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"Ihr könnt nicht immer erwarten, dass die Solidargemeinschaft aufkommt"

Weil sich Extremwetterereignisse häufen: Verbraucherzentrale wirbt bei Sachsen-Tour für Versicherungspflicht. Umbauten und Hochwasser-Erfahrung helfen auch.

Warten auf das Elbehochwasser 2022: Die Erfahrungswerte der letzten beiden Hochwasser können sich Meißner für die nächste Flut oder Starkregen zunutze machen.
Warten auf das Elbehochwasser 2022: Die Erfahrungswerte der letzten beiden Hochwasser können sich Meißner für die nächste Flut oder Starkregen zunutze machen. © Claudia Hübschmann (Archiv)

Meißen. Am Infostand zum Hochwasserschutz gibt es kein Vorbeikommen. Die Hochwasserexperten haben sich direkt am Eingang der Altstadt positioniert – das Interesse ist trotzdem verhalten. Kerstin Reinsperger von der Verbraucherzentrale Sachsen ist aus ihren Beratungsgesprächen nichts anderes gewöhnt. Naturgefahren würden oft unterschätzt: "Wie oft ich schon gehört habe, ich wohne doch auf einem Berg, was brauche ich eine Elementarschadenversicherung – als gäbe es nur Hochwasserereignisse."

Verbraucher würden zwar eine sehr große Betroffenheit entwickeln, aber meistens erst, wenn das Wasser ansteigt und es oft zu spät ist. Dabei werden Extremwetterereignisse, insbesondere Starkregen nach Dürreperioden in Deutschland und speziell in Sachsen zunehmen. Laut einer Schätzung der Deutschen Versicherungswirtschaft sind in Sachsen 48 Prozent aller Gebäude umfassend gegen Naturgefahren versichert. Im bundesweiten Vergleich ein hoher Wert, nur in Baden-Württemberg sind deutlich mehr Gebäude versichert. Dort gibt es eine Versicherungspflicht.

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Dass nur unter 50 Prozent der sächsischen Gebäude umfassend versichert sind, bereitet den Beratern Bauchschmerzen – sogar Autos seien häufiger gegen Naturgefahren versichert: "Bisher hatten wir Glück, dass Hochwasser immer vor Wahlen aufgetreten sind", sagt Gabrielle Stich vom Kompetenzzentrum Hochwasservorsorge, die für die gesetzliche Pflicht zur Eigenvorsorge sensibilisieren möchte.

Beim Elbehochwasser 2013 waren die Ortsteile der Gemeinde Zeithain besonders schwer betroffen, hier ein Blick auf den Ort Kreinitz.
Beim Elbehochwasser 2013 waren die Ortsteile der Gemeinde Zeithain besonders schwer betroffen, hier ein Blick auf den Ort Kreinitz. © Archivfoto Alexander Schröter

Damit Eigentümer auf die richtigen Maßnahmen zum Überflutungsschutz setzen, empfiehlt sie ein neues Instrument, den sogenannten Hochwasservorsorgeausweis: Bei einer Hausbegehung werden Eintrittspunkte identifiziert, über die bei einem Hochwasser oder Starkregen Wasser ins Haus laufen kann. Neben der Risikobewertung würden individuelle Vorschläge für bauliche Maßnahmen mitgeliefert. Zum Beispiel der Einbau eines

  • Rückstauverschlusses, ein verschließbares Ventil, das verhindert, dass Abwasser bei einem Starkregen in den Keller fließt, falls bei Starkregen oder einer Verstopfung die öffentliche Kanalisation überlastet wird.

Sind die Kellerfenster eine besonders gefährdete Eintrittsstelle, könnten zum Beispiel ein

  • Dammbalkensystem dafür sorgen, dass sich bei einem Hochwasser die Schotten hochfahren lassen.

Für einen ersten Überblick über das eigene Überschwemmungsrisiko und das des Nachbars hilft ein Blick auf die Hochwasserrisikokarte auf der Internetseite des Landeshochwasserzentrums. Das Gefahrenpotenzial wird auf einer zoombaren Karte in einer Farbskala von grün bis rot dargestellt.

Lohnt sich die Investition?

Neben dem Hochwasservorsorgeausweis könnten Eigentümer auch auf die Erfahrungen vorheriger Hochwasser setzen – an welchen Stellen ist das Wasser damals eingedrungen – denn für die erforderliche Hausbegehung für den Ausweis könnten schnell zwischen 800 und 1.000 Euro zusammenkommen. "In Hochwassergebieten, wo die Betroffenheit sehr groß ist, lohnt sich eine solche Investition", schätzt Antje Lange von der Hochwassereigenvorsorge den Nutzen ein.

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Nicht zu handeln wird im Katastrophenfall auf jeden Fall teurer. Denn staatliche Hilfen gibt es nur unter Vorbehalt. In der sächsischen Richtlinie Elementarschadenhilfe steht, dass Schäden nicht berücksichtigt werden, wenn vor dem Eintritt des Schadensereignisses keine Maßnahmen der Selbsthilfe ergriffen wurden, die erfolgversprechend gewesen wären: "Der Antragsteller hat nachzuweisen, dass er sich vor Eintritt des Schadensereignisses erfolglos um den Abschluss einer Elementarschadenversicherung bemüht hat." Das könnte für viele Meißner mit einem Haus in Elbnähe zutreffen, ordnet Reinsperger ein; da dort eine Versicherung schlicht zu teuer wäre. Allerdings wäre es wichtig, sich das vor dem nächsten Hochwasser bestätigen zu lassen. Nicht hinterher: "Man kann nicht immer erwarten, dass die Solidargemeinschaft für Starkregen- oder Flutschäden aufkommt", schließt Reinsperger.

Bei Fragen steht das Kompetenzzentrum Hochwassereigenvorsorge Sachsen unter 0341 - 44 29 979 gerne zur Verfügung.

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