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Klein, aber fein

Die Glashütte Freital gehört zu den kleinsten Produzenten von Flaschen in Deutschland – und will daraus eine Stärke machen.

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© Karl-Ludwig Oberthür

Von Tobias Winzer

Im Herzen der Freitaler Glashütte ist es ziemlich laut und ziemlich warm. Zwei Meter über dem Kopf von Geschäftsführer Hans-Bernhard Führ wird die mehr als tausend Grad heiße und noch flüssige Glasmasse aus dem Ofen in exakt abgewogene Tropfen geschnitten. Sie gleiten in eine Form. Und Sekunden später ist die Glasflasche, in die einmal edles Mineralwasser gefüllt werden wird, fertig. Etwa 200 solcher Flaschen können in dem Werk an der Dresdner Straße in Döhlen pro Minute produziert werden. „Wir sind die kleinste Hütte in Deutschland“, sagt Führ. Genau diesen vermeintlichen Nachteil will er in den kommenden Jahren zur Stärke des Unternehmens machen.

Das Werk, dessen Ursprünge zum Beginn des 19. Jahrhunderts zurückreichen, hat wechselhafte Jahre hinter sich. Seit 2013 gehört das Unternehmen nicht mehr zur in Wilsdruff ansässigen Preiss-Daimler-Gruppe, der größten konzernunabhängigen Unternehmensgruppe in Sachsen. Deren Chef Jürgen Preiss-Daimler ist nun neben Führ einer von insgesamt fünf Gesellschaftern des jetzt eigenständigen Betriebs. Seitdem heißt dieser auch nicht mehr Glaswerk, sondern Glashütte Freital. „Damit wollten wir den Start als unabhängiges Unternehmen dokumentieren“, sagt Führ.

Der 68-Jährige hat selbst jahrelang in der Preiss-Daimler-Gruppe gearbeitet und schob den Ruhestand für den ihm anvertrauten Geschäftsführerposten noch ein wenig auf. Er sagt, dass der Anfang als eigenständiges Unternehmen schon schwierig gewesen sei. „Aber mittlerweile hat sich das gut eingespielt.“ Mit 80 Mitarbeitern werden derzeit acht Menschen mehr in dem Werk beschäftigt als zum Neustart vor drei Jahren. Zwischen 71 und 72 Millionen Flaschen mit dem Markenzeichen GHF am Boden verlassen jedes Jahr das Werk. 25 Millionen davon sind Weinflaschen. In Deutschland hat die Glashütte einen Marktanteil von 0,8 Prozent.

„Die Wettbewerber haben größere Maschinen mit längeren Laufzeiten“, sagt Führ. Heißt: Bei Massenproduktionen kann die Glashütte Freital, was den Preis angeht, nicht mithalten. Bei kleinen Serien sieht das anders aus. Weil die Maschinen klein sind, ist ein Umbau mit neuen Formensätzen schneller machbar und kostet weniger als bei großen Einheiten. Wenn ein Kunde eine Idee für einen bestimmten Flaschentyp hat, dann setzt er sich mit dem Designer der Glashütte zusammen. Dieser entwickelt einen Entwurf. Wenn der Kunde sein Okay gibt, bestellt die Glashütte die Formensätze, die Maschinen werden umgebaut, und die Produktion beginnt.