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Kleiner Luxus als Weihnachtsgabe

Wieder hat die Dresdner Tafel Kleidung von Prada und Chanel verkauft – an ganz normale Bürger aus der Stadt.

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Von Rafael Barth

Diesmal hat sie Glück. Gisela Pester wartet am Sonntagmorgen als zweite in der Reihe vor der Lagerhalle an der Zwickauer Straße. Die Dresdner Tafel hat erneut Nobelmode ergattert, Handtaschen, Schuhe und Pullover von Prada, Valentino und Chanel. Nun wird der Luxus für kleines Geld verkauft, so wie schon einmal vor fünf Wochen. Da reisten die Schnäppchenjäger aus Hamburg und Düsseldorf an, eine 150 Meter lange Warteschlange lauerte vor der Tür. Gisela Pester aus Dresden-Plauen zog ohne Beute ab.

Beim zweiten Basar ging es gestern viel ruhiger zu. Statt Hunderten warten zwanzig Menschen vor der Lagerhalle. „Die Ware gibt heute nicht mehr her“, sagt Edith Franke. Die Chefin der Tafel hatte erneut Kleidung eines insolventen Kaufhauses angeboten bekommen. Diesmal aber keine Pelzstolen und Mäntel, sondern viele Strickwaren und Schmuck. Den gerade wollen die Leute vor Weihnachten, ahnt Franke. Die Tafel, die sonst Brot, Milch und Obst an arme Menschen verkauft, kann die Erlöse gut gebrauchen. 23.000 Euro kamen bei der Basar-Premiere zusammen. Davon hat sich der Verein ein Kühlauto gekauft.

Gisela Pester stöbert von einem Kleiderständer zum nächsten. „Ich bin ganz überrascht, dass auch der normale Bürger zu solchen Angeboten kommt“, sagt die 74-Jährige. „Es ist nicht nur ein finanzieller Gewinn, sondern auch das Erfolgserlebnis, mal etwas anderes zu haben.“ Vier Pullover und ein Tuch trägt sie zur Kasse, die Schildchen zeigen Firmen wie Max Mara und Ralph Lauren. Preise zeigen die Schildchen nicht. Was die Kunden zahlen, bestimmt Tafel-Chefin Franke spontan an der Kasse. Sie schaut sich die Waren an und die Käufer. Und sie lässt mit sich reden. Die Beutestücke von Gisela Pester gibt sie für 70 Euro heraus statt für 80. „Ich finde die Initiative ganz toll, die sie ausgelöst haben“, sagt Pester und reicht der Vereinschefin beide Hände. Die Pullover will sie nicht selbst behalten, sondern der Tochter schenken, dem Schwieger- und dem Enkelsohn. Weihnachten kann kommen. Mit der Aktion hat die Tafel 3.100 Euro eingenommen. Voraussichtlich erwirbt der Verein davon eine Kühlzelle – ein begehbares Lager für Kost aus dem Frost.

Was mit den Kleidungsstücken passiert, die nicht verkauft wurden, kann die Vorsitzende Franke noch nicht sagen. Mit dem Erfolg der Basare ist sie so zufrieden, dass sie schon jetzt über eine Neuauflage im Frühjahr nachdenkt.