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Bauen und Wohnen

Klimawandel in Sachsen: Herausforderung für die Zukunft

Die Auswirkungen des Klimawandels machen sich bemerkbar. 

Ähnlich dürr wie nah der Talsperre Lehnmühle im Osterzgebirge sah es letzten Sommer auch an vielen anderen Wasserläufen aus.
Ähnlich dürr wie nah der Talsperre Lehnmühle im Osterzgebirge sah es letzten Sommer auch an vielen anderen Wasserläufen aus. © Foto: Torsten Becker, Fotolia

Inzwischen zeigt sich auch, wie gut oder schlecht Bürger und Kommunen bislang darauf vorbereitet sind.

Das vergangene Jahr hat weltweit, aber auch in Sachsen deutlich gezeigt, welche gravierenden Folgen der Klimawandel mit sich bringen kann. International gab es 2017 die höchsten bisher verzeichneten wirtschaftlichen Verluste aufgrund von Wetterkatastrophen. Experten sind sich einig, dass die Wetterextreme künftig noch zunehmen werden. Selbst, wenn wir hierzulande in vielen Landstrichen noch glimpflich davonkommen, werden wir früher oder später mit einer verstärkten Zuwanderung von Klimaflüchtlingen konfrontiert sein. Doch welche Bereiche sind in unserer Region besonders von den klimatischen Veränderungen betroffen? 

Wie zeigt sich der Klimawandel in Sachsen

Das Klima wird auch in Sachsen seit etwa Ende des 19. Jahrhunderts detailliert dokumentiert. Aufgrund der genauen Aufzeichnungen lassen sich bestimmte Entwicklungen inzwischen deutlich herauslesen. Auffällig sind vor allem drei Faktoren:

• Zunahme „zu warmen“ Wetters

• Zunahmen „zu feuchten“ Wetters

• Zunahme der durchschnittlichen Sonnenstunden

Deutlich wurde dies etwa beim vergangenen Jahrhundertsommer mit anhaltend trockener Witterung und dauerhaft hohen Temperaturen. Als Folge trockneten zahlreiche Wasserläufe aus, die Elbe und andere Flüsse führten extremes Niedrigwasser. Kommerzielle Schifffahrt war vielerorts nicht mehr möglich. Die Wasserknappheit betraf im Sommer auch die Landwirtschaft.

Gleichermaßen sind die Niederschläge in anderen Monaten inzwischen oft höher als im jahrzehntelangen Vergleich. Seit der Jahrtausendwende war die Region bisher mehrmals von starkem Hochwasser bedroht:

• August 2002: Elbe, Moldau, Mulde und weitere Flüsse

• März/April 2006: Elbe

• August 2010: Lausitzer Neiße

• Mai/Juni 2013: Elbe, Elster, Mulde

Weitere Wetterextreme, die in den letzten Jahren verzeichnet wurden, sind starke Stürme, wie das Orkantief Friederike, das im Januar 2018 in Deutschland wütete. 

Herausforderung Winterwetter

Sachsens Kommunen müssen sich möglicherweise noch besser auf stärkere Niederschläge im Winter vorbereiten.  
Sachsens Kommunen müssen sich möglicherweise noch besser auf stärkere Niederschläge im Winter vorbereiten.   © Foto: stylefoto24, Fotolia

Nach dem europaweiten Rekordsommer 2018 sind vor allem im Alpenraum in diesem Winter auch bei den Schneefällen neue Rekorde zu verzeichnen. Kalte und durchaus schneereiche Winter sind für die Region Sachsen nicht neu. Rund um die Mittelgebirgszüge, die sich vom Fichtel- und Elstergebirge im Westen bis hin zum Lausitzer Bergland im Osten erstrecken, sind die Winter auch in den letzten Jahrzehnten noch weiß gewesen. Anderswo in Deutschland haben in dieser Zeit die Schneemengen kontinuierlich abgenommen.

Doch angesichts der Niederschlagsmengen im aktuellen Winter kommt die Frage auf, ob auch hier in der Region künftig wieder mit größeren Schneemengen gerechnet werden muss.

Für die Gemeinden heißt es dann, sich noch besser auf winterliche Bedingungen einzustellen. Ohnehin ist die Organisation des Winterdienstes mit allem was dazugehört ein besonderer Kraftakt, da vor allem punktuell ein hohes Arbeitsaufkommen anfällt. Selbst beim Dauereinsatz der verfügbaren Kräfte kommen Räumfahrzeuge dann kaum hinterher. Die Folge: erhöhte Unfallgefahr.

Sollten die Winter künftig noch strenger werden, stellt sich die Frage, wie dieses Problem besser gelöst werden kann. Denn neben Ausstattung und Einsatzplänen für den Winterdienst gehört hier auch dazu, den öffentlichen Raum weiterhin zugänglich zu halten. Dies ist nicht nur wichtig für die Sicherheit der Bürger, sondern auch, um das öffentliche Leben und damit die Wirtschaft selbst bei schlechtester Witterung am Laufen zu halten.

Für die Bürger bedeutet dies, dass sie sich ebenfalls wieder verstärkt einen verantwortungsvollen Umgang mit den widrigen Wetterbedingungen angewöhnen müssen. Fahrzeuge ohne geeignete Winterreifen sollten dann tabu sein.  

Herausforderung Hochwasser

Bezüglich einer steigenden Hochwasserhäufigkeit wurde in den vergangenen Jahren bereits einiges getan. Vielfältige Bereiche sind von diesem Thema betroffen. So werden nicht nur direkte Schutzmaßnahmen getroffen, wie die Schaffung von Ausgleichsflächen oder Dämmen, auch bauliche Einrichtungen der Wasserwirtschaft werden schrittweise für die stärkere Belastung bei erhöhten Niederschlagsmengen vorbereitet.

Die Kanalisation im urbanen Raum, aber auch die verschiedenen Talsperren müssen künftig auf die größeren Schwankungen vorbereitet sein. Flächenentsiegelungen und die Renaturierung von Uferflächen sind weitere Maßnahmen.

Im Rahmen der neugeschaffenen Ausgleichsflächen wurde die Bebauung eingeschränkt. In Bereichen, die bereits besiedelt sind und inzwischen als Risikogebiete gelten, ist die Bevölkerung wiederum gefragt, auch selbst in Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser zu investieren.  

Herausforderungen für die Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist von starken klimatischen Schwankungen besonders betroffen.
Die Landwirtschaft ist von starken klimatischen Schwankungen besonders betroffen. © Foto: Daniel, Fotolia

Sachsens Landwirtschaft steht durch langfristige Veränderungen des Klimas und vor allem auch durch die Zunahme an Extremen wie Hochwasser, lange Dürreperioden oder Sturmereignisse vor besonderen Herausforderungen. Eine gleichbleibende Ertragsstabilität wie in vergangenen Jahrzehnten ist dann nicht mehr gewährleistet. Selbst beim Anbau von robusten Sorten muss mit Ernteausfällen gerechnet oder auch stärker etwa in Bewässerungsanlagen investiert werden.

Ein weiterer, weniger offensichtlicher Punkt ist die drohende Abnahme der Bodenqualität. Die Erosion steigt mit der Zunahme der extremen Bedingungen. Bei langanhaltender Trockenheit kann die fruchtbare oberste Erdschicht leichter vom Wind abgetragen werden. Gleichzeitig sinkt dann der Grundwasserspiegel. Bei Starkregen hingegen kann die Feuchtigkeit kaum noch tiefer in den Boden eindringen – stattdessen findet ein erhöhter Oberflächenabfluss statt, der ebenfalls fruchtbare Schichten mit sich trägt.

Da die Landschaft in unserer Region sehr unterschiedlich ausgeprägt ist, wird sich der Klimawandel nicht überall gleich stark bemerkbar machen. Während die höherliegenden Bereiche im Süden weniger von übermäßigen Schwankungen bei der Wasserversorgung betroffen sind, sieht dies im nördlichen Flachland mit eher sandigen Böden ganz anders aus. In heißen Sommern wird dort eine Wasserknappheit für spürbare Ernteeinbußen sorgen.

Für betroffene Landwirte stehen verschiedene Vorgehensweisen zur Verfügung:

• Größere Diversität beim Anbau, um das Gesamtrisiko zu mindern oder zu verteilen

• Nutzung von Sorten, die an die veränderten Bedingungen besser angepasst sind

• Maßnahmen gegen Bodenerosion wie schonende Bearbeitung oder Vermeidung von Brachflächen durch geeignete Zwischenbepflanzungen

• Bewässerungsmaßnahmen in starken Trockenperioden

Herausforderung Trinkwasserversorgung

Werden sehr sonnenreiche, warme und niederschlagsarme Sommer künftig häufiger, so hat dies langfristig auch Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung in Sachsen. Derzeit beziehen rund 40 Prozent der sächsischen Haushalte ihr Trinkwasser aus den regionalen Reservoirs an den Talsperren. Hier gab es auch im letzten Sommer keine spürbaren Engpässe.

Anders bei Gemeinden wie Klingenberg oder Schmiedeberg im Erzgebirge, die in den heißen Monaten einige Tage auf dem Trockenen saßen. Sie beziehen ihr Trinkwasser aus regionalen Brunnen und mussten zur Zeit der stärksten Dürre von Tanklastern versorgt werden. Allerdings ist die Anzahl der betroffenen Haushalte gering und landesweit eine Ausnahme.

Ein Anschluss an das Wassernetz ist hier erwartungsgemäß mit hohen Kosten verbunden. Derzeit erarbeiten die Kommunen in Zusammenarbeit mit der Landesregierung ein tragbares Finanzierungskonzept. Es wird nicht zu vermeiden sein, dass sich auch Hauseigentümer an den Kosten beteiligen müssen.

Insgesamt ist Sachsen relativ gut in Sachen Trinkwasserversorgung aufgestellt. Aktuell werden verschiedene Maßnahmen verfolgt, um einem weiteren Absinken des Grundwassers entgegenzuwirken. Damit verbunden sind nämlich weitere Probleme, wie eine Verschlechterung der Wasserqualität, etwa durch die Konzentration von Schadstoffen oder einer wachsenden Keimbelastung.

In der Grundsatzkonzeption 2020 für die öffentliche Wasserversorgung im Freistaat Sachsen wird vor allem auf eine noch stärkere Vernetzung der Talsperren gesetzt. Durch technische Verbesserungen sollen zudem negative Einflüsse bei Hochwasser auf die Wasserqualität minimiert werden. 

Herausforderung Waldgesundheit

Auch für die Wälder sind die zunehmenden Wetterextreme eine große Belastung. Der letzte Waldzustandsbericht gab hier Anlass zur Sorge. Problematisch war nicht nur die lange Trockenzeit während des Sommers, sondern auch die starken Stürme im vorangehenden Winter. Die geschwächten Bäume sind somit noch anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer, der sich in der letzten Zeit ebenfalls stark vermehren konnte.

Neben staatlichen Forstflächen sind davon auch die zahlreichen privaten Waldbestände betroffen. Eine wichtige Maßnahme ist es, Bruch- und Totholz, aber auch befallene Bäume zu entfernen. Dafür stehen auch Fördermittel zur Verfügung. Allerdings sind die notwendigen Eingriffe, um die Waldgesundheit langfristig zu verbessern so umfangreich, dass dies dennoch eine große finanzielle Belastung mit sich bringt.

Als Folgeerscheinung der umfangreichen Schäden sind nicht nur die Kapazitäten zum Einschlag, Abtransport und Weiterverarbeitung knapp, auch die Holzpreise sind dabei auf dem Markt stark gefallen. Als weiteres wichtiges Vorgehen zählt die Aufforstung mit weniger Sturm- und Dürreanfälligen Baumarten.

Auch in dieser Saison ist mit weiteren Schäden vor allem durch den erhöhten Borkenkäferbefall zu rechnen. Sie fanden im letzten Jahr beste Bedingungen zur Vermehrung vor. Die einzige Möglichkeit besteht hier in einer zeitnahen Entfernung betroffener Bäume, um eine weitere Ausbreitung einzudämmen.

Gesamtökologisch spielt die Waldgesundheit eine wichtige Rolle nicht nur beim Schutz vor Erosion oder als Barriere gegen extreme Stürme, sondern auch für einen ausgeglichenen Wasserhaushalt und die Luftreinheit in der Region.   

*Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Redakteur Marvin Frey.

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