antreiben lassen will, muss mit Kosten zwischen etwa 30 und 120 Euro pro Stunde rechnen. Große Fitness-Ketten zählen dabei ebenso zu den Gewinnern der Branche wie Nobel-Clubs und Spezial-Anbieter. Im Trend seien spezielle Studios etwa für die Liebhaber von Spinning – Indoor-Ausdauersport auf dem Rad – oder für die Generation über 50. Fast die Hälfte aller Trainierenden ist nach Angaben der Branche über 40 Jahre, fast jeder Dritte sogar über 50. (dpa)