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Kleine Gässchen für den Neustädter Markt

Die Initiative Stadtbild stellt ihre Pläne für das Gebiet am Goldenen Reiter in Dresden vor. Modernes ist auch dabei.

Von Kay Haufe

Dresden. Jetzt geht es Schlag auf Schlag, Ideen für die Gestaltung des Königsufers sprudeln nur so heraus. Kein Wunder, will die Stadt doch bald einen Wettbewerb dafür ausschreiben. Aber bevor Architekturbüros ihre Ideen zu Papier bringen, machen Dresdner Interessenvertreter ihre Pläne publik. Vor zwei Wochen hat bereits die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND) gefordert, keine weiteren Klötze an dieser städtebaulich sensiblen Stelle zu bauen, sondern auf kleinteilige Bebauung zu setzen. Nun präsentiert die Initiative „Stadtbild Dresden – Bürgerinitiative für Dresdner Baukultur“ einen Entwurf, der durch viele Details besticht. Im Künstler und Architekten Pakertharan Jeyabalan aus Potsdam haben sie einen Partner gefunden, der ihre Vision vom Neustädter Markt skizziert hat.

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Dieser Blick vom Turm der Hofkirche auf den Neustädter Markt stammt vom November 2015.
Dieser Blick vom Turm der Hofkirche auf den Neustädter Markt stammt vom November 2015. © Sven Ellger
Einer der Kugelbrunnen, die erhalten und ringsum mit zahlreichen Bäumen bepflanzt werden sollen.
Einer der Kugelbrunnen, die erhalten und ringsum mit zahlreichen Bäumen bepflanzt werden sollen. © StadtbildDD

„Uns geht es vor allem darum, die Größenverhältnisse künftiger Bebauung darzustellen“, sagt Robert Berger, Mitglied von Stadtbild. Die Fassadengestaltung hätte der Künstler ihrer Intention nach regionaltypischer, aber moderner Architektur entsprechend gestaltet. Besonders prägnant sind die verschiedenen Sichtachsen von Elbseite zu Elbseite, die mit der Bebauung entstehen sollen. So vom Goldenen Reiter bis zur Frauenkirche sowie vom Jägerhof zum Hausmannturm des Residenzschlosses. Die Achsen bilden zugleich gemütliche Gassen, durch die die Dresdner schlendern könnten. Auffällig ist auch, dass nach dem Entwurf relativ große Gebäude vorgesehen sind. „Wir orientieren uns damit an einem Rahmenplan von 2015, der sogar die Tiefe des Finanzministeriums für Neubauten zugrunde gelegt hat“, sagt Berger. So weit wollte Stadtbild aber nicht gehen und zieht die Bebauung nur bis zur Hälfte vor. „Durch die Kleinteiligkeit der Fassaden wirken unsere Vorschläge aber nicht wie ein Klotz“, sagt Berger.

Um herauszufinden, was Anwohner von den bestehenden architektonischen Elementen gern erhalten würden, haben sie mit vielen gesprochen. Heraus kam, dass die Nachbarschaft nicht auf die Brunnen verzichten möchte. „Darauf sind wir eingegangen, würden um die Kugelbrunnen aber zusätzliche Bäume anordnen, sodass richtige grüne Höfe entstehen“, sagt der Sprecher der Initiative. Wichtig ist ihm und seinen fünf Mitstreitern auch der Erhalt des Hotels Stadt Leipzig, das vor dem Verfall gerettet und möglichst schnell saniert werden sollte.

Das Narrenhäusel, was laut Stadtratbeschluss an der Augustusbrücke wieder aufgebaut werden soll, ziert den Entwurf ebenso wie parkähnliche Grünanlagen zwischen Narrenhäusel und Finanzministerium. Diesen Vorschlag hatte jüngst auch die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden gemacht. Sie spricht von einem grünen Band, das sich einst mit Alleen und Grünanlagen vom Japanischen Palais bis zum Stauden- und Rosengarten zog. Auch die Idee der GHND, die Barockhäuser Große Meißner Straße 1, 3 und 5 sowie Blockhausgäßchen 3 zu rekonstruieren, unterstützt die Initiative Stadtbild. Einig sind sich beide vor allem darin, dass die Dresdner Bürger bei der Auswahl der Architekturbüros für den Wettbewerb beteiligt werden und einen Sitz in der Jury erhalten sollen. „Bisher durften die Dresdner zwar oft mitdiskutieren, waren aber nie an Entscheidungen beteiligt“, sagt Robert Berger.

Um den Wettbewerb vorzubereiten, hatte Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) eine Planungsrunde einberufen, an der Verwaltung, Stadträte und Ortsbeiräte teilnahmen. Darin seien Fragen zur internationalen Ausschreibung, Zielsetzung und Aufgabenstellung besprochen worden. Die Grünen wollen nun eine Bürgerbeteiligung des Verfahrens von Anfang an. So soll die Öffentlichkeit insgesamt dreimal in den Wettbewerb eingebunden werden.