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Pirna: Umweltfreundlicher Flitzer für den Bauhof

Ein Lastenfahrrad ergänzt jetzt den Fuhrpark der Stadtarbeiter. Gedacht ist es für spezielle Arbeiten. Bewährt sich das Rad, sind weitere geplant.

Von Thomas Möckel
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Stadtarbeiter Marcus Wenke mit dem neuen Lastenfahrrad: Künftig täglich vom Bauhof zum Pirnaer Rathaus und zurück.
Stadtarbeiter Marcus Wenke mit dem neuen Lastenfahrrad: Künftig täglich vom Bauhof zum Pirnaer Rathaus und zurück. © Norbert Millauer

Fürs Foto darf es etwas mehr sein. Ein paar Mal saust Stadtarbeiter Marcus Wenke auf seinem Gefährt über den Radweg vor dem Pirnaer Bauhof an der Dippoldiswalder Straße. Auf den Bildern, vom Fotografen mit viel Hintergrundunschärfe in Szene gesetzt, sieht es aus, als würde er ein Rennen mit hoher Geschwindigkeit fahren.

Dabei treibt Wenke seinen fahrbaren Untersatz allein mit der Kraft seiner Beine an, nur hin und wieder ein wenig unterstützt von einem kleinen Elektromotor, der in dem Mobil verbaut ist. Letzteres funktioniert aber nur bis Tempo 25, darüber hinaus ist ausschließlich Muskelkraft gefragt.

Das, mit dem Wenke da so leichtfüßig dahinfährt, ist der jüngste Neuzugang im Bauhof-Fuhrpark, einer, der gar nicht so leicht zu beschaffen war.

Wendig dank Neigetechnik

Die Fahrzeugflotte der Stadtarbeiter ergänzt nun ein Lastenfahrrad, genauer ein Lasten-Pedelec der Marke „Chike“, Modell „e-cargo“. Das Dreirad mit übergroßem Transportkorb wiegt 38 Kilogramm, kann etwa 100 Kilogramm zuladen, die zulässige Höchstbelastung liegt bei 210 Kilo, damit lässt sich schon einiges wegschaffen. Die Reichweite des verbauten Akkus liegt je nach Belastung zwischen 50 und 100 Kilometern.

Die Stadt hatte zuvor noch andere Modelle im Visier, doch der Kauf erwies sich als problematisch. Die Situation auf dem Fahrradmarkt ist schon seit Monaten angespannt. Weil der Drahtesel wegen der Corona-Pandemie eine Renaissance erlebt, sind viele Modelle nicht lieferbar, weil die Hersteller mit der Produktion nicht hinterherkommen oder Bauteile fehlen. Das Gefährt von „Chike“ war das einzige dieser Art, was derzeit noch zu haben war.

Unglücklich ist mit der Wahl niemand, bringt das Lastenfahrrad doch einige Vorzüge mit sich. Es ist im Vergleich zu anderen recht leicht und lässt sich dank der Neigetechnik gut manövrieren. Bei der Einfahrt in eine Kurve neigen sich dabei die beiden Vorderräder stets ein wenig in die Kurvenrichtung, das macht das Gefährt wendiger als starre, ungelenke Modelle.

Testbetrieb im rauen Alltag

Mit dem Kauf des Lastenfahrrades setzt Pirna den Plan weiter um, die Fuhrparks mit klimaschonenden Fahrzeugen auszurüsten. „Schließlich wollen wir eine umweltfreundliche Stadt sein“, sagt Sandra Roscher, Fachgruppenleiterin Tiefbau im Rathaus.

Den Anfang mit den muskelkraftbetriebenen Transportmitteln macht der städtische Bauhof. Das ist bewusst so gewählt, weil sich das Lastenfahrrad hier gleich einmal in einem ziemlich rauen Alltag bewähren kann. Die Stadtarbeiter transportieren oft Werkzeug und schwere Baustoffe, da wird sich zeigen, was das Modell alles aushält. Zudem schaut der Bauhof, ob eventuell weiteres Zubehör notwendig ist. Zwar verfügt das Rad dank eines Stecksystems über eine variable Transportkiste am Bug, aber es gibt beispielsweise noch Nachrüstteile, um Schaufeln oder anderes großes Werkzeug sicher zu transportieren.

Darüber hinaus wollen die Stadtarbeiter nach Aussage von Sandra Roscher schauen, wo sich dieses Gefährt sinnvoll einsetzen lässt. Für viele Arbeiten werden die Bauhof-Beschäftigten auch weiter aufs Auto angewiesen sein. Doch Wenke kann sich vorstellen, die täglichen Fahrten zum Rathaus künftig mit dem Pedelec zurückzulegen. Aber auch bei der Kontrolle von schmalen Straßen und Wegen, beispielsweise auf dem Elberadweg, sowie beim Ersatzteiltransport werden er und seine Kollegen wohl zunehmend auf das Lastenrad zurückgreifen.

Zweites Lastenrad ist geplant

Bewährt sich das neue Transport-Dreirad, plant die Stadt Nachschub. Derzeit gibt es in der Stadtverwaltung drei Dienstfahrräder, eines davon ist ein E-Bike. „Die Räder werden gut genutzt, viele Mitarbeiter fahren zudem mit ihrem eigenen Rad“, sagt Pirnas Klimaschutzmanager Thomas Freitag.

Ein zweites Lastenfahrrad soll bald hinzukommen, zunächst für die Rathausmitarbeiter. Später soll sich dann jedermann das Fahrrad ausleihen können. Die Zeit für einen Erwerb ist derzeit günstig, denn er wird finanziell gefördert. Das Rad für den Pirnaer Bauhof kostet beispielsweise 5.500 Euro, das Land fördert für die öffentliche Hand solche Käufe pauschal mit je 1.500 Euro.

Marcus Wenke ist nach den ersten Testfahrten schon ziemlich angetan von dem neuen Gefährt, vor allem, weil des dank des Elektromotors nun viel einfacher bergauf geht. „Die Fahrt zum Bauhoflager am Feistenberg“, sagt er, „wird damit zum Kinderspiel.“