Politik
Merken

Das sind die Ergebnisse des Klimagipfels

Die Weltklimakonferenz ist nach zwei Wochen zäher Verhandlungen vorbei. Viele sind enttäuscht - andere sehen Fortschritte. Das wurde beschlossen.

 0 Min.
Teilen
Folgen
Alok Sharma, Präsident der COP26, hält die Hand bei der Schluss-Plenarsitzung der UN-Klimakonferenz COP26 vor das Gesicht. Nicht alle sind mit den Ergebnissen glücklich.
Alok Sharma, Präsident der COP26, hält die Hand bei der Schluss-Plenarsitzung der UN-Klimakonferenz COP26 vor das Gesicht. Nicht alle sind mit den Ergebnissen glücklich. © Foto: Christoph Soeder/dpa

Glasgow. Die UN-Klimakonferenz in Schottland hat mit einem als historisch gefeierten Beschluss den weltweiten Abschied von der Kohleverbrennung eingeläutet. Erstmals in der Geschichte der Weltklimagipfel gab es dafür einen Konsens unter den rund 200 Staaten. Der am Samstagabend nach leidenschaftlichen Diskussionen gebilligte "Klimapakt von Glasgow" enthält zudem die Forderung, "ineffiziente" Subventionen für Öl, Gas und Kohle zu streichen. Die Formulierung wurde allerdings in letzter Minute auf Druck Chinas und Indiens abgeschwächt.

Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) lobte den Deal dennoch. "Das fossile Zeitalter geht zu Ende, die Energiewende wird weltweit zum Leitbild", sagte sie. Der US-Klimabeauftragte John Kerry sagte, in Verhandlungen dürfe das vermeintlich Perfekte nie dem Guten im Wege stehen. "Und das hier ist gut."

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Die weltweit bekannteste Klimaaktivistin Greta Thunberg zog hingegen eine vernichtende Bilanz des auch als COP26 bezeichneten Gipfels. "Die COP26 ist vorbei. Hier ist eine kurze Zusammenfassung: Blah, blah, blah", twitterte die Schwedin. Sie war zur Halbzeit des Gipfels zusammen mit Zehntausenden Demonstranten auf die Straße gegangen und dann abgereist.

Auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, äußerte sich ernüchtert. "Es ist ein wichtiger Schritt, aber es ist nicht genug. Es ist Zeit, in den Notfallmodus zu gehen."

Die Mammutkonferenz mit 40 000 registrierten Teilnehmern sollte eigentlich schon am Freitag enden, wurde aber wegen stundenlanger Debatten bis in die späten Stunden des Samstags verlängert.

Die wichtigsten Beschlüsse im Überblick:

Aufruf zum Abschied von der Kohle. EU-Kommissar Frans Timmermans ließ im Plenum seinem Frust freien Lauf, dass die Forderung zum Kohleausstieg auf Druck Chinas und Indiens noch abgeschwächt wurde. Statt von einem Ausstieg (phase-out) ist auf Druck der stark von Kohle abhängigen Staaten China und Indien nun nur noch von einem schrittweisen Abbau (phase-down) die Rede. Damit bleibt offen, ob beide Staaten jemals komplett auf Kohlestrom verzichten wollen.

Als sich mehrere Staaten bitterlich über die Verwässerung kurz vor der Schlussabstimmung beschwerten, kämpfte der britische COP26-Präsident Alok Sharma mit den Tränen. "Ich bitte um Verzeihung für die Art, wie das gelaufen ist", sagte der Gastgeber. Er fügte an: "Es ist auch von elementarer Bedeutung, dass wir dieses Paket schützen." Bundesumweltministerin Schulze pflichtete ihm bei und erklärte, mit dem Beschluss zur Kohle sei "etwas wirklich Weltbewegendes gelungen".

Bekenntnis zum 1,5-Grad-Ziel. In der Abschlusserklärung bekennen sich die Länder gemeinsam zu dem Ziel, die Erderwärmung bei 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu stoppen. Dazu sollen sie bis Ende 2022 ihre bislang unzureichenden Klimaschutzpläne für dieses Jahrzehnt nachschärfen. Das ist drei Jahre früher als bislang vorgesehen. In der Erklärung wird zudem festgehalten, dass der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase weltweit noch in diesem Jahrzehnt um 45 Prozent sinken muss, wenn das 1,5-Grad-Limit erreichbar bleiben soll.

Hilfen für arme Staaten. Zugesagt wurden auch mehr Finanzhilfen für arme Staaten, damit diese sich an die vielerorts fatalen Folgen der Klimakrise anpassen können. Zig Millionen Menschen sind schon jetzt häufiger mit Dürren, Hitzewellen, Stürmen und Überschwemmungen konfrontiert, weil sich die Erderhitzung beschleunigt. Konkret sollen diese Finanzhilfen bis 2025 verdoppelt werden, also von aktuell jährlich rund 20 auf dann 40 Milliarden US-Dollar (etwa 35 Milliarden Euro.)

Hilfe nach Klimaschäden. Erstmals wird auch die jahrelange Forderung armer Staaten aufgegriffen, einen Geldtopf für Hilfen bei Schäden und Verlusten einzurichten. Gemeint sind etwa Zerstörungen oder erzwungene Umsiedlungen nach Dürren, Sturmfluten oder Wirbelstürmen. Die Staaten werden aufgefordert, dafür Geld einzuzahlen. Konkrete Summen dafür werden aber nicht genannt. Es soll nur "technische Unterstützung" nach Schadensereignissen bereitstehen, aber nicht der komplette Schaden beglichen werden.

Der Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig nannte es "schon bitter, dass wieder einmal die von der Klimakrise besonders betroffenen, ärmeren Länder des Globalen Südens an den Rand gedrängt wurden". Genauso bewertet es Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU): "Aus Sicht der Entwicklungsländer sind die Ergebnisse absolut unzureichend, zu kleinteilig und zu langsam", sagte er der Funke-Mediengruppe.

Regelbuch für Pariser Abkommen komplett. Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth lobte die Beschlüsse zum sogenannten Regelbuch des Pariser Klimaabkommens, wo seit Jahren noch Punkte offen waren. Man habe von Anfang an das Ziel gehabt, das «Geröll der Rechtsverhandlungen» aus dem Weg zu räumen. «Das ist alles gelungen», sagte Flasbarth. Geregelt wurde etwa, dass künftig Klimaschutzziele für fünf Jahre vorgelegt werden und nach einheitlichen Standards berichtet wird. Bei der Frage, wie künftig Emissionsminderungen zwischen Staaten gehandelt werden können, gab es ebenfalls eine Einigung. Dabei ist es laut Flasbarth gelungen, Schlupflöcher auszuschließen.

Den Samstag über hatten stundenlange, hitzige Debatten die Beratungen verzögert. Politiker standen dicht zusammen, gestikulierten wild und diskutierten. Timmermans umgarnte die Delegierten schließlich: «Ich flehe euch an, nehmt diesen Text an.»

Weiterführende Artikel

Thunberg: "Wir werden weiter Druck machen"

Thunberg: "Wir werden weiter Druck machen"

Ob Schwarz-Rot oder eine Ampel in Berlin das Sagen hat, ist Greta Thunberg erst einmal egal - entscheidend ist, was am Ende für das Klima herauskommt.

Das wird beim Klimagipfel in Glasgow wichtig

Das wird beim Klimagipfel in Glasgow wichtig

Rund 25.000 Menschen kommen in Schottland zusammen, um über die Begrenzung der Erderwärmung zu beraten. Ein Überblick über die Themen.

Greenpeace-Chef Kaiser sieht nach Glasgow nun die geplante Ampel-Koalition im Bund in der Pflicht, Sofortmaßnahmen zu ergreifen. "So ist der Kohleausstieg bis 2030 zwingend notwendig. Ab heute dürfen unsere Steuergelder nicht mehr für Kohle, Öl und Gas eingesetzt werden."

Der nächste Gipfel, die COP27, findet im November 2022 in Ägypten statt. (dpa)

Mehr zum Thema Politik