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Kleinstem Kino der Welt drohte Schließung

Der Radebeuler Betreiber hat das im Guinness-Buch der Rekorde stehende Kino noch rechtzeitig vor seiner Pleite verkauft.

Radebeul. Die Internetseite unter www.palastkino.de ist nicht mehr aktuell. Zum Palastkino in Radebeul-West – dem nach dem Guinness Buch der Rekorde kleinsten Kino der Welt – gehört keine Wodka-Bar mit 1 500 Sorten mehr. Und es gibt auch keinen Ableger des Kinos mehr in Freiberg.

Beinahe wäre es auch mit dem Radebeuler Kino in der Güterhofstraße 10 im Bahnhofsgebäude aus gewesen. Betreiber Johannes Gerhardt hat nämlich wegen Überschuldung eine private Insolvenz anmelden müssen. Das Kino allerdings bleibe den Radebeulern erhalten, versichert er. Gerhardt habe es noch rechtzeitig an seine Lebenspartnerin Jana Sonk verkaufen können, sagt er auf Nachfrage. Und auch der Eintrag ins Guinness-Buch von 2006 habe Bestand. Ihm sei bestätigt worden, so Gerhardt, dass keine geringere Zahl als neun Plätze als wirtschaftlich und somit als Kino anerkannt werde. Also ein Eintrag auf Lebenszeit.

Schwer überhoben

Das ist allerdings das derzeit einzig Erfreuliche für den Radebeuler Kleinunternehmer. Der 32-jährige Hüne hat sich schwer überhoben. Schulden aus Investitionsbeteiligungen, etwa an einer Plattenfirma, habe Gerhardt über all die Jahre mitgeschleppt.

Neue Kredite, hohe Zinsbelastungen und abnehmende Einnahmen im Palastkino hätten den gelernten Einzelhandelskaufmann schließlich auch nervlich soweit belastet, dass er völlig ausgebrannt (Burn out-Syndrom) krank geschrieben werden musste.

Gerhardt: „Ich habe zuletzt bis zu 20 Stunden am Tag gearbeitet und versucht, zusätzlich Geld zu verdienen – und bin daran gescheitert.“ Eine hohe fünfstellige Schuldensumme soll sich angehäuft haben. Auch bei Firmen in Radebeul und der Umgebung. Mit einigen Inhabern habe Gerhardt schon gesprochen und ihnen, trotz Insolvenz, gesagt, dass er sich bemühen wolle, zumindest einen Teil der Verbindlichkeiten später abzutragen.

Was ihm Kraft gebe, so der Radebeuler, sei seine Familie mit zwei Kindern, für die er jetzt mal da sein könne. Und sein eigentlich drittes Kind, das Palastkino?Gestern Abend gab es wieder eine Einmietung. Im Anmeldebuch stehen auch reichlich Einträge, sogar bis zum Dezember 2011. Allerdings: Mit der geringen Miete von 25 Euro für zwei Stunden, die bis zu 16 Personen einschließt, ist die Wirtschaftlichkeit infrage gestellt. Gerhardt hatte auf den Getränkeverkauf gebaut. Der allerdings habe immer weiter abgenommen. Die Zeiten, als hier richtig Bier getrunken wurde, seien vorbei.

Heute kommen ins Palastkino, wo man sich Wunschfilme von der DVD über den Beamer auf der Leinwand anschauen kann, viele Kindergarten- und Hortgruppen. Behinderte Bürger und Ausländer, überhaupt Leute mit wenig Geld. Sie hätten hier die Chance auf eine Feier, die nicht viel koste, sagt Gerhardt. 300 bis 400 Personen würden monatlich das Kino mieten. Aber eben die wenigsten bei Bier und Wodka.

Gerhardt wünsche sich, dass das Palastkino schon wegen seiner sozialen Funktion erhalten bleibe. Anderen Radebeulern in West wäre es schon deshalb Recht, damit in dem von der Bahn vernachlässigten und einer Immobiliengesellschaft übertragenen Gebäude wenigstens noch etwas Leben bleibt.

Wieder Sonntags-Kinder-Kino

Das solle auch so sein, sagt Jana Sonk, die neue Betreiberin des Kinos. Im nächsten Jahr plane sie beispielsweise wieder Sonntagsvormittagskino für Kinder. Mit russischen, tschechischen oder Defa-Filmen und Eintritt für 20 Cent. Die Filmverleiher seien da kulant.