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Klassenzimmer im Bahnhof

2020 will die Waldorfschule in den alten Güterbahnhof in Görlitz ziehen. Hier wird es dann auch eine weitere Sporthalle geben.

© nikolaischmidt.de

Von Daniela Pfeiffer

Görlitz. Das wird ein langer Flur. Sehr lang. Wären hier keine Klassenzimmer geplant, es könnte glatt eine Skaterbahn oder etwas ähnlich Sportliches angelegt werden. Aber die 300 Meter des alten Güterbahnhofs werden Schulgebäude. Jedenfalls fast alles davon. Lediglich der alte Zuckerboden und eine Zwischenhalle bleiben vorerst leer. Den Rest werden, wenn alles nach Plan läuft, in zwei Jahren die Kinder der Waldorfschule mit Leben erfüllen. Denn die Schule, die einst in Zodel gegründet wurde, lange dort ansässig war und vor zwei Jahren nach Görlitz in die Konsulstraße 23 zog, braucht mehr Platz.

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Dieser Gebäudekomplex des früheren Güterbahnhofs soll für mehrere Millionen Euro zur Waldorfschule umgebaut werden.
Dieser Gebäudekomplex des früheren Güterbahnhofs soll für mehrere Millionen Euro zur Waldorfschule umgebaut werden. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Mit dem Mammutprojekt Brautwiesenbogen, bei dem Stadt mithilfe von EU-Fördermitteln die westliche Innenstadt aufwerten will, kam auch die Chance für die Freie Waldorfschule „Jacob Böhme“. Hier, hinter dem Penny-Markt an der Bahnhofstraße, bekommt sie nicht nur die ellenlange Halle, nein, auch eine riesige Grünfläche. „Das brauchen wir auch, um unser Schulkonzept besser umsetzen zu können“, sagt Lutz Ackermann, Geschäftsführer der Schule, die sich selbst verwaltet und deren Träger ein Schulverein ist. Das heißt, viel praxisnahes Lernen, viel in der Natur. Ein Schulgarten ist da schon ein Muss.

Im Moment gibt es den nicht, denn in der Konsulstraße haben die Waldorfschüler nur einen kleinen Innenhof, wo sie die Pausen verbringen. Die Schule an sich ist zwar schön – und auch deutlich größer als man es vom unscheinbaren Äußeren erwarten könnte. Trotzdem reicht der Platz nicht, so Lutz Ackermann. Das obere Geschoss des Gebäudes, das einst Haushaltsschule, dann Sonderschule und zuletzt Internat war, könne die Schule nicht nutzen, es fehlt der zweite Fluchtweg. Zudem wächst die Schülerzahl stetig. Mit 86 war die Einrichtung vor zwei Jahren von Zodel nach Görlitz gezogen, mittlerweile sind es 120 und ab dem neuen Schuljahr gibt es eine weitere Klasse – eine neue erste. Damit ist die Waldorfschule bei elf Klassenstufen angekommen, teilweise wird klassenübergreifend unterrichtet. Als Sofortmaßnahme für mehr Platz wird demnächst eine direkte Verbindung zur Konsulstraße 21 geschaffen, dort finden dann die Klassen zehn und elf ihre neuen Räume.

Denn bis 2020 muss es in der Konsulstraße weitergehen. Wenn alles planmäßig läuft, erfolgt dann der Umzug in den Güterbahnhof. Noch gibt es dazu nicht viel mehr als große Pläne, die im Flur der Schule aushängen und die so auch Schülern und Eltern immer wieder vor Augen führen, wo die Reise hingehen soll. Die genaue Klassenzimmeraufteilung ist darauf zu erkennen, auch Fachräume für Chemie, Englisch, Handarbeit, Handwerk und Eurythmie. Im langen Hauptgebäude wird das alles zu finden sein, es ist der Sitz für die Klassen 5 bis 13, außerdem Verwaltung und Lehrerzimmer. Die kleineren Schüler kommen in der kleinen Güterhalle gegenüber unter, dies wird praktisch die Grundschule. Zur Schule wird eine eigene Turnhalle gehören – ebenfalls im langen Gebäude geplant. „Eine Einfeldturnhalle, die 300 Personen Platz bietet und die wir als Mehrzweckhalle nutzen wollen“, sagt Lutz Ackermann. Selbstverständlich werde sie auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, was den Kampf vor allem von Sportvereinen um Trainingszeiten sicher etwas mildern wird – zumal 2019 auch die neue Zweifeldhalle in der Hugo-Keller-Straße fertig sein soll. Für Lutz Ackermann ist die Mitnutzung der Schul-Halle durch die Öffentlichkeit eine Selbstverständlichkeit. „Es geht ja beim Brautwiesenprojekt um die Belebung dieser Wohngegend“, sagt er. Das Brautwiesenprojekt ist überhaupt der einzige Grund, weswegen die Schule sich traue, ein solches Mega-Projekt – gerade für eine so junge Schule – zu stemmen.

70 Prozent wäre die Höchstförderung, darauf hofft die Schule natürlich. Bei einer Gesamtinvestition von über acht Millionen Euro bleibt für die Einrichtung dennoch ein erheblicher Anteil – für eine Schule im Aufbau eine gewaltige Aufgabe. „Das zu schaffen, bedarf der Anstrengung von vielen und oft über das normale Maß hinaus“, sagt Lutz Ackermann. Aber in der Gemeinschaft sei es zu schaffen. Naturgemäß komme es dabei auch zu Unstimmigkeiten, die zu überwinden sind. So hat vor längerer Zeit ein Mitglied den Vorstand verlassen, da sei es aber nur sekundär um den neuen Schulstandort gegangen. Inzwischen sind zwei neue Mitglieder in den Vorstand berufen worden.

„Das Projekt Güterbahnhof ist auf einem guten Weg“, versichert Lutz Ackermann. Der Vertrag zum Kauf der Immobilie von der Deutschen Bahn ist abgestimmt und die Unterzeichnung für Juni geplant. Das beauftragte Planungsbüro werde sich in den nächsten Tagen mit dem Bauantrag beschäftigen. Parallel werden die Förderanträge gestellt. Im Januar 2019 sollen die Bauarbeiten beginnen. Auf ein Wort