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Kleiner Porsche bringt Leipzig groß auf Touren

Am 11. Februar wird aus dem Porsche-Montagestandort offiziell eine vollwertige Fabrik.

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© Porsche

Von Lars Radau

Die Geschichte beginnt auf einem schlammigen Acker im Norden von Leipzig. Auf dem sauen sich Ende der Neunzigerjahre der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und der damalige sächsische Wirtschaftsminister Kajo Schommer ihre edlen Schuhe ein. Wiedeking lässt den Blick schweifen und nickt. Prinzipiell, sagt er, passe das. Wenn nur diese Erschließungsstraße nicht wäre. Daraufhin lässt Schommer den Blick schweifen – und fragt grinsend: „Welche Erschließungsstraße?“

Einst ein schlammiger Acker, mittlerweile ein ausgewachsenes Werk: Der Porsche-Standort Leipzig ist zur vollwertigen Autofabrik geworden.
Einst ein schlammiger Acker, mittlerweile ein ausgewachsenes Werk: Der Porsche-Standort Leipzig ist zur vollwertigen Autofabrik geworden. © picture alliance / zb/euroluftbi

An der Stelle, an der daraufhin unbürokratisch ein paar Meter Straße verschwanden, liegt heute längst wieder Asphalt – die Test- und Prüfstrecke des Leipziger Porsche-Werks. Ein Handschlag auf dem Acker besiegelte die Ansiedlung, 2002 nahm das Werk offiziell seinen Betrieb auf.

Am 11. Februar dürfte es im Leipziger Norden indes wesentlich festlicher zugehen – dann eröffnet der Autobauer feierlich die neuen Produktionsanlagen für seinen neuen Geländewagen Macan. Was fast beiläufig klingt, ist nicht weniger als der Abschluss eines Evolutionsprozesses. Bislang war Porsche Leipzig vor allem ein Montagebetrieb für fertige Autoteile – Fahrgestelle und Karosserien der Modelle Cayenne und Panamera wurden hier weitgehend fertig aus Bratislava und Hannover angeliefert und zusammengefügt. Mit eigenem Karosseriebau und eigener Lackiererei wird der Standort nun zum Vollwerk.

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„Porsche setzt mit der Erweiterung ein klares Signal“, betont Werksleiter Siegfried Bülow. „Das ist für die Mannschaft und mich eine enorme Motivation.“ Sachsen, heißt es in Leipzig, sei für den schwäbischen Sportwagenhersteller nicht nur eine zweite Heimat geworden. Bereits mit den bisherigen Modellen habe man die Produktionszahlen des Stuttgarter Stammwerks, in dem die Sportwagen-Legende Porsche 911 vom Band läuft, übertroffen. Mit dem Macan wird der Abstand aller Wahrscheinlichkeit nach weiterwachsen.

500 Millionen Euro hat Porsche dafür in die Hand genommen, Werksfläche und Belegschaft seit 2011 verdoppelt. Zukünftig werden bei der Porsche Leipzig GmbH rund 2200 Mitarbeiter beschäftigt sein. Für diese Expansion hat der Sportwagenhersteller auch von einem einst von Wiedeking vehement vertretenen Grundsatz Abschied genommen: Wer Luxusautos baue, brauche keine Staatsknete, hatte der Ex-Chef plakativ betont. Für die neue Fabrik nun hat Porsche erstmals öffentliche Beihilfen in Anspruch genommen, insgesamt knapp 44 Millionen Euro

Der zweite Grundsatz aus der Wiedeking-Ära ist inzwischen auch überholt: Porsche und Diesel, hatte der Manager stets gesagt, das passe nicht zusammen. Doch kurz nachdem Wiedeking Porsche 2009 verlassen musste – er hatte versucht, den weitaus größeren VW-Konzern zu übernehmen –, bekam der in Leipzig gebaute Geländewagen Cayenne einen Dieselmotor.

Den wird man auch für den kleinen Bruder Macan ordern können. Die Produktion des Autos, das im vergangenen November auf der Los Angeles Motor Show Premiere feierte und ab April bei den Händlern stehen soll, hat schon begonnen. Bis zu 50.000 Macan sollen nach Angaben von Werkssprecherin Julia Pirlich pro Jahr gebaut werden. Die Rechnung könnte nach Ansicht von Branchenexperten aufgehen: Das Auto, das auf der Plattform des Konzernbruders Audi Q5 basiert, soll all jene Porsche-Kunden ansprechen, denen der Geländewagen Cayenne zu groß ist. Der Preis ist selbstbewusst: Mit dem kleinsten Benzinmotor – immerhin ein Sechszylinder-Biturbo mit 340 PS – oder dem Diesel, der es auf 258 PS bringt, startet die Macan-Preisliste bei knapp 58.000 Euro.

Doch auch ohne den Macan sehen die Zahlen derzeit gut aus: Porsche hatte 2013 bereits Ende November mit 147.290 Autos satte 14,2 Prozent mehr Fahrzeuge ausgeliefert als im gesamten Jahr 2012 – damals waren es 141.075. (mit dpa)