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Klimawandel im Spanischen Hof

Um seinen Gästen kühle Zimmer zu bieten, hat das Hotel neue Technik angeschafft – und eine massive Barriere durchdrungen.

© Eric Weser

Von Eric Weser

Gröditz. Sommer, Sonne, Hitze. Bei derzeit bis zu 30 Grad Außentemperatur ist jede Erfrischung willkommen, auch bei den Hotelgästen im Spanischen Hof. Seit Kurzem sorgen in dem Gröditzer Hotel Klimageräte für kühle Luft in den Gästezimmern. Ein Novum, denn bisher gab es so etwas in dem 1997 eröffneten Haus nicht. Seit diesem Frühjahr sind die mobilen Geräte Stück für Stück angeschafft worden. 36 der insgesamt 46 Zimmer und Suiten sind jetzt mit einem Gerät ausgestattet, sagt Hoteldirektorin Britta Hillebold. Die übrigen zehn Räume bekommen keine solche Box spendiert. Mit einer insgesamt etwas verringerten Ausstattung werden sie als Budget-Zimmer vermietet. – In den Zimmern mit Klimatechnik dauert es rund eine halbe Stunde, den Raum auf die gewünschte Temperatur zu bringen. Britta Hillebold, die aus Kassel nach Gröditz pendelt und unter der Woche im Spanischen Hof wohnt, hat es selbst probiert. Auch sie hat in ihrem Zimmer eine Klimaanlage, erzählt sie.

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Die Kühlgeräte sind das jüngste Investitionsprojekt, mit dem die Hotelbesitzer-Familie Voß den Hotelkomfort ausbaut. Seit der Übernahme des Betriebes 2016 waren bereits Bettmatratzen und Tresore getauscht, Minibars für etliche Zimmer angeschafft und auch ältere Fernseher durch modernere HD-Geräte ersetzt worden.

Die Anschaffung der Klimatechnik stand schon länger im Raum. Anfangs habe es auch Überlegungen gegeben, eine zentrale Anlage zu installieren. Das hätte aber einen zu großen baulichen Aufwand bedeutet. Also entschied man sich für Einzelgeräte – und einen minimalinvasiven Eingriff ins Haus: Um die heiße Luft abzutransportieren, ist in jedem Zimmer ein Loch mit fünfzehn Zentimeter Durchmesser in die Außenwand gebohrt worden. An der Fassade ist das kaum zu sehen, zumal die Abdeckungen den gleichen Farbton wie die Außenwand haben. – Für die Kategorisierung als Viersternehotel sind Klimaanlagen zwar kein zwingendes Kriterium, heißt es vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Gleichwohl sieht der Kriterienkatalog der Branchenverband viele Punkte vor, wenn Hotels so eine solche Ausstattung haben. Frische Luft und angenehme Temperaturen seien „von zentraler Bedeutung für das Wohlgefühl der Gäste“, so der Dehoga.

Angenehm für Gäste, aber teuer

Das weiß man auch im Riesaer Mercure, dem anderen Viersternehotel der Region. Gerade beim aktuell sehr heißen Wetter seien klimatisierte Hotelzimmer für die Gäste sehr angenehm, so der Chef der Betreibergesellschaft Magnet Riesa, Reiner Striegler. In dem Hotel am Riesenhügel ist bereits seit dem Umbau 1999 zentral eine Klimaanlage in Betrieb, die alle Hotelzimmer, die Tagungsräume und die Hotellobby bei Bedarf kühlt. Die Klimatisierung sei auch eine Vorgabe des Franchisepartners, der französischen Firma Accor, gewesen. In den Dreisternehäusern der Gegend wie dem Wettiner Hof in Riesa, dem Hotel Moritz oder dem Ambiente Hotel Strehla gibt es hingegen keine klimatisierten Gästezimmer. In Moritz und im Wettiner Hof sind die Restaurants klimatisiert. In einigen Häusern denkt man aber über die Anschaffung von Klimatechnik für die Gästezimmer nach. Nicht zuletzt wegen sommerlicher Hitzephasen wie im Moment. Neben Platzgründen ist es vor allem die Kostenfrage, die Hotelbesitzer die Investition scheuen lässt. Von der teuren Anschaffung, die zwischen Tausenden bis Hunderttausenden Euro kosten kann, abgesehen, gelten die Klimageräte als Stromfresser. Mobilgeräte saugen zwischen einem bis vier Kilowatt Leistung aus der Steckdose. Im Spanischen Hof hat man sich dennoch für die Investition entschieden. Vor allem, um den Wunsch der Gäste nach Abkühlung auf dem Zimmer zu erfüllen.

Und was passiert mit den Geräten im Winter? Theoretisch ließe sich mit den Klimageräten auch heizen, sagt Britta Hillebold. Da es aber eine funktionierende Heizung gibt, werden die rund 30 Kilo schweren Klimaboxen auf dem großen Dachboden verstaut und die Löcher in der Wand per Abdeckung verschlossen. So lange, bis Sommer, Sonne und Hitze zurückkehren.