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Klein-Venedig droht der Abriss

Die Zukunft der Fährmannstraße ist nicht nur ein städtebauliches, sondern auch ein soziales Problem.

© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

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Meißen. Was sich heute ruinös darbietet, wurde einmal als Klein-Venedig bezeichnet. Die Rede ist vom Quartier am Unterlauf der Triebisch, also den etwa hundert Metern zwischen Martinstraße und Uferstraße. Während links der Triebisch die meisten Häuser saniert sind, sind sie es rechts, also an der Fährmannstraße, nicht. Im Gegenteil, seit Jahren schreitet der Verfall voran.

Investoren können sich nicht engagieren, weil der Stadtrat immer wieder Veränderungssperren über das Gebiet verhängt, sodass es inzwischen schwerfällt, nicht von einem planmäßig herbeigeführten Verfall zu sprechen. Diese Vermutung wird dadurch gestützt, als nach SZ-Informationen in der Vergangenheit bewusst Dachluken und Fenster offen gelassen worden sind, um diesen zu beschleunigen.

„Die Ratlosigkeit der städtischen Entscheidungsträger, wie man zukünftigen Hochwasserereignissen und damit auch der weiteren Durchnässung und Schädigung der ufernahen Untergeschosse und Keller trotzen könnte, hat Gedanken innerhalb der Verwaltung befördert, die Straßenzeile entlang der Triebisch komplett oder in Abschnitten abzureißen (SZ berichtete). Insofern werden schon länger Gebäude durch die Stadt oder Stadtentwicklungs- und Erneuerungsgesellschaft Seeg aufgekauft, im Untergeschoss vermauert und als Schrotimmobilien ohne entsprechende Versicherung gehalten.“

So ist es in einem Schreiben an das für den Denkmalschutz zuständige Innenministerium zu lesen. Aufgesetzt haben es nicht genannt werden wollende Bürger, die nicht länger zusehen wollen, wie das Quartier an der Triebisch verfällt. In der Fährmannstraße stehen fünf Einzeldenkmale, insofern ist ihre Zukunft kein rein kommunales, also Meißner Problem, sondern tangiert die Denkmalpflege und damit den Kreis bzw. das Land.

„Vom Burgberg her prägen die Giebelstellungen und dynamischen Staffelungen der Dächer eines im neopompeanischen Stil angelegten Kopfbaus das Bild der Stadtanlage maßgeblich mit.“ Heißt es in dem Schreiben zum städtebaulichen Wert des Areals.

Wie mit den wiederkehrenden Hochwassern der Triebisch bzw. der Elbe umgegangen werden kann, zeigen mittlerweile viele Beispiele in Meißen. So in der nahe gelegenen Gaststätte und Pension „Zum Goldenen Anker“ oder der Stadtbibliothek, wo Haustechnik in obere Geschosse verlegt worden ist, jüngstes Beispiel ist die Sanierung des alten Sägewerks. Auch an der Fährmannstraße ließe sich den Hochwassern beikommen, indem die Erdgeschosse für die Unterstellung von Fahrzeugen, für mobile Verkaufseinrichtungen oder befristete Lagerungszwecke umgebaut werden.

Früher waren an der Fährmannstraße Handwerk, Gastronomie und Wohnen gleichzeitig zu finden. Weil viele wohlhabendere bürgerliche Anwohner inzwischen weggezogen sind, ist eine problematische Sozialstruktur entstanden. Schon im integrierten Stadtentwicklungskonzept (InSEK) von 2009 hat der Stadtrat Ziele zur nachhaltigen Stadtentwicklung festgelegt, so auch für die sogenannte Triebischvorstadt.

„Dabei geht es um die dauerhafte Sicherung der Funktion der Stadt, die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen, die Gestaltung einer hohen Lebensqualität sowie die Fortsetzung von Stadterneuerung und Aufwertungsmaßnahmen.“ Auf seiner Sitzung am 29. Juni hat der Stadtrat den Weg freigemacht, dass Gelder von der Sächsischen Aufbaubank dafür fließen – bleibt abzuwarten, ob damit auch der Abriss von Klein-Venedig bezahlt werden soll.