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Klaus Z. ist zurück

Der gefeierte Top-Manager und gefallene Steuersünder meldet sich zum „70.“ zu Wort.

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© laif

Von Edgar Bauer

Klaus Zumwinkel war jahrelang wie vom Erdboden verschwunden. Die Bilder von der Steuer-Razzia vor seiner Kölner Villa haben sich auf der Festplatte der Öffentlichkeit eingebrannt. Das ist fast sechs Jahre her. Zumwinkel zog sich als verurteilter Steuerbetrüger aus Deutschland zurück. Damals stand er, der bis zu seinem tiefen Fall als überragender und besonnener Wirtschaftsführer galt, am Pranger.

Zum gestrigen 70. Geburtstag hat Zumwinkel wieder eine Brücke zum Licht der Öffentlichkeit gesucht. Er werde den Tag im Familienkreis in London feiern, teilte er mit. Zur Steueraffäre wiederholte er frühere Aussagen, dass er „den größten Fehler“ seines Lebens gemacht habe. „Die Strafe und die Rücktritte waren nur konsequent.“

In London hat Zumwinkel, der von einem Millionenvermögen leben kann, ein neues Zuhause gefunden – neben seinem Domizil am Gardasee in Italien, wo er mit der Burg Tenno ein herrschaftliches Anwesen besitzt. Seine Villa in Köln-Marienburg, die sogar zum Touristenziel wurde, veräußerte er schon bald nach der Steueraffäre. Seit 40 Jahren ist er mit seiner Frau Antje verheiratet. Seine beiden erwachsenen Kinder leben im Ausland.

Er sei heute als „privater Investor“ tätig, lässt Zumwinkel wissen. Genaueres gibt er nicht preis. Der damals dienstälteste Chef eines Dax-Unternehmens war 2008 mit einem Schlag zur Persona non grata geworden. Wie sich herausstellte, hatte er seit den 80er-Jahren Geld in einer von ihm gegründeten Stiftung in Liechtenstein gelagert – verborgen vor dem deutschen Fiskus. Dafür wurde er 2009 zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und einer Geldbuße in Höhe von einer Million Euro verurteilt.

„Zu schwere Strafe für einen Fehler“

Vor laufenden Kameras war er im Februar 2008 nach einer morgendlichen Razzia von der Staatsanwaltschaft zum Verhör mitgenommen worden. Die juristisch heiklen Bilder vor Zumwinkels Villa mit Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen gingen um die Welt – ein „Sturz vom Olymp“, kommentierten Beobachter. Zumwinkel beklagte sich über die Zurschaustellung. Seitens der Behörden seien Informationen gesetzeswidrig verraten worden. Daraus sei eine „mediale Hinrichtung“ geworden.

Zumwinkel musste auf Druck aus Berlin – der Bund war nach wie vor der Großaktionär bei der früheren Bundespost – seinen Schreibtisch im 40. Stock des Bonner Post-Towers räumen. Auch seine Aufsichtsratsämter musste die „gelbe Eminenz“ aufgeben. Selbst das Bundesverdienstkreuz durfte er nicht behalten.

All das empfindet er wohl als zu schwere Strafe für seinen „Fehler“. In einem „Focus“-Interview zu seinem 70. Geburtstag blickte er nun auf sein Leben zurück – und zeichnet das Bild einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Die Post stehe glänzend da. „Man könnte also sagen, Klaus Zumwinkel hat dazu beigetragen, gut 30 Milliarden Euro an Wert zu schaffen.“ Dem eigenen Erfolg stellt er Versäumnisse der Telekom gegenüber: „Die Telekom hätte mit der damals führenden deutschen Technik und ihren deutschen Lieferanten die Welt erobern können. Doch sie hat die ersten Jahre leider verschlafen.“

Einem anderen mutmaßlichen Steuersünder springt er in dem Interview ausdrücklich zur Seite: Unabhängig davon, ob die Vorwürfe zuträfen, habe Uli Hoeneß „großartige Dinge geleistet, doch das wird derzeit leider vollständig überlagert“.