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Klassenerhalt und Haken dran?

Die Handballer des SSV Stahl Rietschen haben nach einer starken Hinrunde abgebaut. War Corona die Rettung? Ein Saisonrückblick von Uwe Holubek.

Markus Noack war am Ende mit 65 Toren der beste Rietschener Torschützen der Saison. Sein Fehlen in den letzten Spielen tat besonders weh und war kaum zu kompensieren.
Markus Noack war am Ende mit 65 Toren der beste Rietschener Torschützen der Saison. Sein Fehlen in den letzten Spielen tat besonders weh und war kaum zu kompensieren. © Uwe Holubek

Das Saisonziel „Klassenerhalt“ steht am Ende unter dem Strich, Herz was willst Du mehr? Doch so einfach soll die vergangene Spielzeit nicht abgehakt und zu den Akten gelegt werden. Dafür hatte das nicht zuletzt durch den vorzeitigen Saisonabbruch einmalige Jahr einige Nebengeräusche zu viel. Dazu später mehr.

Die dritte Saison in Folge innerhalb der Verbandsliga war zugleich die zweite unter der fachlichen Anleitung des Trainerduos Gähler/Gröscho. Nach einer guten Vorbereitung sehe man sich gut aufgestellt, um den Klassenerhalt zu erreichen, so gab sich Gähler vor dem Saisonstart noch verhalten optimistisch. Beim Vorbereitungsturnier in heimischen Gefilden setzte es allerdings drei Pleiten in drei Spielen. Danach gab es im Pokalfight beim Ligakonkurrenten RSV Radeberg ein klare 38:25-Klatsche.

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Überraschender Saisonstart

Mit mehr Fragezeichen zum Leistungsstand und einem schwachen Selbstbewusstsein kam zum Saisonauftakt die Reserve von HC Elbflorenz Dresden, die sich öffentlich zu ihrem Saisonziel (Platz drei) bekannten. Dann aber hatten die Stahl-Männer das bessere Ende für sich. Allerdings war der 31:26-Erfolg erst in den letzten zehn Minuten, nicht zuletzt mit einigen glücklichen Verläufen für Rietschen, eingetütet worden. Im zweiten Spiel, beim ESV Dresden, ging es schon überraschend mit einer eigenen Führung in die Kabine (15:12). Im zweiten Durchgang konnte diese bis zum Abpfiff gehalten werden. Am Ende hatte Torwart Weiser mit einem abgewehrten Siebenmeter in den Schlusssekunden maßgeblichen Anteil am Sieg (26:25). Mit wackligen Knien gestartet, mit vier Punkten aus zwei Spielen das Maximum geholt, so kann es weiter gehen. Jetzt stellte sich Aufsteiger OHC Bernstadt in Rietschen vor. Der Liganeuling hielt lange gut mit (34. Minute: 19:17), konnte die Rote Karte für Alexander Paul zwei Minuten später nicht kompensieren. Am Ende holte sich Rietschen mit einem klaren 37:26-Sieg die nächsten beiden Pluspunkte und grüßte plötzlich von der Tabellenspitze.

Erste Niederlage im vierten Spiel

Der Höhenflug wurde bereits eine Woche später gestoppt. Auswärts bei Hartha schien eine andere Mannschaft zu agieren. Nach dem 8:13 zur Halbzeit machte aber eine ausgeglichene zweite Halbzeit (10:10) Mut – das nächste Heimspiel gegen den Absteiger aus der Sachsenliga, RIO Oschatz stand an. In einem ausgeglichenen Spiel wurde der große kämpferische Einsatz belohnt. Beim Stand von 21:20 für Riesa gab es in der 57. Minute eine Doppelbestrafung für Rietschen. Ohne Noack und Philipp schafften die Verbliebenen nicht nur den Ausgleich, mit der letzten Aktion war sogar noch der Siegtreffer drin. Am Ende gab es ein verdientes Unentschieden (21:21).

In der nun mehrwöchigen Herbstpause verloren die Rietschener etwas von ihrer Leichtigkeit. Die 27:22-Niederlage bei Spitzenreiter (und späterem Aufsteiger) KJS Dresden war zu erwarten. Mit nunmehr 7:5 Punkten war alles noch im Lot Das 36:32 über Schlusslicht Niederau war dann aber ein eher mühevolles Unterfangen. Die Gäste lagen eine Viertelstunde vor Ultimo noch in Führung. Danach folgte ein typisches Sonntagspiel: Beim Vorletzten, Sportfreunde Dresden 01, standen die Rietschener von Beginn an auf verlorenem Posten ujnd unterlagen nach einem 6:15 zum Seitenwechsel mit der bislang schwächsten Leistung klar mit 16:26.Im darauffolgenden Heimspiel gegen den RSV Radeberg fielen gleich vier Spieler aus. So hatten die Bierstädter keine große Mühe, das Ligaspiel genauso mit 13 Treffern Unterschied zu gewinnen(37:24). Auffallend in dieser Phase der Saison war die hohe Zahl der Gegentreffer. In den letzten drei Spielen waren es gleich 95 Stück! Mit einem nunmehr ausgeglichenen Punktekonto (9:9) ging es nach Großenhain. Dort konnte dank einer besseren Abwehrarbeit (24 Treffer) der Abwärtstrend gestoppt werden. Mit dem zweiten Auswärtssieg der Saison standen die nächsten Pluspunkte auf der Habenseite. Das letzte Spiel der Hinrunde bescherte Rietschen erneut ein Heimspiel. Die Men-in-black aus Radebeul kämpften sich nach einem 18:12 für Rietschen zur Halbzeit wieder heran. Die Gastgeber benötigten am Ende einen einfachen technischen Fehler der Radebeuler, um mit 27:26 denkbar knapp zu gewinnen.

Die Rietschener holten in der Hinrunde 13:9 Punkte. Der Sieg beim ESV Dresden war etwas glücklich, dafür die Niederlage bei den Sportfreunden bitter wie unnötig. Das zwischenzeitliche Fehlen vom Rückraumschützen Holubek konnte durch Noack, Walter und Hänchen sehr gut kompensiert werden.

Kein Punkt in der Rückrunde

Die nun folgende Weihnachtspause wurde leider nicht genutzt, um den bisherigen Verlauf aufzuarbeiten und sich zielgerichtet auf die Rückrunde vorzubereiten. Die Rückkehr von Aufstiegstrainer Domko zur nächsten Saison wurde offiziell bekannt gegeben. Trainer Gähler versprach, mit vollem Einsatz seinen Vertrag bis zum Saisonende zu erfüllen. Der Auftakt in die Rückrunde bei Elbflorenz III ging mit 30:25 verlustig. Der ESV Dresden spielte eine Woche später deutlich stärker auf als im Hinspiel und revanchierte sich für die Pleite im September (29:35). Nun ging es zum mittlerweile ambitionierten Neuling OHC Bernstadt. In keiner Phase konnten sich die Stahlwölfe mit dem nötigen Biss präsentieren. So ging auch die dritte Rückrundenpartie in die Hosen. (28:26). Mit den 3 Niederlagen im Rücken musste anschließend zu Hause gegen Hartha nun unbedingt ein Sieg her. Trotz lobenswertem Einsatz waren drei vergebene Siebenmeterwürfe in der zweiten Halbzeit mindestens zwei zu viel. Rietschen verlor mit 29:30.

Nach dem Spiel setzte sich der Unmut über die eigenen Unzulänglichkeiten auch außerhalb des Spielfeldes fort. Das Trainergespann sah sich zur Rechenschaftslegung gezwungen, hatte aber das Team und deren Vertrauen hinter sich. Als Folge dieses Gesprächs zog Trainer Gähler die Reißleine, weil er keine vertrauensvolle Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit sah. Co-Trainer Gröscho übernahm nun die Geschicke. In Riesa konnte man lange an einer Überraschung schnüffeln. Vier Minuten vor Abpfiff hatte man beim Stand von 22:24 mehrfach die Chance auf weitere Torerfolge. Hier machte sich das Fehlen von Noack deutlich bemerkbar, weil dieser nun den langzeitverletzten Holubek nicht mehr „vertreten“ konnte. RIO setzte sich mit 26:23 durch Der freie Fall konnte auch im Spiel gegen KJS Dresden nicht aufgehalten werden. Der Spitzenreiter setzte sich erwartungsgemäß mit 36:27 durch.

Mit den nunmehr 0:12 Punkten rutschte Rietschen in der Tabelle auf Platz 8 ab. Bei der nicht zu erwartenden Rückkehr von Noack/Holubek waren die Aktivitäten aus dem Rückraum überschaubar. Der Wille des Teams und des Trainers waren gegeben, keine Frage. Mitten in diese Überlegungen überraschte der Corona-Virus die Welt. Die Saison wurde unterbrochen, später für beendet erklärt. Rietschen blieb auf dem achten Platz, schaffte somit den angestrebten Klassenerhalt. Um es vorsichtig auszudrücken: Wäre die Saison planmäßig weitergegangen, es hätte einige glückliche Momente gebraucht, um nicht in den Abstiegskampf hinein gerissen zu werden.

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