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Kleine Schuhe für die Schwächsten

Eine SZ-Leserin liest vom Bedarf an Schuhen im Chaos-Camp von Idomeni und bringt Helfern aus Dresden zig neue Paare vorbei.

© Stefan Becker

Christa Hardt kennt für die zimperlichen EU-Bürokraten kein Pardon und packt lieber selbst mit an: Als sie in der SZ von der Not der Menschen im griechischen Idomeni liest und erfährt, dass besonders Schuhe gebraucht werden, schreitet sie zur Tat.

Im Depot des Dresden-Balkan-Konvois

Das provisorische Büro des Dresden-Balkan-Konvois fungiert als Kleiderkammer in Kisten.
Das provisorische Büro des Dresden-Balkan-Konvois fungiert als Kleiderkammer in Kisten.
Etliche der Kartons sind bereits auf dem Weg nach Chios und Idomeni.
Etliche der Kartons sind bereits auf dem Weg nach Chios und Idomeni.
Die Logos für den schnellen Überblick.
Die Logos für den schnellen Überblick.
Überraschend kam eine Lieferung von Decken und Schlafsäcken aus Niedersachsen rein.
Überraschend kam eine Lieferung von Decken und Schlafsäcken aus Niedersachsen rein.
Auch die Reinigung der Decken spendeten die Spender.
Auch die Reinigung der Decken spendeten die Spender.
Besonders Schuhe werden in den Flüchtlings-Camps dringend benötigt.
Besonders Schuhe werden in den Flüchtlings-Camps dringend benötigt.
Christa Hardt spendete gleich ein ganzes Sortiment an Kinderschuhen.
Christa Hardt spendete gleich ein ganzes Sortiment an Kinderschuhen.

Bis vor Kurzem besaß die 75-jährige Seniorin einen Schuhladen. Aus dessen Restbeständen packte sie Kisten mit Gummistiefeln für Kinder. Die Fernsehbilder vom Elend in Regen und Matsch hatte sie noch gut vor Augen. Doch dann kamen ihr Zweifel, wie sie sagt – wenn dann doch die Sonne scheint? Also packte sie noch Kisten mit Turnschuhen dazu und Espandrillos für die große Wärme. Schließlich wisse ja niemand, wie sich die Lage dort entwickle.

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Gedenken der Toten der Corona-Pandemie
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Oberbürgermeister Dirk Hilbert wendet sich im Namen Dresdens an die Angehörigen der Verstorbenen – Urnenhain Tolkewitz als öffentlicher Ort für die Trauer.

Christa Hardt floh in ihrem Leben zweimal, wie sie erzählt. Erst aus Schlesien und später aus Sachsen, als die Kommunisten die Familie drangsalierten wegen deren Bekenntnis zur Kirche und dem Betrieb einer Fabrik für Damenschuhe.

„Ich war selber Flüchtling und ich kann es nicht verstehen, wie diese Regierungen im Osten Europas die notleidenden Menschen einfach abweisen“, sagt sie beim Auspacken der Kartons auf dem alten Drewag-Gelände in der Lößnitzstraße in Dresden. Axel Steier vom Dresden-Balkan-Konvoi hilft beim Sortieren und Verstauen.

Der zwölfte Treck macht sich vollbeladen am Donnerstagabend auf den Weg in den Süden. Über Bulgarien gelangen die freiwilligen Helfer nach Griechenland und verteilen dort die Fracht zwischen der Insel Chios in der Ägäis sowie dem Grenzdorf Idomeni. Dort kam es jüngst zur Katastrophe, als etliche Flüchtlinge einem Flugblatt folgend in einem Grenzfluss ertranken.

„Ich verstehe nicht, wie andere in Europa mit der Schuld leben können, die sie auf sich laden. Sie sehen täglich diese Bilder und überlassen die Menschen einfach ihrem Schicksal“, sagt Christa Hardt.

Sie lebt mit ihrem Mann nördlich von Dresden, pendelt seit der Wende zwischen Heidelberg und ihrer alten sächsischen Heimat und plant bereits die nächste Schuhlieferung, als sie von den Helfern im Gespräch erfährt, wie dramatisch die Situation weiterhin ist. Dann setzt sie sich wieder hinters Steuer ihres beladenen VW-Bullis und macht rüber nach Dresden.

www.betterplace.org/p37297