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Dresden
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Kleine Villen fürs Zentrum?

Schöne Wohnquartiere zu bauen, ist so eine Sache, wie bei einem Streitgespräch in Dresden deutlich wurde.

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So könnte das neue Wonviertel Lingnerstadt auf dem alten Robotron-Gelände einmal aussehen.
So könnte das neue Wonviertel Lingnerstadt auf dem alten Robotron-Gelände einmal aussehen. © Visualisierung: Peter Kulka Architektur

Villen mit idyllischen Vorgärten sind es, die Striesen und Blasewitz so einzigartig machen. Doch es scheint fast so, als ob diese Form des Bauens heutzutage keinen Platz mehr in Großstädten findet.

An der Kaditzer Flutrinne wächst ein riesiges Wohnquartier heran. Mehr als 2 000 Menschen sollen dort einmal wohnen. Noch größer wird die neue Lingnerstadt auf dem alten Robotron-Gelände. Ob derartige Mega-Wohnviertel in geschlossener Blockrandstruktur der sächsischen Landeshauptstadt wirklich guttun, darüber ist am Donnerstagabend im Kulturpalast auf Einladung der Sächsischen Akademie der Künste diskutiert worden. Und ja, zumindest im Zentrum sei die geschlossene Blockrandbebauung die beste Lösung, fand der Leipziger Kunsthistoriker Arnold Batetzky. 

Sie ermögliche die Trennung zwischen dem Öffentlichen und Urbanen zur Straße hin sowie dem Privaten und Intimen dank der ruhigen Innenhöfe. Sehr zukunftsgewandt sei dieses Argument aber nicht, widersprach der Dresdner Architekt Thomas Knerer. Die Autos würden immer leiser, bald bremsten sie automatisch, wenn ein Kind auf die Straße renne. „Ich glaube, dass dies den Städtebau in den nächsten Jahrzehnten sehr verändern wird“, sagte er.

Wären da nicht die Investoren. Diese seien nicht nur daran interessiert, möglichst viel vermietbare Fläche auf ihren Grundstücken zu schaffen, sagte Anja Heckmann vom Stadtplanungsamt. Ihnen gehe es auch darum, ihren Anlegern zu einem größtmöglichen Gewinn zu verhelfen. Das Resultat seien monotone, serielle Architektur und schlichten Putzfassaden. Die Stadt solle die Grundstücke kaufen und die Bebauung selbst in die Hand nehmen, schlug Batetzky vor. Anschließend könnten die Immobilien an einen Wunschkandidaten veräußert werden, dem man vertraue. 

Finanziell sei dies eine schwierige Sache, entgegnete Dresdens oberster Stadtplaner Stefan Szuggat. Ob so viel Geld dafür aufgewendet werden sollte, müsste von der Stadtgesellschaft mitgetragen werden. Derzeit fließen jährlich mehrere Millionen Euro in den Schulhausbau. (SZ/sr)