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Klaus Brähmig verliert deutlich

Frauke Petry liegt knapp zehn Prozentpunkte vor Klaus Brähmig. Der muss sogar wegen seines Listenplatzes zittern.

© Daniel Förster

Von Thomas Möckel und Gunnar Klehm

Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Klaus Brähmig, bislang CDU-Bundestagsabgeordneter, steht am Sonntagabend mit versteinerter Miene im Saal des Landhauses Nicolai in Lohmen, sein Blick geht starr geradeaus, er sagt nichts, nur Schweigen. Eigentlich will die Kreis-CDU mit ihrem Direktkandidaten in Lohmen die Bundestagswahl auswerten, doch als die ersten Ergebnisse eintrudeln, gibt es überwiegend entsetzte Gesichter. Kurz nach 20 Uhr sind die ersten Gemeinden im Wahlkreis 158 – Sächsische Schweiz-Osterzgebirge – ausgezählt. Brähmig liegt fast zehn Prozent hinter seiner Herausforderin Frauke Petry von der AfD. Der Bundestagsabgeordnete läuft nervös auf und ab, abwechselnd auf die Terrasse des Landhauses und wieder zurück an seinen Tisch, er mag zunächst nichts dazu sagen.

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AfD-Chefin Frauke Petry gelöst auf der Wahlparty ihrer Partei am Sonntagabend in Berlin. Sie hat das Bundestags-Direktmandat für die Sächsische Schweiz und das Osterzgebirge gewonnen.
AfD-Chefin Frauke Petry gelöst auf der Wahlparty ihrer Partei am Sonntagabend in Berlin. Sie hat das Bundestags-Direktmandat für die Sächsische Schweiz und das Osterzgebirge gewonnen. © dpa

Einer der ersten, der im Landhaus Worte findet, ist CDU-Kreischef Michael Geisler. „Das Wahlergebnis ist eine klare Niederlage für die CDU. Die Wähler haben die Christdemokraten im Landkreis definitiv abgewählt“, sagt er. Später, kurz vor Mitternacht, äußert sich auch Brähmig. „Die Bürger haben nun einmal so entschieden. Das respektiere ich“, sagt er. Der neuen Wahlkreisabgeordneten wünsche er viele Erfolg bei ihrer Arbeit. Das Direktmandat für ihn ist nun weg, darüber hinaus ist es seiner Aussage nach auch aussichtslos, dass er über die Landesliste – Brähmig steht dort auf Platz acht – in den Bundestag einziehen wird. Anfang der neuen Woche will er damit beginnen, aufzuarbeiten, warum andere das Rennen machten.

Das Direktmandat im Wahlkreis 158 holt Frauke Petry, die zwar hier antritt, aber sonst keinerlei Beziehung zum Wahlkreis hat – weder beruflich, familiär noch politisch. Nach dem vorläufigen Endergebnis kommt Petry auf 37,4 Prozent der Stimmen, Brähmig auf 28,8 Prozent.

Die AfD bringe „frischen Wind ins Parlament“, erklärt eine sichtlich zufriedene AfD-Chefin Frauke Petry am Sonntagabend nach den ersten Hochrechnungen in der ARD. Dann wird immer klarer, dass sie auch das Direktmandat gewinnen kann. „Ich bin von dem Ergebnis überwältigt“, sagt Frauke Petry zur SZ. Die Partei hatte sich zwar Chancen ausgerechnet, das Direktmandat gewinnen zu können, doch der Wahlkampf lief dann doch nicht ganz so wie gewünscht. „Wir hatten einige Behinderungen aus den eigenen Reihen“, sagt Petry. Für die Auseinandersetzung mit Klaus Brähmig sah sich die Partei nicht nur gut gewappnet, weil die AfD im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sehr stark ist. Sondern auch, weil man Klaus Brähmig gut habe einschätzen können, wie Petry erklärt.

Am Montagmorgen erklärte Frauke Petry in einer Pressekonferenz, sie will der Fraktion ihrer Partei im Bundestag nicht angehören. Sie habe „nach langer Überlegung entschieden“, nicht Mitglied der Fraktion zu werden, sagte sie am Montag in Berlin. Unmittelbar danach verließ sie die gemeinsame Pressekonferenz der Parteiführung. Co-Chef Jörg Meuthen sprach von einer Bombe, die Petry habe platzen lassen. „Das war mit uns nicht abgesprochen, wir wussten davon nichts.“

Im Wahlkreis 158 ergibt sich aus dem vorläufigen Endergebnis, dass die Linke drittstärkste Kraft wird. Direktkandidat André Hahn, der wohl sicher über die Landesliste in den Bundestag einziehen wird, ist mit dem Abschneiden der Partei im Großen und Ganzen zufrieden. „Ich habe mich in den vergangenen Jahren bereits in Berlin für die Region engagiert und werde dies auch weiter tun“, sagt er. Auch auf Bundesebene könne sich das Wahlergebnis durchaus sehen lassen, auch wenn aus dem Ziel, drittstärkste Kraft im Bund zu werden, nichts wurde. „Wir haben mit der FDP und der AfD zwei Parteien neu im Bundestag, die zusammen weit über 100 Sitze haben. Doch wir haben unser Ergebnis und unsere Mandate größtenteils gehalten, das ist doch ein positives Signal“, sagt Hahn.

Das Abschneiden der AfD sei aber aus seiner Sicht erschreckend und eine Katastrophe für Deutschland – weil nun eine Partei mit einer rassistischen und fremdenfeindlichen Ideologie in den Bundestag einziehe. Hahn glaubt kaum, dass man von der AfD inhaltlich viel erwarten könne. „Diejenigen, die diese Partei gewählt haben, werden von ihr wohl die wenigste Hilfe bekommen“, sagt Hahn. Die AfD habe keinerlei Antworten auf die aktuellen Fragen der Zeit. Die Ursache für das zweistellige Wahlergebnis der AfD sieht Hahn bei der großen Koalition, die bislang regierte. „Die Regierung hat die Menschen nicht mehr erreicht und sie mit vielen Problemen alleingelassen“, sagt er.

Alle Ergebnisse im Einzelnen, aufgeschlüsselt nach Gemeinden, gibt es unter diesem Link.